Auf die Straße – für das Leben!

Am Samstag, 20. September, ab 13.00 Uhr, findet in Berlin der Marsch für das Leben statt. Auch ich werde wieder dabei sein – wenn nichts dazwischenkommt, was einer Pflegehelferin natürlich immer mal geschehen kann.
Warum ich strikt gegen Abtreibung bin, habe ich auf diesem Weblog schon oft gesagt – und werde es weiterhin sagen, so lange abgetrieben wird. Josef Bordat schreibt aus philosophischer Sicht sehr differenziert zu diesem Thema.

Menschenleben ist auch dann Menschenleben, wenn es beeinträchtigt ist, wenn es anderes Leben beeinträchtigt (grundsätzlich gilt: Alle Kinder sind auch lästig!) und wenn es sehr viel Geld kostet. Menschenleben ist von der ersten Entwicklungsstufe – der befruchteten Eizelle – an ohne Abstriche schützenswert.
Fanatismus jeder Art ist mir zuwider, und ich werde Fanatismus von einem Haufen krakeelenden Gegendemonstranten ertragen müssen – hoffentlich, wie beim letzten Mal, mit einem Lächeln. Fanatismus von Lebensschützerseite ist mir hierzulande noch nie vorgekommen (wohl aber eindeutiges Engagement, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft gegenüber Frauen in Not – und zwar nach Abtreibungen ebenso wie vorher).
Leider gibt es in den USA neben zahlreichen friedfertigen Pro-Life-Aktivisten auch einige gewalttätige Wirrköpfe, die bis zum Mord an Abtreibungsärzten und Pro-Choice-Verfechtern gehen, um den Mord an Kindern zu verhindern. Das ist schrecklich, ist eine schwere Sünde – und zwar haargenau so schwer wie der Mord an einem Kind, denn Mensch ist Mensch. Ich bin gegen die Vernichtung von Menschen in jedem Lebensstadium, unabhängig wie schwere Schuld sie auf sich geladen haben. Schuld macht keine Schuld gut.
Nun wird von zahlreichen Verfechtern eines angeblichen Rechtes auf Abtreibung gern behauptet, daß die gewalttätigen Wirrköpfe, die sich Lebensschützer nennen, sehr zahlreich sind und daß ihr Tun von allen oder doch den meisten Pro-Life-Aktivisten gebilligt wird. Das ist eine von vielen Lügen, die in diesem Zusammenhang über Lebensschützer verbreitet werden, und nicht einmal die schlimmste. (Das Verschweigen von Gewalt gegen Lebensschützer geht übrigens in der Regel Hand in Hand mit dieser Unterstellung.)

Der Preis für die Teilnahme am Marsch für das Leben beschränkt sich nicht auf Fahrtkosten und Schuhsohlenabrieb. Es werden auch einige Nerven strapaziert und viel Geduld. Aber es hat in Berlin niemals Ausschreitungen von Teilnehmern dieser Aktion gegeben – und von ihren Gegnern bisher keine lebensgefährlichen Taten, sondern nur Pöbeln, Schubsen, Drängeln, Hauen und Wegreißen von Kreuzen. Vielleicht noch ein paar zertrümmerte Schaufensterscheiben. Also alles ganz normal.

Meine Arbeit mit Dementen lehrt mich täglich neu Geduld und Nachsicht mit pöbelnden, kratzenden, beißenden und hauenden Menschen. Ich hoffe, diese Geduld auch mit Menschen zu haben, die nicht dement, sondern bloß doof und unfreundlich sind. Und ich vertraue darauf, daß sich viele geduldige und mutige Lebensschützer einfinden werden.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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13 Antworten zu Auf die Straße – für das Leben!

  1. Richard schreibt:

    „Fanatismus von Lebensschützerseite ist mir hierzulande noch nie vorgekommen..“ Das finde ich ehrlich gesagt eine gewagte Aussage angesichts eines Klaus-Günter Annen, der auf seiner Website Abtreibung mit dem Holocaust vergleicht (und damit Frauen, die sich in einer Notlage für einen Abbruch entscheiden, mit SS-Mördern gleichsetzt), die Namen und Adressen von Ärzten veröffentlicht, diese als „Mörder“ bezeichnet (in Österreich ein strafrechtlich relevanter Tatbestand) und so weiter.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Zunächst: „ist mir nicht aufgefallen“ und „gibt es nicht“ sind zwei verschiedene Aussagen. Ich machte die erste.
      Sodann: der Holocaust-Vergleich hinkt erheblich, und ich finde ihn falsch, weil die wenigsten Mütter, die abtreiben lassen, sich vollkommen frei und zugleich mit vollem Wissen über das Wesen ihrer Tat entscheiden. Namen und Adressen von Ärzten, auch der Schwerpunkt ihrer Arbeit, sind in der Tat öffentliche Sache; ich finde eine zusammenstellende Veröffentlichung in diesem Zusammenhang trotzdem falsch, weil sie als Aufruf zu fanatischen Akten verstanden werden kann. Und schließlich: Müttern, die ihr Kind abtreiben lassen, unterstelle ich grundsätzlich – wohlwollend! – eher Panik, mangelndes Selbstbewußtsein und mangelndes Wissen als Bosheit. Ärzten, die abtreiben, mangelndes Wissen über Biologie zu unterstellen, finde ich gewagt. Wenn nun jemand Menschen beseitigt, obwohl er genau weiß (zumindest wissen kann), was er tut, finde ich die Bezeichnung als Mörder nicht grundsätzlich falsch. Nur in den sehr seltenen Fällen, wo die Schwangerschaft das Leben der Mutter in erheblich stärkere Gefahr bringt als jede normal verlaufende Schwangerschaft das auch tut, kann man Abtreibung als Nothilfe ansehen – als geringeres von zwei Übeln (da ja das Kind, wenn die Mutter stirbt, auch keine Chance hat).
      Die meisten Schwangerschaftsabbrüche geschehen aber nicht aufgrund existenzieller Not der Mutter.

  2. Richard schreibt:

    Im Endeffekt wird der Arzt wohl damit argumentieren können, dass das die einzige Folge einer kompletten Weigerung von medizinisch qualifizierten Personal wäre, dass Abtreibung eben von unqualifizierten Personal vorgenommen werden. Ob das ein Fortschritt ist lasse ich dahingestellt. Generell geht es bei dem Thema nur um eine einzige Frage: hat der Staat das grundsätzliche Recht, eine Frau unter Androhung von Gewalt dazu zu zwingen, ihren Körper gegen ihren Willen und zu ihrem eindeutigen Schaden für einen gewissen Zeitraum einem anderen Menschen zur Verfügung zu stellen. Und dazu ist festzuhalten, dass es keine denkbare Situation gibt wo ein Mann dazu gezwungen wird. Und das die betroffene Frau nicht die geringste Gegenleistung dafür bekommt.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Das ist ein gutes Argument, wenn ein Kind ein Ding ist.
      Wenn ein Kind kein Ding ist, taugt das Argument auch nichts.

      • Richard schreibt:

        Den Einwand verstehe ich nicht ganz. Ich schreibe ja eindeutig „den Körper einem anderen MENSCHEN zur Verfügung stellen“. Und ich keine ehrlich gesagt keine denkbare Situation wo ein Mann dazu gezwungen werden könnte vergleichbare Opfer unentgeltlich für andere Menschen zu erbringen.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Ein Ding, das stört, darf man wegmachen.
        Einen Menschen, der nach seiner Geburt stört (tut jeder), darf man nicht wegmachen (find ich richtig).
        Einen Menschen, der vor seiner Geburt stört, darf man in vielen Ländern, auch in Deutschland, zwar „eigentlich“ nicht wegmachen, uneigentlich wird es aber legalisiert und tausendfach getan.
        Damit wird ein ungeborener Mensch einem Ding gleichgesetzt. Es ist übrigens müßig darüber zu debattieren, was wäre, wenn Männer gebären könnten. Sie könnens halt nicht und Punkt.

    • Peter E. schreibt:

      Richard, eine schwangere Frau ist kein Kaugummiautomat. Und ein Baby kein Kaugummi.

      • Richard schreibt:

        Vielleicht kein Kaugummiautomat – wie die jüngsten Ereignisse in Irland allerdings zeigen, werden Frauen von Lebensschützern durchaus als rechtlose Gebärmaschinen gesehen. http://diestandard.at/2000004722106/Irland-Frau-wurde-Abtreibung-trotz-Suizidgefahr-verweigert

      • Richard schreibt:

        Um das mit der „rechtlosen Gebärmaschine“ nochmals zu präzisieren: in diesem Fall wurde Zwangsernährung eingesetzt – dies ist nach europäischen Standards sogar bei rechtskräftig vorbestraften Schwerkriminellen unzulässig. Einem unbescholtenen Verbrechensopfer gegenüber ist diese demütigende Behandlung aber zulässig – weil es sich eben um eine schwangere Frau handelt – also offensichtlich um einen Menschen zweiter Klasse 😉

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Ein Ding, das stört, darf man wegmachen.
        Einen Menschen, der nach seiner Geburt stört (tut jeder), darf man nicht wegmachen (find ich richtig).
        Einen Menschen, der vor seiner Geburt stört, darf man in vielen Ländern, auch in Deutschland, zwar „eigentlich“ nicht wegmachen, uneigentlich wird es aber legalisiert und tausendfach getan.
        Damit wird ein ungeborener Mensch einem Ding gleichgesetzt. Es ist übrigens müßig darüber zu debattieren, was wäre, wenn Männer gebären könnten. Sie könnens halt nicht und Punkt.
        Zwangsernährung ist Gewalt, und Gewaltmaßnahmen sind nur in Ausnahmefällen erlaubt – nämlich Notwehr und Nothilfe. Nothilfe besteht, wenn a) jemand Gewalt gegen sich selbst ausübt, weil man davon ausgeht, daß der Grund hierfür in der Regel Depression (wie im vorliegenden Fall!) oder eine andere seelische Ausnahmesituation ist, und daß der Betreffende bei „klarem Kopf“ anders entscheiden würde, und b) wenn die Gewalt gegen einen Dritten (hier: das Kind) gerichtet ist. Das Kind, das von Ärzten und von seiner Mutter offensichtlich als „Mensch zweiter Klasse“ angesehen wurde.
        Verweigerung einer Abtreibung ist Verweigerung eines Auftragsmordes. Einen Menschen an einer Blutvergiftung sterben lassen, obwohl man hätte helfen können, ist fahrlässige Tötung. Es handelt sich in diesem Fall also zuerst um keinen Straftatbestand, sondern um die Vermeidung desselben. Wenn sich danach herausstellt, daß das Kind mit Sicherheit zum Tod der Mutter führen wird, ist nach Kirchenrecht eine Maßnahme, die das Leben der Mutter erhält, auch dann richtig, wenn sie das Leben des Kindes kostet. In diesem von Dir geschilderten Fall haben die Ärzte also zuerst richtig gehandelt (Abtreibung grundsätzlich verweigert), dann falsch (Mutter nicht gerettet). Wenn es tatsächlich so war, läge bei den Ärzten möglicherweise eine besondere Schwere der Schuld darin, daß das Kind ja unter keinen Umständen lebensfähig war, es also nicht um „ein Leben oder das andere“ ging, sondern um „beide tot oder nur einer“. Allerdings – und das führt jetzt hier wirklich zu weit, recherchiere selbst – gibt es Gründe zur Annahme, daß die Presse die Sachlage hier nicht richtig dargestellt hat (soll bei der Presse ja öfter mal vorkommen).

        Richard, ich möchte damit schließen. Ich werde Kommentare von Dir wahrscheinlich nicht mehr freischalten.

  3. Richard schreibt:

    Nur eine kurze Anmerkung: Sie reden hier offensichtlich von einem anderen Fall als ich (bezogen auf den Fall mit Sepsis in der Schwangerschaft).

Kommentare sind geschlossen.