Altweibersommer

Zunächst mal finde ich als angehendes altes Weib es einfach nur schön, daß diese wundervolle Jahreszeit so heißt. Alten Weibern zu Ehren darf man ruhig sonnige Herbsttage benennen!

Aber etymologisch ist es ohnehin ganz anders.
Di indogermanische Wurzel al- bedeutet wachsen, nähren; wieben bzw. weiben sind gesponnene Fäden. Nach den in dieser Zeit herumfliegenden Spinnenfäden ist die Jahreszeit benannt. Sie werden teils als Gespinst von elfenhafter Herkunft gesehen, teils auch – mir selbstverständlich besonders sympathisch – als die Fäden von Marias Spinnrocken, den sie bei ihrer Himmelfahrt fallen ließ (sie brauchte ihn ja nicht mehr). Daher rühren Bezeichnungen wie Unser lieben Frauen Gespunst, Muttergottesgespinst, Marienseide usw. Vornehm lateinisch drückten neuzeitliche Wissenschaftler es aus: Sacra filamenta Divae Virginis – Die heiligen Fäden der göttlichen Jungfrau heißen sie in einem Aufsatz des Johannes Prätorius, filamenta Virginis – Fäden der Jungfrau – in der Dissertation des Friedrich Madeweis, dessen Geburtstag in diese schöne Zeit fällt.

Also, Frauen: kein Mensch diskriminiert uns mit dem Hinweis auf Spinnweben, Elfen, die Gottesmutter – und schon gar nicht damit, daß letztere ihren Spinnrocken weggeworfen hat. Was für ein Beispiel!

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Altweibersommer

  1. Karl Eduard schreibt:

    Wieder was dazugelernt. Danke.

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