Eine Apotheke in Neukölln

Ich mußte heute dringend zur Apotheke – und ich hatte Zeit. Also fuhr ich, wie ich mir schon längere Zeit vorgenommen hatte, in eine Apotheke in Neukölln. Denn der dortige Apotheker ist Katholik und Lebensschützer und zieht daraus klare Konsequenzen: Er verkauft die „Pille danach“ nicht. Weil Berlin ja so eine tolerante Stadt ist, wie unsere Regierung nicht müde wird zu beteuern, wurden ihm aus diesem und keinem anderen Grund mehrmals die Fenster eingeworfen.
Josef Bordat und King Bear haben darüber schon vor einiger Zeit berichtet.

Man wird in dieser Apotheke außerordentlich freundlich bedient. Daß dort ein Kruzifix hängt und Bilder von Johannes Paul II, Benedikt XVI und Franziskus zu sehen sind, freut mich besonders. Da das nötige Medikament bestellt werden mußte, nahm ich mir noch Zeit, ein wenig durch die Gegend zu fahren – eine Gegend mit jeder Menge altmodischem Charme der 70er und 80er Jahre, was man natürlich den Einheimischen lieber nicht sagen sollte, da sie sich vermutlich für ungeheuer modern halten. Aber sei’s drum: Retro ist in.
Ich werde auch in Zukunft gelegentlich dorthin fahren – allerdings nicht ohne vorher anzurufen, um längere Wartezeiten zu vermeiden. Zum einen kann ich damit ein wenig Solidarität zeigen. Zum anderen ist Radfahren gesund.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Eine Apotheke in Neukölln

  1. Klaus Ebner schreibt:

    Ich finde es ebenfalls skandalös was diesen Apotheker widerfährt. Auf der anderen Seite habe ich auch Verständnis für die Kritik an seinem Verhalten. Der Beruf eines Apothekers ist frei gewählt und mit gewissen Privilegien (z.B. das Recht verschreibungspflichtige Produkte exklusiv verkaufen zu dürfen) und mit Verpflichtungen verbunden. Wesentlichste Verpflichtung ist es, für den Patienten jedes vom Arzt verschriebene Medikament entweder vorrätig zu haben oder zeitnah zu besorgen. Für Gewissensvorbehalte ist da kaum Platz. Denn erstens müssten diese dann auch für einen Apotheker am Land gelten, der die einzige Apotheke im Umkreis von 40 Kilometern betreibt und zweitens müsste dieser Gewissensvorbehalt für alle gelten. Gewissen individuell und nicht teilbar. Ein Apotheker könnte z.B. ablehnen Medikamente zu verkaufen, die an seiner Meinung nach grausamen Tierversuchen getestet werden, einer anderer Unternehmer könnte aus Protest gegen die israelische Politik keine Medikamente führen, deren Herstellerfirma Kontakte nach Israel hat und so weiter. Am Ende müsste ein Patient, der vom Arzt 5 Medikamente verschrieben bekommt zu 5 verschiedenen Apotheken gehen. Genau aus diesem Grund ist ein Gewissensvorbehalt bei Apothekern nicht vorgesehen.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Gewissen hat ja auch mit Abwägen zu tun. In der näheren Umgebung dieser Apotheke habe ich drei weitere Apotheken gesehen. Es ist also durchaus zumutbar für die Kunden. Und dann geht es hier ja wirklich darum, daß durch die Einnahme des Medikaments ein Mensch getötet wird. Zumindest nach katholischer Lehre und der Erkenntnis moderner Biologie.
      Natürlich ändert das nichts an der Rechtslage. Allerdings auch nichts an der ebenfalls bestehenden Rechtslage, daß ein Mensch von Anfang an Lebensrecht hat.
      Ich sehe die rechtliche Schwierigkeit sehr wohl – und doch bin ich ganz auf der Seite des Apothekers, weil das Recht auf Leben das höhere Rechtsgut ist.

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