Ein Gebetbuch

Die Priesterbruderschaft St. Petrus hat das Gebetbuch Oremus herausgegeben. Dies und andere Schriften kann man dort unentgeltlich bestellen. Bei einer Online-Bestellung bekommt man eine Bestätigung mit der Information, daß die Zustellung unter Umständen sechs Wochen dauern kann. Ich wappnete mich mit Geduld und bekam das Buch nach zwei Tagen.

Es ist ein handliches Büchlein in schönem und augenfreundlichem Druck. Auf 336 Seiten finden sich thematisch geordnet Gebete aus dem fast unübersehbaren Gebetsschatz der Kirche. Berühmte Geistliche, Theologen und Heilige wie Augustinus, Newman und die beiden Teresas kommen ebenso zu Wort wie verschiedene Dichter. Die Grundgebete und Gebete aus dem Missale sind ebenfalls vertreten.

Es sind nicht nur Gebete für alle Lebenslagen, Dank und Fürbitte, Betrachtung und Meditation, sondern auch für verschiedenste Ausprägungen der Frömmigkeit. Gläubige mit einer besonderen Nähe zu Maria und den Heiligen können das Buch ebenso nutzen wie jene, denen die Marienverehrung mitunter übertrieben scheint. In Zeiten, da das Kreuz Christi im Mittelpunkt des Lebens steht, ist das Buch ebenso nutzbar wie in Zeiten, da Herz und Herrlichkeit Jesu aufleuchten.

Unter dieser Vielzahl an Gebeten sind auch solche, die ich kitschig finde oder die mir nicht einleuchten. Das ist kein Fehler; das Buch ist eben nicht nur für Menschen in verschiedensten Lebensumständen, sondern auch für Menschen mit verschiedenem Geschmack konzipiert – es wird wohl jeder etwas für ihn Passendes darin finden.

Leider sind die Autoren der Gebete nicht immer angegeben. Gestört hat mich, daß Martin Luthers ergreifendes Gebet Aus tiefer Not hier in abgewandelter Form und ohne Autorennamen aufgenommen wurde, was aus meiner Sicht unredlich wirkt. Ein 1912 veröffentlichtes Friedensgebet aus Frankreich wird hier, wie so oft, Franz von Assisi zugeschrieben. Hier wäre größere Sorgfalt in dem sonst so schönen Buch angebracht gewesen.

Ich verstehe zahlreiche Gebete auch als Anregung zur eigenen Formulierung, und manche Gebete können auch ein Anstoß sein, sich mit bestimmten Facetten des Glaubens und Lebens auseinanderzusetzen.

O Heiliger Geist, Du Liebe des Vaters und des Sohnes, gib mir stets ein, was ich denken und sagen sol, wie ich es sagen soll, wann ich schweigen soll, was ich schreiben und wie ich handeln soll, um Deine Ehre und das Heil der Seelen zu fördern und an meiner eigenen Heiligung mitzuwirken. Amen.

Jean Kardinal Verdier

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Ein Gebetbuch

  1. Xeniana schreibt:

    Die haben irgendwie mit den Piusbrüdern zu tun oder? jedenfall wäre, wenn dem so wäre, es für mich ein Grund nichts zu bestellen.

    • Andreas schreibt:

      Die haben nur insofern etwas mit den Piusbrüdern gemein, als daß die Petrusbruderschaft nach den unerlaubten Bischofsweihen ursprünglich aus Priestern der Piusbruderschaft entstanden ist, die in der vollen Einheit mit der Ekklesia bleiben wollten. Die Petrusbruderschaft ist somit eine Ordensgemeinschaft innerhalb der Ekklesia und pflegt als besonderes Charisma die Liturgie der außerordentlichen Form des Römischen Ritus. Man kann also ruhig bestellen … 🙂
      Der Redakteur des Buches, Pater Metz, war übrigens zuvor ein Diözesanpriester.

  2. Andreas schreibt:

    Die vorgebliche Provenienz vom hl. Franziskus wird man dem besagten Friedensgebet wahrscheinlich nicht mehr austreiben können. Hierbei gilt nicht: „Zu schön, um wahr zu sein“, sondern halt: „So schön, daß es wahr sein muß“.
    Was Luthers Liedtext betrifft … letztlich eine Paraphrase des 129. Psalms … auch das hätte man vermerken können. Die Fassung scheint mir jene des alten Schweizerischen Kirchengesangbuches zu sein, und auch dort wurde der Verfasser übergangen. Wahrscheinlich wurde es so übernommen, wie’s da halt drinstand (zumal P. Metz nicht allzuviel Ahnung von Hymnologie hat) … 😉

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich steh halt auf genaue Quellenangaben.
      Aber was jenes Friedensgebet angeht, hast Du wohl recht. Wer weiß, vielleicht wird das irgendwann, wenn unser jetziger Papst zur Ehre der Altäre erhoben ist, auch eine Wanderanekdote. 😉

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