So nette Rache

… nehme ich manchmal gerne. Jaja, ich weiß schon, soll man nicht. Und sie sind keinesfalls alle so. Aber dennoch.

Gemeinde

Man ist in Wilmersdorf so fromm und gut
Wie ein verschlossner Apothekenschrank:
Viel Raum für Gift ist auf der Kirchenbank,
Viel Raum für Galle unterm Witwenhut.

Gleich nach dem Segen gibt es Tratsch und Zank –
In übertünchten Gräbern Natternbrut!
Doch alles bürgerfein und ohne Wut;
Man ist ja so voll Demut, Gott sei Dank.

Ich kann verstehen, daß die Männer starben,
Die Auto, Haus und Rente euch erwarben –
Ich hätts an ihrer Stelle auch getan.

Und überlebt ihr dann auch mich, ihr Zähen,
Könnt ungestört ihr lästern und euch blähen –
Dann haben Schlangenzungen freie Bahn.

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu So nette Rache

  1. Susanne schreibt:

    Ist schon interessant, wodurch sich Giftnattern so gestört fühlen … 😉 Aber freie Bahn werden sie auch nach deinem – bis hundertzwanzig – Ableben nicht haben, denn auch Störungen wachsen nach! Außerhalb der Gedichte: nicht mal ignorieren!!!

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Wenn das man so einfach wäre mit dem Ignorieren. Aber nach diesem Sonett gings mir etwas besser. Sonetteschreiben als Seelentrost macht außerdem nicht fett.

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