Ganz allgemeine Vanitas

Weglos

Zu Dir, Herr, hol mich endlich heim. Laß enden
Mein wirr und nutzlos durchgebrachtes Leben.
Ich darf nicht Hilfe leisten, kann nichts geben
Und kentre immer beim Versuch zu wenden.

Ich kann nur Worte zu Gedichten weben,
Kann eigne Zeit und fremde Zeit verschwenden,
Kann nichts erbaun mit ungeschickten Händen –
Und niemand braucht mein hilfsbereites Streben.

Ich leb seit langem auf Gemeinschaftskosten.
Ich nütze nichts. Ich fühl mein Herz verrosten.
Mir will kein Werk, nicht Rat noch Tat gelingen.

Was ich geschrieben habe, wird verstauben.
Geblieben ist mir nur, an Dich zu glauben.
Nimm mich zu Dir, Herr! Dann will ich Dir singen.

© Claudia Sperlich

Advertisements

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Ganz allgemeine Vanitas

  1. E.T. schreibt:

    Danke für dieses Gedicht! Es ging bzw. manchmal geht es mir ähnlich. „Geblieben ist mir nur, an Dich zu glauben“: Ich denke, mehr will Er dann auch nicht von uns. Und nichts ist vergeblich, wenn in Liebe ertragen!

  2. theomix schreibt:

    Ein bißchen ist es Jammern im frommen Kleid. Ich hau gleich auf die Osterpauke, Frau Tristitia!.
    Und wieder mal ein hervorragendes Gedicht!

  3. Susanne schreibt:

    Liebe Claudia, du lebst „auf Gemeinschaftskosten“? Ich weiß nicht. Was ist denn das für eine Gemeinschaft, die dir nicht mal ermöglicht, sicher zu sein. Nimm dir mal nicht nur die Pflichten, sondern auch die Rechte. Und du „nützt nichts“?? Da bleibt mir ja nur der Mund offen stehen, nach allem, was ich hier schon gelesen habe.

    Wenn ich das sagen darf: Dieses Gedicht spricht mich an (im Unterschied zu manchen deiner anderen), weil sich hier deine Gefühle nicht mehr hinter der Form verstecken. Und ich vermute, da geht’s lang.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Dank für den Kommentar.
      Ja, schon: Gemeinschaftskosten. Ich hätte es gerne anders.
      Die anderen Gedichte zeigen andere Gefühle – die auch meine sind. Die sind halt so, die Gefühle. Und wo es langgeht? Keine Ahnung.

Kommentare sind geschlossen.