Wirklich guter Lesestoff

Nachdem ich den Römerbrief durchgelesen habe und an einigen Stellen griechisches Original, Vulgata und Einheitsübersetzung verglichen habe (und mal wieder festgestellt habe, daß Griechisch nicht so meines ist), lese ich nun die Apokalypse des Johannes. Auf Latein, und ich finde sie sprachlich gar nicht mal so schwer.
Latein ist eben doch die Sprache aller Sprachen, da lasse ich gar nicht mit mir verhandeln. Im übrigen – lest die Schrift, gleich in welcher Sprache. Nicht nur wegen des Glaubens. Mangelnde Bibelkenntnis ist auch mangelnde Bildung hinsichtlich bildender Kunst, Literatur, Musik und Philosophie. Nicht einmal antikirchliche Satiren kann man ohne Bibelkenntnis verstehen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Wirklich guter Lesestoff

  1. cassandra_mmviii schreibt:

    Das schönste Referat meiner Uni-Zeit fing mit dem Satz „Rom ist die heiligste Stadt der Christenheit, denn dort liegt Jesus Christus begraben“ an. Duie Hälfte der Teilnehmer kam von den evangelischen Theologen und bei der Hälfte der Theologen (evangelischer Gattung) kam beim ersten Teil des Satzes der kleine Luther mit Hammer, Nagel und Papier unter’m Arm hervor, bereit, gegen Rom zu ziehen. Die Dozentin erstarrte. Dann meinte sie „Es gibt kein Grab Jesu“, was die Referentin nicht schocken konnte- klar gibt es eins. Und zwar in Rom, denn dort betet der Papst ja den Kreuzweg. Der Papst ist ja auch in Rom. Dozentin erklärt, daß der Apostel Petrus nach Rom gekommen sei und dessen Grab sich dort nach katholischem Glauben befindet. Aha! Also doch in Rom! Wieso sonst sollte Petrus dahinkommen?
    Die Dozentin ließ Petrus ruhen und erklärte, die Kreuzigung habe in Jerusalem stattgefunden, aber nach christlichem Glauben sei Jesus auferstanden, es gibt also kein Grab im eigentlichen Sinne, wohl aber verschiedene Traditionen, wo das Grab gewesen sei. Referentin guckte entgeistert „Auferstanden? Aber das geht doch gar nicht!“
    Dozentin hatte jetzt keine Lust mehr. Hier geht es nicht um die Auferstehung, sondern um mittelalterliche Theologie und deren Auswirkungen und das hätten die Menschen nun mal gelaubt. „Ja, aber wieso glaubt man denn so was?!“

    Mein Kommentar zur Nachbarin: wenn es ein Grab mit Leichman gegeben hätte, wäre es in 123456789usw Einzelreliquien zerlegt worden.

    Dicht gefolgt von „Verbrechen und Strafe“, Abteilung Mittelalter. Referat über Gotteslästerung. „Gotteslästerung ist in der Bibel verboten“ und Jung-Cassandra fragt nach wo. Dozent sekundiert: dickes Buch, da ist eine Quellenangabe schon hilfreich. Referenten geraten durcheinander: Johannesoffenbarung. Bergpredigt. Psalmen. Genesis. Im Rosenkranz.

    Das wäre denen alles nicht passiert wenn sie getan hätten, was der Dozent im ersten Semester gesagt hat: „Lesen Sie die Bibel. Ohne werden sie das Mittelalter nicht verstehen“.

    Der Literaturdozent von den Anglisten warf in einem einer stylishen Auftritte eine völlig verlesene King-James-Bibel auf den Tisch „Meine Damen und Herren, Ihre Wochenendlektüre“. Irgendwer murrte „Ich glaub‘ aber nicht an Gott!“- „Sie sollen ja auch nicht an Gott glauben, sondern die Bibel lesen!“ Pause „Kein Buch auf der Welt hat mehr Literatur inspiriert als dieses. Sie werden Shakespeare und Marlowe nicht verstehen wenn Sie die Bibel nicht kennen.“ Noch eine Pause „Und außerdem können Sie ja gar nicht wissen, ob Sie an Gott glauben wenn Sie die Bibel nicht kennen“.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Eindrucksvolles Erlebnis! 🙂
      Mein Vater war Agnostiker und Kunsthistoriker – und mahnte seine Studenten immer wieder zur Bibellektüre. „Wenn Sie die Bibel nicht kennen, können Sie nicht Kunsthistoriker werden.“ Haben nicht alle verstanden – sind auch nicht alle Kunsthistoriker geworden.

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