Christenverfolgung

Nero, Domitian und Severus waren im Vergleich zu heutigen Christenverfolgern wie Boko Haram, IS, Taliban, Al-Qaida und Kim Jong-Un süße kleine Rabauken.
Fünf verschiedene Täter bzw. Tätergruppen – bis auf die letztgenannte islamischer Herkunft -, und die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Gegen eine Tätergruppe schreibe ich heute – und zwar in Form eines Briefes an verschiedene Politiker. Innerhalb der nächsten Woche werde ich ihn ins Englische und Französische übersetzen zur weiteren Verwendung und Versendung. Meine Leser bitte ich von Herzen, ebenfalls solche Briefe zu verschicken – mit meinen oder mit eigenen Worten. Ferner bin ich froh über Hinweise auf Adressen, an die man ebenfalls schreiben kann.

Mein Brief stellt keinen Anspruch auf besonders hohes Wissen oder große politische Umsicht. Ich schreibe aufgrund meiner eigenen Sicht. Ich weiß nicht, ob das irgendetwas hilft. Aber es ist neben Gebet und Information alles, was ich tun kann.

Die Christenverfolgungen unserer Zeit sind den Medien wenige Worte wert; wo doch darüber berichtet wird, geschieht es in der Regel tendenziös, in den Kommentaren zu Artikeln über verfolgte Christen findet man regelmäßig und häufig die Behauptung, die Christen seien im Grunde selbst schuld.
Leider kann ich in der Politik bei weitem nicht genug Aufmerksamkeit gegenüber verfolgten Christen erkennen.
Das Hilfswerk Open Doors aktualisiert immer wieder den Index weltweiter Christenverfolgung. Zur Zeit steht der Irak an vierter Stelle von fünfzig Ländern mit Christenverfolgung. (https://www.opendoors.de/ – Ich beziehe mich auf Open Doors, schreibe aber als Privatperson.)
Der IS wird sich nicht zufriedengeben, wenn der Irak „christenfrei“ wird, sondern seine Aktionen immer weiter ausdehnen – das hat er angekündigt, und bisher waren alle IS-Drohungen ernst zu nehmen. Der IS hat durch authentische, nicht gestellte Videos grauenhaft eindrucksvoll gezeigt, dass er jeden ermordet, der nicht seiner Interpretation des Islam hundertprozentig folgt. Enteignung, Folter, Mord, Vergewaltigung und Vertreibung sind im Einflussbereich des IS an der Tagesordnung, und jeder Christ in den betroffenen Gebieten ist in höchster Gefahr. Sympathisanten und Mitglieder des IS haben in Deutschland bereits so gut wie unbehelligt ihre Forderungen demonstriert.

Es geht nun um dreierlei.
Zunächst müssen Zustände geschaffen werden, die irakischen Christen ermöglichen, in ihrer Heimat zu bleiben und ungestört ihre Religion auszuüben. Was hier möglich ist, wissen Sie besser als ich – ich kann Sie nur dringend bitten, dies Mögliche auch zu tun.
Sodann müssen, solange die Zustände so übel sind, Flüchtlinge aufgenommen und beschützt werden. Es hat bereits Ausschreitungen moslemischer Flüchtlinge und Zuwanderer gegen christliche Flüchtlinge und Zuwanderer gegeben – hier rufe ich Sie auf, letzteren besonderen Schutz zu gewähren und nicht zu dulden, dass Gewalttäter das Gast- und Asylrecht missbrauchen. Es muss in diesem Zusammenhang alles getan werden, friedliche Asylsuchende vor ihren Verfolgern auch dann zu schützen, wenn diese Verfolger selbst Asyl suchen.

Schließlich ist es in weiten Teilen der Bevölkerung völlig unbekannt, dass und in wie hohem Maße es Christenverfolgung gibt. Hier bitte ich Sie, Aufklärungsarbeit zu leisten. Beziehen Sie Position! Lassen Sie Ihre Stimme hören, machen Sie Ihren Einfluss geltend! Sagen Sie laut, dass das Unrecht der Christenverfolgung besteht und dass Sie es ernst nehmen! Nehmen Sie Stellung, wo das Leid der Christen relativiert wird! Zu den Aufgaben eines Politikers gehört es, den Frieden im Land zu wahren – und dazu ist Aufklärung das vornehmste Mittel.

Davon abgesehen, dass der Schutz zu Unrecht verfolgter Menschen ein unverzichtbares Zeichen von Menschlichkeit ist, handelt es sich auch um die Wurzeln Europas. Ohne Christentum ist die europäische Kultur der letzten zweitausend Jahre nicht denkbar; gleichgültig, wie man selbst dazu steht, muss man berücksichtigen, dass Rechts- und Sozialsysteme, Bildungswesen, bildende Kunst und Architektur sowie Literatur und Musik ohne das Christentum in Europa nicht oder kaum heimisch geworden wären. Caritative Arbeit und Bildung wären auch heute ohne den Beitrag der Kirchen vollkommen ungenügend.

Bitte helfen Sie der verfolgten Christenheit.

Die Adressen, an die ich diesen Brief schicke, sind:

Bundeskanzleramt
Bundeskanzlerin Angela Merkel
Willy-Brandt-Straße 1, 10557 Berlin

Bundespräsidialamt
Bundespräsident Joachim Gauck
Spreeweg 1, 10557 Berlin

Cem Özdemir MdB
Platz der Republik 1, 11011 Berlin

Sigmar Gabriel MdB
SPD-Bundestagsfraktion
Platz der Republik 1, 11011 Berlin

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Christenverfolgung

  1. cassandra_mmviii schreibt:

    Was hälst du davon, dadraus eine Petition zu machen?

    Außerdem schlage ich noch die Menschenrechtsbeauftragten der Parteien vor.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Gute Idee – mach ich.
      Wobei ich den Sinn von Petitionen ein wenig anzweifle angesichts der Flut von Petitionen – aber schaden kanns ja nicht.

      • cassandra_mmviii schreibt:

        Ich weiß auch nicht ob das was bringt außer einem guten Gefühl. Aber zumindest die Menschenrechtsbeauftragten der Bundestagsfraktionen sind für so was zuständig.

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