Ein Abschied

Als ich den Sperlich Verlag Berlin eröffnete, mit der Hilfe von Freunden und Kollegen, aber offziell im Alleingang, war das ein frohes Wagnis.
Es hat zu einigen guten Büchern geführt. Und ich bin sehr froh, daß ich dies Wagnis eingegangen bin, und dankbar für die Hilfe, die ich dabei hatte.
Nur leider eines bin ich nicht: eine Geschäftsfrau.
Nachdem der Verlag die längste Zeit auf dem Papier hindümpelte und Geld kostete, habe ich mich nun entschlossen, ihn aufzugeben. Er wird zugleich mit diesem Jahr gehen.

Das ist kein Grund zum Jammern, es ist ja Schönes durch diesen Verlag entstanden – aber es hat eben alles seine Zeit, und die Zeit dieses Unternehmens war nicht lang.
Da ich seit einiger Zeit radikal aufräume in meinem Leben – was dringend nötig ist – trenne ich mich damit von einem weiteren Ding, das ich nicht bewältige und das nicht mehr sinnvoll ist.

Sicher wird es in der folgenden Woche, wenn ich den bürokratischen Kram über mich bringe – der in nichts Komplizierterem bestehen wird als dem Finanzamt Bescheid zu sagen – auch etwas wie Wehmut geben. Aber ich werde keine Sentimentalitäten pflegen.

Ich bin in höherem Maße erleichtert als traurig.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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13 Antworten zu Ein Abschied

  1. jobo72 schreibt:

    Hm… Und ich hatte insgeheim – jetzt kann ich es ja sagen! – gehofft, irgendwann einmal ein Gedichtbändchen im Sperlich Verlag veröffentlichen zu können.

    Herzliche Grüße an die andere Seite Friedenaus,
    Josef

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Das ist die wirklich traurige Seite der Sache. Ich kenne mehrere Leute, die solche Hoffnungen hatten. Und ich schaff es einfach nicht.
      Tut mir wirklich, wirklich Leid! Aber andererseits wäre es auch nicht gut, feine Gedichte in einem so gar nicht funktionierenden Verlag zu veröffentlichen.

  2. Johannes schreibt:

    Das alles ist sehr schade. Es gibt viele Verlage, aber wir brauchen gute! Aber was nicht sein soll, das soll wohl nicht sein. Alles Gute Dir bei der Abwicklung und auf frischen, neuen Wegen.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Abzuwickeln ist da nicht viel; wäre es mehr, würde ich mir die Sache noch mal überlegen.
      Ja, schade ist es – und doch bin ich sicher, es ist besser, wenn ich mich auf die Dinge konzentriere, die ich wirklich kann. Schreiben zum Beispiel.

  3. meinesichtderwelt schreibt:

    Manchmal ist loslassen sehr befreiend, habe ich in diesem Jahr auch auf im Nachhinein sehr positive Weise gelernt. Ich bewundere deine Konsequenz und kann jeden deiner Gedanken nachvollziehen. Alles Gute für die nächsten Wochen. Und trotz allem: schade! Liebe Grüße von Doris

  4. theomix schreibt:

    Dieser Schritt wirkt wohlbedacht und abgewogen. Du vollziehst ihn mit innerer Stärke. Ich gratuliere dir zu dir. 😀

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Danke! Ich merke auch mehr und mehr, daß meine Lebens-Aufräum-Aktion vorwiegend gut tut. Und nebenbei halt auch mal Arbeit macht und doof ist – aber das ist Wohnung putzen ja auch. 🙂

  5. ladyfromhamburg schreibt:

    Auch ich bedaure, wenn ich deinen Post lese, dass es den Verlag – deinen Verlag! – nicht mehr geben wird. Doch es liest sich gleichzeitig so, dass es für dich eine wohl durchdachte Entscheidung ist und du dich vorrangig etwas entledigst, das mittlerweile zu einer Belastung wurde. Die Erleichterung über diesen Entschluss – und selbst seine Folgen – wirkt doch größer als das Bedauern und der ganz natürliche Wehmut angesichts der „Aufgabe“. Es ist immer ein Abwägen von Für und Wider. Du wirst es schon richtig machen! Alles Gute!

    LG Michèle

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Dank für diese freundlichen Worte!
      Ich muß mich wohl am meisten davor hüten, mir zu sagen „Ich schaff auch echt gar nix“ – dochdoch, ich schaffe schon einiges, nur eben nicht einen Verlag zu halten, der sich irgendwann zum uralten Traditionsunternehmen entwickelt. 😉
      Dafür kann ich Sonette.

  6. Bettina Klix schreibt:

    Ich schließe mich den andern an, und wünsche Dir, dass die Entscheidung Segen bringt.
    Obwohl ich glaube, dass den Verlag noch ein zweites Leben erwartet. Das ist weder eine Prophezeiung, noch habe ich einen Masterplan, nur so ein Gefühl…

  7. Pingback: Zwölf Jahre danach | Mein Leben als Rezitatorin und Dichterin

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