Kindstötung mag ich nicht so.

Mein erster Grund, Kindstötung abzulehnen, ist die natürliche Abscheu vor der Tötung von Menschen (gleich ob Mord oder Totschlag). Ich mag es einfach nicht, und ich halte es für natürlich, Tötung nicht zu mögen. Das hat auch mit Erziehung zu tun. Das tut man nicht – diese in Kinderzeiten gelegentlich gehörte Mahnung passt auch hier. Kindstötung ist pfui, darüber braucht man nicht zu diskutieren.
Trotzdem wird genau dies seit Jahren immer heftiger und kontroverser diskutiert, und zwar nicht von irgendwelchen armseligen Würstchen, die es nicht besser wissen können, sondern von Lehrstuhlinhabern wie Singer, Giubilini und Minerva sowie Dawkins, die es besser wissen müssen, wenn sie intellektuell noch ernst genommen werden wollen.

Zweitens, weniger naiv, behaupte ich, daß eine befruchtete, entwicklungsfähige menschliche Eizelle mit vollständiger DNA bereits Mensch ist. Sie ist noch lange nicht allein lebensfähig und entwickelt sich im Idealfall über mehrere Jahre hinweg zu einem selbständig lebensfähigen Menschen. In aller Regel findet der erste dramatische Einschnitt und Sprung in dieser Entwicklung nach neun Monaten (manchmal früher) statt; danach dauert es im Regelfall noch etwa fünfzehn bis achtzehn Jahre, bis ein Mensch grundsätzlich imstande ist, in einem komplizierten sozialen Gefüge ohne ständige Hilfe längere Zeit zu überleben. Daraus ergibt sich, daß jede Frist, innerhalb der ein Mensch beseitigt werden „darf“, willkürlich gesetzt ist – und um das zu begreifen, braucht man weder Religion noch irgendwelche ethischen Vorstellungen, sondern nur Biologieunterricht der Sekundarstufe.

Drittens hat die vorhandene oder vermutete oder fehlende Leidensfähigkeit eines Menschen mit seinem Recht auf Leben rein gar nichts zu tun. Wäre es anders, dürfte (oder sollte oder müßte) man jeden Menschen umbringen, da das Leben ohne Leiden nun einmal nicht mehr zu haben war. (Auch für diese Erkenntnis ist Religion noch nicht nötig. Es langt, seekrank zu werden oder Zahnweh zu bekommen.)

Viertens darf das Lebensrecht eines Menschen nicht von einer wirtschaftlichen Bilanzierung seines Lebens abhängen. Josef Bordat äußert sich wie gewohnt sehr differenziert dazu.

Und das sind nur einige meiner Gründe, die Tötung von Menschen gleich in welchem Lebensstadium abzulehnen. Man wird mich nicht eines Schlechteren belehren.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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