Meine Hilfe kommt jedenfalls nicht vom Staat

… sondern von einem ziemlich großen Engel, also zumindest mittelbar vom Herrn.

Nachdem das Jobcenter sich nicht bereitfand, einen als „Maßnahme“ anerkannten 240stündigen Pflegekurs zu finanzieren, mit dem Argument, daß ich damit ja doch keine Arbeit finde, hatte ich mich bereiterklärt, an der stattdessen vorgeschlagenen „Orientierungsmaßnahme“ teilzunehmen. (Ich hätte dort unter anderem Rechtschreibung und Textverarbeitung lernen können.) Die hierfür notwendige Bestätigung wurde mir allerdings nicht zugestellt.
Weitere Versuche, den sinnvolleren erstgenannten Kurs gewährt zu bekommen, scheiterten, obwohl die Kursleiterin sich sehr für mich ins Zeug legte.

Und dann hörte davon ein Engel und sagte mir Hilfe zu. Im letzten Augenblick konnte ich also den Vertrag unterschreiben, muß nun noch in den nächsten Tagen einige Papierchen von Arzt und Polizei und Gesundheitsamt nachreichen zum Nachweis, daß ich arbeitsfähig, unvorbestraft und nicht pestkrank bin – und lerne erst in einem theoretischen Kurs und dann in einem Praktikum einiges über den Pflegedienst, wobei ich auch einiges längst Gelernte auffrische – ich habe ja vorzeiten ein Jahr lang in einem Altenpflegeheim gearbeitet, was dem Jobcenter bekannt ist.

Heute beginnt der Kurs. Ich bin aufgeregt – und froh. Ich habe eine gute Chance, einen Job zu finden. Aber das Jobcenter mag mich offenbar so gern, daß es mich gar nicht weglassen will. Wenigstens nicht, ohne mir vorher Rechtschreibung beizubringen.

Vielen Dank, Engel. Für alles.
Vielen Dank auch, Jobcenter. Wir sind uns ja einig darüber, daß Schreiben eine wichtige Fähigkeit ist, und es ist lieb, daß Du mir das beibringen wolltest – wenn es auch irgendwie doch nicht geklappt hat.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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9 Antworten zu Meine Hilfe kommt jedenfalls nicht vom Staat

  1. Indica schreibt:

    Ich wünsche dir einen guten Start in deinen Kursus! Und hinterher bitte ein Entlarvungsbuch über das Jobcenter aus Absurdistan. (Hättest du doch die Professur für Verkehrslogistik angenommen!)

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Zumindest ein abendfüllendes Satireprogramm wird drin sein.
      Wobei Satire eigentlich schon ein hochgestochenes Wort dafür ist. Gesprächsprotokoll genügt völlig; das kann sich eh kein Satiriker der Welt ausdenken.

  2. Indica schreibt:

    Ja, ich verfolge das ja drüben auf FB mit. Lügen, Hauen, Stechen. Das kann sich wirklich kein Drehbuchautor oder Satiriker ausdenken. (Bitte den Anwalt für deine Angelegenheiten nicht vergessen und zügig in die Spur schicken!)

  3. Carmen Lang schreibt:

    Das zu lesen, freut mich sehr für Sie, liebe Claudia. Da bleiben mir zwei Dinge zu sagen:
    1. Halleluja!
    2. Einen guten und gesegneten Start!

    Liebe Grüße aus dem sonnigen Mittelhessen.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      1. Amen!
      2. Danke!
      … und mal abwarten, was dem Jobcenter noch einfällt an Knüppeln für zwischen die Beine – aber ich bin guten Mutes.

  4. Violine schreibt:

    Alles Gute!

  5. isa schreibt:

    Bingo! 🙂

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