Lilienblüten

Im Vorgarten blüht heuer leider nur noch eine von den vielen Lilien – diese aber besonders schön!



Karl Rudolf Hagenbach
Lilien des Feldes

Wie sie spinnen,
Wie sie weben,
Wie sie sinnen,
Zu gewinnen —
Und das nennen sie ein Leben!

Wie gesponnen,
So zerronnen,
Wie gewoben,
So zerstoben —
Und das heißen sie — gewonnen!

Wie sie prangen
In der Seide
Purpurkleide,
Und verlangen
Immer neue Augenweide.

Unter blauen
Himmels Milde
Kommt zu schauen
Auf den Auen
Dort der Lilien Glanzgebilde.

Licht der Sonnen
Mild zersetzet,
Fein gesponnen,
Thau benetzet,
Wie das Aug‘ und Herz ergetzet!

Farben, duftig
Zart gewoben;
Wie nach oben
Sich so luftig
Euer Schleier hat gehoben!

Geh‘ zu fragen
Auf den Thronen
Salomonen;
Laß sie sagen,
Ob sie solchen Purpur tragen.

Wird das Leben
Dir zu enge,
Ob’s gelinge
Deiner Länge
Eine Spanne noch zu geben?

Froh dein Leben
Zu gewinnen,
Lern‘ es eben
Von den zarten Spinnerinnen,
Von den klugen Weberinnen,
Die nicht weben,
Die nicht spinnen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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