Meine Grenze

Toleranz (von tolerare, dulden, ertragen) wird in der säkularen Gesellschaft als Tugend gehandelt. Ich glaube nicht, daß es besonders tugendhaft ist, etwas oder jemanden gerade noch hinzunehmen, vielleicht nur, weil man eh nichts machen kann oder weil es (oder er) einem nicht so wichtig ist.
Schlimmer noch: Ich bin nicht tolerant. Als Christin muß ich das auch nicht sein. Tugenden sind bei unsereinem Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung, Glaube, Hoffnung und Liebe. Und nicht Toleranz.

Meine Religion gebietet mir, jeden Menschen als Kind Gottes anzusehen und sogar meine Feinde zu lieben. Sie gebietet mir nicht, alles, was meine Nächsten, Übernächsten und Fernsten tun und sagen, als Gottes Willen anzusehen und zu lieben. Denn meine Religion macht einen Unterschied zwischen Person und Handlung, zwischen Täter und Tat, zwischen Sünder und Sünde. Meine Religion gebietet Liebe – wurstige Hinnahme gebietet sie nicht.

Vor diesem Hintergrund bekenne ich:
Es ist mir für meine Sicht auf den Islam vollkommen gleichgültig, daß es gute und rechtschaffene Moslems gibt. Selbstverständlich gibt es die, und selbstverständlich begegne ich einigen von ihnen immer wieder, und wir grüßen uns freundlich. Es gibt Gute und Rechtschaffene in den meisten (keinesfalls allen) Menschengruppen, und es kommt dabei nicht darauf an, ob ich ihre Meinung teile.

Aber ich mag den Islam nicht. Erstens halte ich ihn für eine Irrlehre, das hat damit zu tun, daß ich katholisch bin, das Christentum für wahr und die katholische Kirche für die beste Prägung des Christentums halte. Zweitens ist der Koran so aufgebaut, daß die gewaltbereiten Stellen die friedfertigen Stellen an Bedeutung übertreffen. Drittens bietet der Islam in dieser Hinsicht nur einen sehr geringen Spielraum der Interpretation.

Besonders aber sind es die sich auf den Islam berufenden Mistkerle unserer Zeit, vor allem IS und Boko Haram, aber auch die zahlreichen eher unpolitischen gewaltbereiten jungen Pöbler, mit denen man nicht nur in Berlin oft konfrontiert wird. Es sind die Frauen, deren Gesichtsausdruck ich auch dann nicht erkennen kann, wenn sie mir direkt zugewandt sind – weil ich nur ihre Augen sehe und von diesen nicht einmal die Brauen. Es sind die Männer, die sich in Jahrzehnten nicht einmal darauf einlassen, ein wenig der Kultur ihres Wohnortes wahrzunehmen. Es sind die, die das Gesicht des Islam prägen.

Denn leider ist es genau so: Der friedvolle, menschenfreundliche Islam, den es geben soll, fällt nicht sonderlich auf. Hier stehen keine islamisch geprägten Kliniken, Frauenhäuser, Suppenküchen usw. Soziale Aktionen von islamischer Seite sind bei weitem nicht so häufig und so effektiv wie solche von christlicher oder säkularer Seite. Die Empörung gegen alles von Vollverschleierung über „Ehrenmord“ bis zum Köpfen von Kufars kommt nur in wenigen Ausnahmefällen von Moslems.

Mir ist der Islam schon vor den Untaten von Boko Haram und IS unsympathisch gewesen. Ich freue mich, wenn Menschen dieser Religion den Rücken kehren (und natürlich freue ich mich noch besonders, wenn sie dafür Christen und womöglich noch katholisch werden – weil ich das für gut halte). Ich freue mich nicht, weil ich Moslems Schlechtes wünsche, sondern weil ich Menschen Gutes wünsche und der Islam meiner Ansicht nach schlecht ist. Ich bin dieser Religion gegenüber nicht tolerant, das heißt wörtlich: ich finde sie unerträglich.

Ich darf den Islam schlecht finden. Ich darf sagen, daß ich den Islam schlecht finde. Ich mache von dieser Erlaubnis Gebrauch. Und ich bin ziemlich sicher, daß mir das jetzt übelgenommen wird.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Meine Grenze

  1. Brettenbacher schreibt:

    Il faut avoir l’esprit dure e le coeur tendre –
    viele Fehler riskierend sei hier dieses Wort von Jaques Maritain zitiert. Der Geist soll hart, das Herz aber weich sein.
    War übrigens auch der Wahlspruch von Sophie Scholl.

    Gruß aus Emmendingen

  2. Birgitt schreibt:

    Ich stimme deinem Blogbeitrag vollumfänglich zu! Danke!

  3. Bastian Volkamer schreibt:

    Fein gesagt.

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