Was Frau Kässmann sagt

Frau Kässmann sagt:

Vielleicht müssen wir es aushalten, dass wir alle miteinander hilflos und ohnmächtig sind angesichts dieser Gewalt.

Ja, da stimme ich zu – sofern wir uns außerdem nach Kräften dafür einsetzen, daß die Gewalt beendet wird, werden wir unsere Hilflosigkeit bald zu spüren bekommen.

Sie fährt fort:

Wer das zugibt, kann doch nicht länger so tun, als wären Bombardements und Waffenlieferungen die einzige Antwort auf solch schreckliche Ereignisse wie im Irak.

Auch hier stimme ich zu. Die einzige Antwort kann und darf das nicht sein. Aufnahme von Flüchtlingen, Versorgung mit allem Lebensnotwendigen und nicht zuletzt Gebet sind weitere wichtige Antworten.

Es muß auch ein Nein zu Waffenlieferungen erlaubt sein.

Selbst da stimme ich ihr zu. Es darf nicht verboten sein, dummes Zeug zu reden. Und es muß sehr genau überlegt werden, ob „keine Waffenlieferungen“ vielleicht doch eine sinnvolle Option wäre. (Nur darf bei Gefahr im Verzug nicht beliebig lange überlegt werden.)

Dass diese Antwort heute lächerlich gemacht wird, ist das Problem.

Ihre Probleme und Rothschilds Geld möcht ich haben, Frau Kässmann! Das Problem christlicher und jesidischer Mütter im Nordirak sind nicht die Waffen derer, die gegen IS vorgehen. Das Problem ist, daß sie auf dem Bildschirm mitansehen müssen, wie ihre Kinder vergewaltigt, gefoltert und geköpft werden.

Ja: Die Wege der Waffen sind nicht bis ins letzte kontrollierbar. Ja: Das ist ein Riesenproblem. Ja: Menschen werden reich durch Produktion von Waffen, und Waffen werden nicht vorwiegend aus edlen Motiven produziert und verkauft.
Nur leider ändert das nichts an der Notwendigkeit von Waffen im Kampf gegen Leute, denen mit keinem friedlicheren Mittel beizukommen ist. Und daß es sich um solche Leute handelt, dürfte sich langsam herumgesprochen haben.

Ich halte Frau Kässmann für einen klugen Menschen, auch wenn ich in vielem ihre Meinung nicht teile. Ich finde es bis heute unsäglich, mit welch ätzendem Hohn sie übergossen wurde, nachdem sie einen Fehler gemacht, zugegeben und bereut hatte, der glücklicherweise keinem anderen als ihr geschadet hatte. Aber ich weiß (z.T. aus eigener Erfahrung), daß auch kluge und fromme Menschen großen Blödsinn von sich geben können. Das ist hier leider geschehen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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19 Antworten zu Was Frau Kässmann sagt

  1. Heinz schreibt:

    Tja, leider verzapfen Sie hier den größeren Blödsinn. Mal sehen, ob man Ihre Überheblichkeit ein wenig durchbrechen kann. Die ISIS kämpft mit modernster amerikanischer Kriegstechnologie, während wir den Kurden unseren Mititärschrott aus dem Museum schenken. Die ISIS ist durch amerikanische und britische Politik erst aufgebaut worden. Während wir über einen geköpften Journalisten jammern, mussten irakische und afghanische Familien zu hunderttausend Folter, Verstümmelung und Tod ertragen, wonach hier im Westen kein Hahn gekräht hat. Osama Bin Laden und seine Nachfolger sind systematisch von der CIA aufgebaut worden, Saddam Hussein auch, damit sie gegen amerikanische Feinde vorgehen, um amerikanisches Öl zu sichern. Machen Sie die Augen auf und sehen Sie den Tatsachen in die Augen, der iranische Außenminister hat es auf den Punkt gebracht: Das Frankensteinmonster der ISIS ist eine westliche Schöpfung.

    Hier noch ein bisschen Lektüre zur Bestätigung:

    http://the-wrong-enemy.blogspot.de/2014/10/was-isis-so-erfolgreich-macht.html

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich fühle mich mit dem charmanten „wir“ nicht angesprochen. Die von mir erwähnten geköpften Kinder sind nämlich keine amerikanischen Journalisten.
      Ich spreche auch nicht davon, daß Deutschland schlechte Waffen geliefert hat. Tatsächlich habe überhaupt nicht von Deutschland gesprochen, sondern von allen, die gegen IS vorgehen.
      Ich habe auch nicht behauptet, daß irgendein Land unschuldig ist am Terror.
      Ich behaupte aber jetzt, daß kein Terrorist gezwungen wurde, Terrorist zu werden. Die IS-Terroristen sind, gleichgültig, wie sie erzogen, ernährt, beeinflußt oder geschädigt wurden, für ihre Taten selbst verantwortlich. In dem Augenblick, wo ich das leugne, mache ich die IS-Terroristen zu minderbemittelten armen Opfern. Und das fände ich in der Tat hochmütig.
      Jeder einzelne Terrorist hat selbst gewählt, Terrorist zu sein.

  2. Heinz schreibt:

    Und ich halte es für möglich, dass Sie nicht bereit sind, sich von Ihren einfachen Klischees zu lösen. Ihr Text könnte unter umgekehrten Vorzeichen von jedem Islamisten geschrieben worden sein. Die Zeit des Friedens ist vorbei, wir müssen das Böse bekämpfen. Gerade wenn ich das Leben armer muslimischer Familien schützen will.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      „Die Zeit des Friedens ist vorbei, wir müssen das Böse bekämpfen. Gerade wenn ich das Leben armer muslimischer Familien schützen will.“
      Lieber Heinz, haben Sie meinen Artikel eigentlich gelesen? Ich schreib nichts anderes.

      • Heinz schreibt:

        Ich frage mich, wer hier welche Texte nicht gelesen hat!?

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Lieber Heinz, Sie sind leider nicht dialogfähig. Sie sind patzig und besserwisserisch, platzen hier herein, um sich als Großer Wissender zu profilieren und werden jetzt nicht mehr zu Kommentaren zugelassen.
        Ich mache solche Dinge selten, und ich weiß, daß Sie jetzt das Wort „Zensur“ anwenden möchten. Hierzu ein kleiner Tip: Ich bin kein Staat, also kann ich keine Zensur ausüben. Ich kann nur verhindern, daß Leute in meinen Vorgarten pinkeln und dafür auch noch Applaus verlangen.

  3. theomix schreibt:

    Ich kann verstehen, was sie zu dieser Äußerung getrieben hat und verstehe das bezogen auf die Diskussion in Deutschland, nicht auf das globale Geschehen. (Obwohl das zu ihr passen würde.) Gerade einigen Frommen ist sie ja nicht lupenrein, es heißt dann oft, sie nähme die Bibel nicht ernst und lege sie nach eigenem Gutdünken aus.
    Kaum verlangt sie, das eigene Handeln m Licht der Bergpredigt zu reflektieren, kommen dieselben Leute und werfen ihr mangelnden Realitätssinn vor. “ Daß diese [also ihre] Antwort heute lächerlich gemacht wird, ist das Problem.“, nämlich der politischen Diskussion. Sicher kann man keine Instruktion für die Bundeswehr und die UNO mit der Bergpredigt basteln, aber an sie erinnern dürfen sollte man schon. Und gerade Christen steht es gut an. Wenn das in der Diskussion plattgebügelt wird, dann ist das ein Problem.

    Vielleicht muß man manchmal die Sprache der Gewalt mit dem gleichen Vokabular beantworten; zum Verstummen bringt man sie nur mit der Sprache des Friedens.
    Die fängt mit Fragen an. Das finde ich ganz wichtig.
    (Augenzwinkernd hier eine ganz kleine: Warum du ihrem Nachnamen die neuen Rechtschreibung antust, wo sie nun wirklich nach der alten mit scharfen s [oder wie ich lieber sage, mit „eszet“] geschrieben wird? 😉 )

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Zum Nachnamen: Aus Versehen. 😉
      Zum Übrigen: Ich finde es falsch, so zu tun, als könne man hier ohne Gewalt noch etwas ausrichten.

      • theomix schreibt:

        Ich finde es falsch, wenn man an Alternativlosigkeiten glaubt. Zu Gewissheiten in erhitzten politischen Diskussionen gelange ich nur mit Relativierungen von „vielleicht“ bis „höchstwahrscheinlich“.

  4. Karl Eduard schreibt:

    Das Problem mit den Aufnahmen, usw. ist nur, daß diese Aufnahme immer von anderen gefordert wird und wenn WIR gesagt wird, wird immer eine anonyme Masse gemeint, deren Steuergelder nun dafür fließen sollen. Oder deren Schulen herhalten sollen. Oder deren Kinder mit diesen Leuten klarkommen müssen. Von den Hilfe Anmahnenden hat noch niemand erklärt, daß er persönlich Flüchtlinge aufnimmt und sie auch versorgt. Also nicht mit Staatsgeld, das ja auch nur wieder von der Masse käme, die nicht gefragt wird. DAS wäre nämlich wahre Nächstenliebe. Selbst zu opfern. Ich stelle mir gerade den St. Martin vor, der dem Frierenden begegnet und laut ruft: Wir sollten dem Manne helfen und ihm Kleidung geben und wartet, daß es jemand tut. Und dann darüber klagt, daß es niemand tut.

    Bis zur Einrichtung des Winterhilfswerkes waren Spenden in Deutschland tatsächlich noch freiwillig und Leute, wie Frau Käßmann hätten Beifall bekommen und jede Menge Wünsche, ihre private Spendensammlung möge viel einbringen.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Es ist noch ein wenig anders.
      Ein einzelner, der sagt, ich möchte eine Flüchtlingsfamilie bei mir aufnehmen und versorgen, kann und darf das gar nicht. Denn die Flüchtlingsfamilie wird nicht ins Land gelassen. Die Flüchtlingsfamilie darf nur ins Land, wenn sie in das Auffanglager geht, das hierfür eingerichtet wird. Wenn unser guter Mensch nun sagt „Wenn sie bei mir nicht wohnen dürfen, möchte ich ihnen wenigstens eine bezahlte und versicherte Arbeitsstelle geben; in meiner Firma werden Lagerarbeiter und Putzfrauen gebraucht“ – dann geht das wieder nicht, weil die Flüchtlinge noch lange keine Arbeitserlaubnis bekommen.

      • Karl Eduard schreibt:

        Das ist aber nicht der Punkt. Von Frau Käßmann ist bekannt, daß sie immer nur ankündigt und fordert, selbst aber noch nie mit gutem Beispiel vorangegangen ist. Im Gedächtnis ist mir das „mit den Taliban um Frieden zu beten.“ Das hätte sie tun können. Ganz persönlich. Nach Afghanistan reisen, in die Berge steigen und den Taliban sagen, daß sie mit ihnen um Frieden beten will.

        Entweder sie meint es ernst und glaubt, sie kann mit ihnen um Frieden beten, dann sollte sie es tun. Anderenfalls ist das wieder nur leeres Geschwätz um ihre Popularität zu steigern.

  5. cassandra_mmviii schreibt:

    mein Problem mit dieser Art von Pazifismus ist: man läßt andere für die eigenen, hohen Ideale leiden. Wenn Frau Käßmann (oder wer auch immer) vor Ort und angesichts des doch recht sicheren Todes für sich den Weg der Gewaltlosigkeit gehen möchte.. aber das für andere zu entscheiden, geht nicht. Niemand kann das Martyrium (und genau so nennt man das wenn man stirbt weil man sich weigert Christus abzuschwören) für einen anderen wählen.

    „Gewalt löst keine Probleme“- doch, manchmal schon. Wenn zum Beispiel das akute Problem der IS-Krieger mit Säuberungszielen ist. Natürlich wäre es schöner, wenn man ihn durch Gespräche von seinem Tun abhalten könnte, aber auch das wird nicht von deutschen Talkshowsesseln aus passieren. Dazu muß man sich wieder in Lebensgefahr begeben.

    Das ist alles sicher komplex, und in der Vergangenheit sind Fehler gemacht worden, aber diese Analyse nutzt keinem was, der nur noch wegläuft.
    Und was auch immer an Fehlern begangen worden ist: nichts rechtfertigt, begründet oder entschuldigt das Vorgehen der IS-Truppen.

    Frieden schaffen .. nur wie?

  6. Karl Eduard schreibt:

    Von Alexander Newski soll der Spruch überliefert sein: Wer mit dem Schwert zu uns kommt, wird durch das Schwert umkommen. Das ist doch mal eine klare Ansage.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Es ist eine durchaus eitle Ansage. Man kann nämlich nicht vorher wissen, ob der Aggressor der Stärkere oder der Schwächere ist. Ich mag keine vollmundigen Ansagen, wo man ehrlicher sagen sollte: Wir werden uns nach Kräften wehren. (Was natürlich nicht so toll klingt.)

      • Karl Eduard schreibt:

        Das ist auch völlig Wurscht. Es wird ja, wenn jemand mein Haus anzündet, nicht abgewogen,ob ihm an der Truppenstärke hundert Mann fehlen. Krieg ist kein Wettessen von Pfannkuchen.

        Natürlich ist das, mit der anderen Wange hinhalten, auch nicht ohne Reiz. Aber mal ehrlich, dazu bedarf es wirklich göttlicher Herkunft. Und natürlich der festen Gewißheit, daß nach dem Dahinscheiden eine bessere Welt wartet. Dann kan man Alles, also wirklich Alles ertragen, ist das Diesseits doch nur ein Wimpernschlag.

        Daran hapert es aber.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Die andere Wange hinhalten ist großartig, wenns die eigene Wange ist. Ich habe nur das ungute Gefühl, als versuchten höchst pazifistisch gesonnene Menschen, die andere Wange anderer Leute hinzuhalten.
        Das ändert nichts an meiner Meinung zu Newskis Aussage. Klar ist es richtig, sich gegen Aggressoren zu wehren. Aber vorher vollmundig verkünden, daß man damit auf jeden Fall Erfolg haben wird, halte ich nach wie vor für albern.

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