Wassermangel

Die Renovierung bei den Leuten unter mir ist sehr umfangreich.
Und sie hatte schon zweimal zur Folge, daß in diesem Hausteil das Wasser abgestellt wurde – allerdings immer mit äußerst freundlicher Vorwarnung und nur eine Stunde lang. Das ist normal und unbedingt hinzunehmen.
Dann aber wurde es kurios.
Gestern abend kam ich von der Choralschola und hatte kein Wasser mehr. Keinem Hahn war ein Tropfen zu entlocken! Mein erster Gedanke: Rohrbruch, aber der Keller war trocken. Die Nachbarn in diesem Hausteil waren alle nicht da. In den anderen Hausteilen gab es Wasser (auch für mich, ein Eimer und mehrere Töpfe voll – fein, wenn man freundliche Nachbarn hat).
Nun ist eine Nachbarin die Mutter der Bauherrin jener Renovierung, und die hat heute morgen den Bauleiter angerufen. Der habe einen Menschen telephonisch gebeten, ein bestimmtes Ventil im Keller abzustellen. Und dieser Mensch habe offenbar am falschen Knopf gedreht.
Die Hausverwaltung hatte mich kurz vorher angerufen wegen meiner Nachricht auf Mailbox, und ich hatte gesagt, es sei alles in Ordung, der Bauleiter komme gleich.
Eine halbe Stunde später war der Bauleiter da und stellte fest, daß das Ventil gar nicht berührt worden war. Nach einigen Telephonaten war auch klar, daß keiner von der Bautruppe dagewesen war. Er fand die Ursache für meinen Wassermangel nicht.
Ein bestimmtes Rohr im Bad könne, sagte er, der Grund sein. Er schicke einen Installateur. Ich machte mich also auf eine Notdienstarbeit und entsprechende Rechnung gefaßt.
Dann klingelte ein Nachbar bei mir, der nur selten im Haus ist. Ob ich wisse, warum kein Wasser läuft. Er war sehr besorgt und ängstlich, und ich war ein bißchen erleichtert, weil das ja bedeutete, daß es nicht an meinem Ventil liegen konnte.
Und ganz kurz darauf, noch während ich mit dem Nachbarn sprach, kam der andere Nachbar und bat um Entschuldigung – er ist derjenige, der an den Haupthahn kann, und er hatte wegen des Ablesedienstes abgestellt und vergessen, im linken Seitenflügel wieder anzustellen.

Fehler passieren halt, und ich habe in meinem Leben schon schlimmere Fehler verschuldet als diesen. Gelernt habe ich daraus zweierlei:

1. Nicht gleich ausflippen – die Nachbarn sind freundlich und hilfsbereit.
2. Mir scheint es furchtbar, fast nicht erträglich, ungefähr 18 Stunden (von denen ich sechs ohnehin verschlafe) kein fließendes Wasser zu haben. Ist das nicht eine ziemliche Anspruchshaltung?

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Wassermangel

  1. Violine schreibt:

    Mir ist meine treue Armbanduhr kaputt gegangen. Glaubst Du, ich komme ohne das Ding aus? Zu meinen Jugendzeiten bin ich auch ohne Armbanduhr ausgekommen, denn überall in der Stadt hingen Uhren.
    Die Uhren hängen heute auch noch (wenn auch andere Stadt), aber dauernd auf die Uhr schauen zu können, das vermisse ich schon sehr. (Dabei habe ich aber nich das Handy und den Rechner! Beides hatte ich früher nicht.)

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