Helfen dürfen

Eben war ich vor meinem Stamm-Internetcafé eben angekommen. Der immer freundliche Mitarbeiter stand etwas ratlos vor der Tür und freute sich sichtlich, daß ich kam. Eine alte Frau, geistig nicht völlig bei sich, ohne Geld und in zu dünner Kleidung, vollständig erschöpft, stand ratlos bei ihm, wollte ihren Rollstuhl (der nach ihrer Angabe bei ihr zu Hause stand) und wußte sich nicht mehr zu helfen. Gemeinsam überlegten wir – die Anschrift war nicht weit weg, und ich hätte die Frau dorthin begleiten können oder auch kurzerhand gucken können, ob der Rollstuhl tatsächlich dort vor der Tür stand. Aber wir kamen überein, es sei doch sinnvoller, die Polizei um Hilfe zu bitten.
Bis die Polizei kam – zwei sehr freundliche Beamte, die die Frau hoffentlich an die richtige Stelle bringen, sollte die Anschrift doch nicht stimmen oder sie besser nicht allein bleiben – hielt ich die Frau im Arm, der Mensch vom Internetcafé brachte ihr ein Glas Wasser. Sie redete viel und nicht sehr zusammenhängend und ließ eine Reihe von Lebenskatastrophen erkennen. Sie weinte auch, und es tat ihr sichtlich gut, daß ich sie ein bißchen streicheln und im Arm halten konnte.

Ich kann ja nicht mehr für sie tun, und ich hoffe und bete, daß sie die Hilfe bekommt, die sie wirklich braucht. Aber in einer Zeit, da ich mich frage, wo ich eigentlich meine Aufgaben habe, bin ich sehr dankbar für diese Begegnung.

Advertisements

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.