Wenn ich schon mal gefragt werde

… ob ich nicht, bitte, für eine facebook-Freundin das Sacris Solemniis des Thomas von Aquin übersetzen könnte, und zwar metrisch genau, weil es auf eine vorhandene Melodie passen soll – na, dann mach ich das halt. So bin ich.

Heiliger Brauch, der mit Freuden verbunden sei,
Tief aus dem Herzen erklinge der Lobgesang,
Altes entweiche, und alles erneure sich:
Lieben, Singen und Gutes Tun.

Beim letzten Abendmahl – dessen gedenken wir –
Christus den Brüdern gab, wie unser Glaube sagt,
Brot ohne Sauerteig, Lamm nach den Weisungen,
Wie den Vätern geboten war.

Bildhaft das Lamm, und den Leib unsres Herren gab
Er nach dem Mahle den Jüngern mit eigner Hand,
Gänzlich für alle und ganz jedem einzelnen,
Wir bekennen es überall.

Er gab den Schwachen die Speise des Leibes hin,
Er gab den Becher des Blutes den Traurigen,
Und dabei sprach Er: Den Kelch, den Ich gebe euch,
Nehmt ihn, trinkt daraus alle nun.

Dies Sakrament hat Er eingesetzt, anvertraun
Will Er dem Priester alleine den Dienst daran,
Daß er es selber gebührlich empfangen mag
und es spende den anderen.

Engelsbrot wird nun gewandelt zu Menschenbrot;
Himmelsbrot setzt nun ein Ende den Vorbildern;
Wunderbar ist das: der arme und niedrige
Diener, der seinen Herrn verzehrt.

Dich, o dreieinige Gottheit, Dich bitten wir,
Daß Du auf uns, die Dich ehren, herniederschaust,
Auf Deinem Weg, den wir suchen, geleite uns
Bis zum Lichte, das Du bewohnst.

© der Übersetzung: Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Wenn ich schon mal gefragt werde

  1. unendlichkeitscode schreibt:

    Hmmm, was die Verslehre ist, ist mir bekannt. Es stellt sich jedoch für mich die Frage, was jetzt eine genaue Übersetzung ist, denn inhaltliche Unterschiede sind ersichtlicht:

    „es weiche das Frühere, neu sei alles:
    die Herzen, Lieder und Werke.“

    “ Altes entweiche, und alles erneure sich:
    Lieben, Singen und Gutes Tun.“

    Vom Sinn her kann man das FRÜHERE nicht gleich setzen mit ALTES. Und so weiter.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Doch, kann man – allerdings nur, wenn man den lateinischen Sprachgebrauch des 12. Jhs. kennt. Und natürlich hat mit den übersetzerischen Unschärfen auch zu tun, daß es eine metrisch genaue Übertragung ist, was immer zu Kompromissen führt.

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