Nähzeug

Ich besitze einen wundervollen, warmen, langen Wintermantel. Jedenfalls von außen.
Denn das Futter ist wirklich hinüber.
Nun kann man das zwar vom Schneider beheben lassen, aber der will dafür begreiflicherweise Geld, und das habe ich voraussichtlich wieder in einer Jahreszeit, in der ich keinen Mantel brauche. Also wollte ich warten und mit dem leichteren und kürzeren Mantel auskommen. Aber jetzt ist es wirklich kalt geworden.
Also heißt es: Kaputtes Futter irgendwie wieder zusammennähen. Mit dem Grundgedanken: Merkt ja eh keiner, habe ich mich nun darangemacht – und die schlimmsten Risse sind geschlossen, die anderen repariere ich später oder nie. Mut zum Riß im Futter, solange es keiner sieht!

In diesem Zusammenhang stellt sich mir eine Frage.
Wer hat die Einfädelhilfe erfunden? Und warum hat dieser wundervolle Mensch noch kein Denkmal? Nach ihm sollten Straßen und Berufsschulen heißen, seine Büste sollte Nähstuben und Brillenläden schmücken, und die Einfädelhilfe sollte seinen Namen tragen! Denn ohne diese Erfindung hätte ich den Faden nie und nimmer in das Nadelöhr bekommen, das Mantelfutter nicht genäht und draußen gefroren.

Es ist demzufolge nicht übertrieben zu sagen, daß mein Wohlbefinden, meine Gesundheit und sogar mein regelmäßiger Kirchgang im Winter in Zusammenhang steht mit der Erfindung der Einfädelhilfe.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Nähzeug

  1. Reinhard schreibt:

    Das scheint Richard Pearse gewesen zu sein, so sagen zumindest verschiedene Leute:
    http://www.gutefrage.net/frage/wessen-kopf-ist-auf-den-einfaedelhilfen-zu-sehen

    LG,
    Reinhard
    (der sonst im Kreuzgang zu finden ist)

  2. Pingback: Ein einsamer Tüftler | Mein Leben als Rezitatorin und Dichterin

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