Schützt das Leben!

Am Samstag, dem 20. September 2014, findet in Berlin wieder der Marsch für das Leben statt. Ich werde wieder dabeisein.

Diesmal ist mit mehr Gegenwind als einigen hysterischen Grüppchen zu rechnen. Auf der Homepage der Linken (hier unverlinkt) findet sich diese Mitteilung:

Beschluss des Parteivorstandes vom 5. und 6. Juli 2014

1. Für die Mobilisierung zu den Gegenaktionen zum „Marsch für das Leben“ und für die Präsenz der Partei DIE LINKE auf der Kundgebung werden 1.500 Euro (aus dem Fonds des Parteivorstandes) bereitgestellt. Sie werden für das Layout und den Druck von Flyern und Plakaten sowie eines großen Banners zum Thema sexuelle Selbstbestimmung verwendet.
2. Diese Materialien werden auf der Webseite der LINKEN zum Herunterladen zur Verfügung gestellt.
3. Die Bundesgeschäftsstelle stellt personelle Unterstützung für die Durchführung der Kundgebung, insbesondere hinsichtlich der Sichtbarkeit der Partei vor Ort.

Auch die Grünen und die SPD unterstützen das „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“ (ebenfalls nicht verlinkt, wer möchte, kann googeln) sowie die altbekannte Mischung frauen-, humanisten-, lesben- und schwulenbewegter Zeitgenossen. (Wobei ich klar unterscheide zwischen Leuten, die die Humanistische Union gut finden, und Humanisten.)

Zwar finde ich die Argumentationsweise vieler Abtreibungsgegner zu sentimental und auch nicht ausreichend mit belegbaren Fakten untermauert. So wird immer wieder argumentiert, daß – im Gegensatz zu der häufigen Behauptung von Verfechtern eines „Rechtes auf Abtreibung“ – Embryonen sehr wohl Schmerz und Angst empfinden können. Das führt zu fruchtlosen Debatten, ob das wahr ist oder nicht, die immer wieder da enden, wo man sagen muß: Ab ungefähr dem und dem Punkt in der Schwangerschaft kommt es hin, Genaueres weiß man nicht, die meisten Abtreibungen sind früher.
Es ist nur völlig egal, ob ein Mensch zum Zeitpunkt seiner Tötung etwas empfindet oder nicht. Wäre es anders, so wäre die Tötung eines Menschen mit HSAN4 (einem Gendefekt, der das Schmerzempfinden ausschaltet) weniger schlimm als die eines Gesunden.

Es ist für die Beurteilung einer Kindstötung auch egal, ob es der Mutter hinterher schlecht geht oder nicht. Die Erforschung des Post-Abortion-Syndroms ist sicher wichtig, auch wenn dabei herauskommen sollte, daß es so etwas gar nicht wirklich gibt. Aber sie ist irrelevant für die Beurteilung, ob man töten darf oder nicht.
Es ist allerdings nicht von der Hand zu weisen, daß Mütter, die nach einem Schwangerschaftsabbruch schwer leiden, eher nicht mit den Leuten vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung kommunizieren werden. Und dann kann man sie ja außer Acht lassen, oder?
Und was ist eigentlich mit den von jenem Bündnis angegebenen 3% der Abbrüche, bei denen das Kind sehr wohl Schmerz und Angst empfindet? Ich will gar nicht diskutieren, ob die Zahl stimmt – aber ist die hieraus folgende Aussage, daß es auf das Leid der Opfer erst ab einer gewissen Prozentzahl Leidender ankommt, wirklich beruhigend?

Man kann auf einer der nicht verlinkten Seiten auch nachlesen, daß ein Embryo im frühesten Stadium zwar in der Tat das Potential zum Menschsein hat, aber eben noch keine Person ist und daher keinen besonderen Schutz genießen darf. Ab wann die Unperson zur Person wird, bleibt dabei notwendigerweise offen.

Nun sind meine Argumente gegen Abtreibung zwar alle logisch überprüfbar, aber das ist ja gerade der Punkt. Ich habe noch nie – wirklich niemals – einen Menschen sprechen dürfen, der zugleich für die Legalisierung von Abtreibungen ist und logisch stringent argumentiert.

Für mich bedeutet die voraussichtliche Anwesenheit einiger halbernst zu nehmender Gegener: Gute Nerven und ein gerüttelt Maß an Humor werden unabdingbar sein, um auch heuer das unbedingte Recht auf Leben zu unterstützen. Abtreibung ist immer schlecht.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Schützt das Leben!

  1. cassandra_mmviii schreibt:

    ich werde es definitiov nicht schaffen, bei uns steppt grad der Bär. Aber grundsätzlich wäre ich auf die Antis neugierig. Sozusagen mal Demo gucken gehen… ein wenig wirr scheinen mir die schon zu sein.

  2. Klaus Ebner schreibt:

    Ich denke es gibt hier eine Begriffsverirrung rund um das Wort „Legitimierung“. Der Gesetzgeber hat die Abtreibung nicht „legitimiert“ (das hätte er aufgrund der BVerfG Entscheidung von 1993 auch nicht können) – er hat ihn nur unter gewissen Bedingungen straffrei gestellt (davon ausgenommen ausgenommen die medizinische und kriminologische Indikation, hier liegt keine Rechtwidrigkeit beim Abbruch vor). Das BVerfG hat außerdem festgestellt, dass es dem Gesetzgeber nicht verwehrt ist andere Wege als das Strafgesetz zu suchen um das ungeborene Leben so weit wie möglich zu schützen. Diese Entscheidung fiel wohl auch aus pragmatischen Gründen, zumal etwa nach den Vorgängen von Memmingen, niemand mehr davon überzeugt sein konnte, dass das Strafrecht in dieser Materie mehr Nutzen als Schaden verursacht. Unabhängig davon wäre – so es im Juni 1995 nicht zu einer Einigung im Bundestag über die Beratungslösung gekommen – spätestens mit der folgenden rot-gründen Koalition eine Fristenlösung eingeführt worden, BVerfG Beschluss hin oder her. Alleine der Druck von Straße und Medien hätte hier wohl ausgereicht. Deutschland hat – international gesehen – ein relative restriktives Abtreibungsrecht, nicht zuletzt aufgrund des Einfluss des BVerfG, dass zumindest in den 70 – 90er Jahren überwiegend christlich konservativ besetzt war.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Zunächst mal: Daß Abtreibung in Deutschland verboten ist, ist mir durchaus klar. Daß dies Verbot straffrei zu umgehen nicht schwieriger ist, als straffrei bei Rot über die Straße zu gehen, auch. In der Tat sind ja – wie oben gesagt – die Gegendemonstranten ausdrücklich für eine Legalisierung der Abtreibung. Die Praxis ist allerdings bereits jetzt so, daß eine Legalisierung im Grunde nur die Bestätigung einer schlechten Tatsache (Abtreibungen) wäre – was die Tatsache nicht besser macht, aber vermutlich in Zukunft noch häufiger.

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