Keine Bewilligung

Um irgendwelche Chancen auf dem engen Berliner Arbeitsmarkt zu haben, habe ich mich (auf Anraten von einer Pflegedienstleiterin) bei einem 240-Stunden-Kurs in Basispflege angemeldet. Heute war ich beim Jobcenter, um ihnen diese Anmeldung zu zeigen und mir das Geld für den Kurs bewilligen zu lassen.
Es wird nicht bewilligt. Denn, so die Kurzfassung der jobcenterlichen Argumentation, ich habe eh keine Chance. Stattdessen sind sie allerdings bereit, mir eine Maßnahme zu bewilligen, bei der ich zwar vermutlich einiges lerne, was mir irgendwie nützen kann, die Chance, dadurch Arbeit zu bekommen, allerdings weit geringer ist denn mit pflegerischen Fähigkeiten.
Abgesehen davon fand eine Angestellte des Jobcenters, meine – klaren, absolut ehrlichen und formal ungenügenden – Angaben über Zuverdienste seien „ja wohl ein Witz“, was mich zu der Antwort veranlaßte „Ich möchte Ihre Vorgesetzte sprechen – sofort“. Die Vorgesetzte war dann auch freundlicher und gescheiter, aber am Ende kam eben doch nur dies heraus.
Ja, ich möchte diese Maßnahme machen. Ich will mich bemühen, sie gern zu machen. Ich schließe auch nicht aus, daß ich dadurch irgendwie und irgendwann irgendeinen Job bekomme. Aber Pflege ist definitiv nötig, ich habe Vorkenntnisse, ich will diese Arbeit machen, und ich darf nicht. Meine Denkfähigkeit reicht nicht aus, dies zu verstehen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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12 Antworten zu Keine Bewilligung

  1. jobo72 schreibt:

    Unverständliche Entscheidung auf willkürlicher Ermessensgrundlage! Klar ist doch: Wenn es einen Bereich gibt, in dem Deutschland (und besonders auch die Großstädte) in den nächsten Jahren und Jahrzehnten Arbeitskräfte braucht, dann die Pflege! – Ich weiß nicht, welche Rechtsmittel es da noch gibt, ich würde diese aber ausschöpfen. LG, JoBo

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Das ist eine Idee – ich bin gerade dermaßen traurig und enttäuscht, daß ich nicht darauf gekommen bin. Ich schau mal.
      Wenn es nicht klappt, mache ich auf jeden Fall die angekündigte „Maßnahme“ – habe mich da heute schon mal umgeguckt, und wenigstens scheint die Atmosphäre freundlich zu sein. Aber lieber wäre mir schon so etwas eindeutig Sinnvolles.

  2. Charlotte Schwarz schreibt:

    Das ist nicht verwunderlich! ich habe den Eindruck, dass man als Eingangsqualifikation zur Arbeit im Jobcenter / Arbeitsamt / bei der Agentur für Arbeit einen bestimmten IQ unterschreiten muss. Darauf wird peinlich genau geachtet. Das hilft nicht, erklärt aber vielleicht Einiges! LG

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Dann wäre vielleicht ein Schauspielkurs als Maßnahme sinnvoll, damit ich endlich lerne, mich wirklich dämlich zu stellen. Glaubt mir ja sonst keiner.

  3. isa schreibt:

    Ich weiß nicht obs in Berlin anders ist als im Rest der Jobcenter- und Arbeitsamtswelt. Da ist es zwingend, dass man sich nirgends anmelden darf bevor man nicht den Antrag auf Kostenerstattung gestellt hat und die Bewilligung erteilt ist. Auerdem gibt es eine besondere Certifizierung der Arbeitsämter die Kursanbieter haben müssen um überhaupt gefördert zu werden. Diese Fortbildungen kann man sich auf Kusnet suchen. http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs/ Das alles wird gern verschwiegen, wenn eine Ablehnung erteilt wird.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Von diesem Pflegekurs weiß ich, daß er als Maßnahme akzeptiert ist. Es gibt also aus Sicht des Jobcenters gar keinen Grund, ihn nicht zu bewilligen – außer der schlechten Laune der Mitarbeiterinnen. Aber ich habe mir vorgenommen, meinen Groll zu bezähmen. Vielleicht können sie einfach nicht anders.

  4. Brettenbacher schreibt:

    Dichten
    Beten
    Singen
    DAS können Sie !
    DIES Ihr Auftrag !

  5. Eugenie Roth schreibt:

    Das Gleiche bei mir vor drei Jahren, nach der Pflege von Mylady (Siehe August 2010 ungefähr). Wird nicht gefördert, habe ich selbst bezahlt. So ist es.

  6. Claudia Sperlich schreibt:

    Ich habe gestern dort, wo ich mich angemeldet hatte, vorgesprochen – und der Pflegedienstleiter (oder was immer seine leitende Funktion ist) war absolut entsetzt. Die Frau, die mit dem Jobcenter verhandelt, kommt Montag aus dem Urlaub und wird dem Jobcenter dann hoffentlich deutlich machen, daß die dortigen Mitarbeiterinnen um die Wette Unfug erzählt haben, Leute mit meinem Lebenslauf sehr wohl eine Chance in der Pflege haben und sie mich unbedingt zulassen sollen.
    Wenn das nicht klappt, mach ich eben erst diese halbwegs sinnfreie Maßnahme, die das Jobcenter mir andiente, und diesen Kurs später. Wird schon irgendwie werden.

  7. Eugenie Roth schreibt:

    Also denn, BETEN! – und ich habe am Dienstag meine erste (praktische) Prüfung zum Betreuungsassistenten, am 12. Mai die theoretische …

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