Über das Erkennen von Redlichkeit

Vor 118 Jahren wurde Bruno Snell geboren.
Zu ihm kam in der Nazizeit ein ihm unbekannter Student mit der Frage:
Herr Professor, hat es überhaupt noch Sinn, klassische Sprachen zu studieren?
Snell antwortete:
Zur Zeit sieht es nicht danach aus. Aber wenn wir den Krieg erst einmal verloren haben, dann hat es wieder Sinn.

Nach dem Krieg trafen sie sich wieder; der Student, nun schon Doktorand, fragte:
Herr Professor, Sie kannten mich doch gar nicht. Wie konnten Sie wissen, daß ich Sie nicht verrate?
Snell antworete:
Als Sie in mein Büro kamen, sagten Sie „Guten Tag, Herr Professor“.

In der Tat: Unter Umständen ist bereits die Grußformel ein klares Bekenntnis.

Advertisements

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Über das Erkennen von Redlichkeit

  1. Bettina Klix schreibt:

    Danke Dir für diesen Hinweis! Dadurch fiel mir gestern beim Trödler sein Buch „Neun Tage Latein“ auf, das ich zu einem sehr schönen Preis bekam. Ich hatte von ihm noch nie gehört.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Sein Hauptwerk ist „Die Entdeckung des Geistes“ – auch dann gut zu lesen (wenn auch sehr hohe Konzentration fordernd), wenn man die griechischen Zitate nicht versteht.

Kommentare sind geschlossen.