Was Petrus zu Silvanus sagte

… habe ich aus geheimer Quelle erfahren.
Die Übersetzung (aus einem mit altaramäischem Slang durchsetzten, grammatisch nicht einwandfreien Koiné-Griechisch) hat Prof. Phil Ollock aus Oxford übernommen. Zum heutigen Fest Petri Kirchweih hat er mir freundlicherweise die Veröffentlichung gestattet.
Die Streitfrage, wer denn nun den 1. Petrusbrief verfasst hat, dürfte hiermit geklärt sein.

Silvanus, schreiben Sie bitte an die Presbyter in Pontus: Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, Er hat uns in Seinem großen Erbarmen neu geboren, damit wir auf Jesus hoffen – nein, streichen Sie die letzten Worte – lieber so: damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben.
Dann bitte ein Hinweis auf die ewige Herrlichkeit nach dieser Zeit. Die sollen nicht so trübe dreinschauen – ach nein, formulieren Sie das irgendwie positiv.

Dann bitte höflich, aber bestimmt: Keine Revolte! (Wieder irgendwie positiv formulieren.) Obrigkeit respektieren. Gilt im Kleinen auch für Sklaven, und für Frauen. Sollen sich nicht so auf Tüddelkram konzentrieren, Gott allein ist wichtig. Na, und die Familie isses auch. Über Weltsachen bestimmen die Männer, isso, aber die Frauen sollen den Glauben bewahren. (Vielleicht bringt ja die eine oder andere ihren Mann zur Umkehr.) Die Männer sollen sich aber auch nicht so aufspielen vor den Frauen, die einen sind nicht mehr wert als die anderen.

Achja, und die Presbyter. Gibt ja einige, die führen sich auf wie die Kleinkönige. Klarstellen, daß sie keine Sonderrechte haben.
Und dann, machen Sie Mut, Silvanus. Der Herr wird ja kommen! Und sie sollen nicht aufgeben, zu beten, gut zu sein, zu dienen. Die Heiden werden dann schon sehen, daß wir kein krimineller Haufen sind. Und wenn sie es doch nicht sehen und die Schikane und Verfolgung geht weiter, Kopp hoch! Jesus hat für uns gelitten, wir sind auf Seinen Tod getauft, also nicht so anstellen. Alle werden sich vor Gott verantworten müssen.
Übrigens bald, nehm ich an. Demütig sollen wir sein, vor Gott und voreinander. Gut sein sollen sie vor allem – also alle, nicht bloß die Presbyter, versteht sich.
Schreiben Sie irgendwas in der Richtung, und fassen Sie es als Weisung, nicht bloß als Empfehlung. Diese resignierten Streithammel kapierens sonst nicht.

Silvanus, Sie machen das schon. Ich hab volles Vertrauen zu Ihnen.
Kopien bitte nach Kappadozien, Asien und Bithynien.
Danke. Und nehmen Sie sich einen Kaffee.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Was Petrus zu Silvanus sagte

  1. nike0210 schreibt:

    Köstlich, danke. 😀

  2. Andrea schreibt:

    Ich werde das mal an meinen Hauskreis weiterleiten. Wir lesen nämlich grade den ersten Petrusbrief, und an zwei von zwei bisherigen Abenden kam die Frage auf, wer den eigentlich *wirklich* geschrieben hat …

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