Katholisch gegendert

Heute, am Hochfest der Aufnahme Mariä in den Himmel, fiel mir bei Rosenkranz und Angelus urplötzlich ein, daß wir ja schon längst gendern.

Jeder Katholik – selbstredend auch jeder Priester, der gewissermaßen erst recht – betet problemlos:

Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.

Jede Katholikin – wie ich, jeden Abend, bei der Komplet – betet problemlos:

Nun läßt Du, Herr, Deinen Knecht, wie Du gesagt hast, in Frieden scheiden.

Und in Berlin geht man noch weiter:

Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünda jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Gut, Sünderx sagen wir nicht. Wie klingt das auch. Aber ansonsten gendern wir schon viel, viel länger, als es die Genderdebatte gibt. Und wir können es viel, viel besser.

Advertisements

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Katholisch gegendert

  1. Carmen Lang schreibt:

    Vielen Dank dafür :-).
    PS: Hier in Hessen funktioniert das mit dem genedern auf katholisch auch ganz wunderbar.

  2. nurmalich schreibt:

    na ja…
    wenn sich gendern (was für ein doofes Wort — und mit doof meine ich nicht die Bedeutung sondern wirklich das Wort) darauf beschränkt, dass Frauen in ihren Gebeten problemlos die Worte eines Psamlisten und Männer genauso problemlos die Worte einer Frau zitieren…
    Das ist viel zu wenig, um wirklich davon zu reden, dass eine sprachliche oder gar weitergehende Gleichberechtigung erreicht wäre.

Kommentare sind geschlossen.