Genderei

Es soll künftig, so der Bayerische Rundfunk, Frau Professorin Hornscheidt und zahlreiche andere Babylonier, alles männliche und alles weibliche aus der Sprache getilgt werden.

Wortungeheuer wie Professorx, gendergerechte Bedürfnisanstalten und Speisekarten ohne chauvinistische Bezeichnungen gehören zu den Forderungen der Frau Professorin Hornscheidt, die unter anderem dazu aufruft, ihrer Ansicht nach chauvinistische Ausdrücke in Bibliotheksbüchern zu schwärzen oder die Seiten herauszureißen, zudem die Idee unterstützt, die Humboldt-Universität umzubenennen, da der menschenfreundliche Naturforscher und entschiedene Gegner der Sklaverei Alexander Humboldt ihrer Ansicht nach ein ganz übler, rassistischer, chauvinistischer, kolonialer etc. Schurke gewesen sein muß.

Der Bayerische Rundfunk stößt in das gleiche Horn mit dem Vorhaben, künftig Fachmänner durch Fachkräfte, Lehrer durch Lehrkräfte, Männer und Frauen durch Personen sowie den Zuschauer und den Zuhörer durch das Publikum und das Auditorium zu ersetzen. Damit wird der Mensch, der etwas tut, zur Kraft, vermöge er genau dies tut – wird also auf seine berufliche Tätigkeit reduziert; die mit dem generischen Maskulinum bezeichneten aufmerksamen Einzelpersonen werden zu einem neutralen Einheitsbrei.

Durch diese Maßnahmen sollen alle Menschen gerechte Löhne, gleiche Achtung, gleiche Bildungs- und Aufstiegschancen und ewigen Frieden genießen.

Ich aber werde meine Freunde einladen zu einer Lesung aus Gottfried Kellers Novelle Das Sinngedicht, und danach will ich sie bewirten mit Zigeunerschnitzel, hinterher Mohrenköpfe und Negerküsse, dazu einen Pharisäer, und zum Abschluß vielleicht eine Bloody Mary.

Da waren voraus drei Damen, deren Umgange ihrem Manne zweckmässig für sie geschienen hatte, da sie im Rufe einer grossen und schönen Bildung standen; denn überall, wo es etwas zu sehen und zu hören gab, waren sie in der vordersten Reihe zu finden, und sie verehrten, beschützten alles und jedes, das von sich reden machte. Erst später erfuhr ich freilich, dass man sie in manchen Kreisen schon um diese Zeit die drei Parzen nannte, weil sie jeder Sache, deren sie sich annahmen, schliesslich den Lebensfaden abschnitten. Sie waren immer in Geräusch, Bewegung und Unruhe; denn sie besassen alle drei selbstzufriedene und gleichgültige Männer, die sich nicht um die Frauen kümmerten. Obgleich diese nicht eben sehr jung waren, umarmten sie sich doch mit stürmischer Leidenschaft, wenn sie sich trafen, küssten sich lautschallend und nannten sich Kind und süsser Engel; auch hatten sie einander liebliche Spitznamen gegeben, und eine hiess die Sammetgazelle, die andere das Rotkäppchen, die dritte das Bienchen; die erste, weil sie das Sammetauge des genannten Tieres habe, die zweite, weil sie einst in einem lebenden Bilde jene Märchenfigur vorgestellt, die letzte, weil sie in Gärten oder Gewächshäusern keine Blume sehen konnte, ohne sie zu betasten und zu erbetteln. Trotz dieser harmlosen Schwärmerei gab es böse Leute, welche behaupteten, die Parzen führten unter sich eine Sprache wie mit allen Hunden gehetzt und von allen Teufeln geritten, ungefähr wie alte Studenten, besonders seit sie als Wahrzeichen ihres Geniewesens eine junge Malerin in ihren Verband aufgenommen hatten, die schon in allen Schulen gewesen. Eigentlich war es ein junger Maler, denn sie schneuzte wie ein kleines Kätzchen, wenn man sie Malerin nannte. Die schöne wohlklingende Endsilbe, mit welcher unsere deutsche Sprache in jedem Stande, Berufe und Lebensgebiete die Frau bezeichnet und damit dem Begriffe noch einen eigenen poetischen Hauch und Schimmer verleihen kann, war ihr zuwider wie Gift und sie hätte die verhassten zwei Buchstaben am liebsten ganz ausgereutet. War man dagegen gezwungen, den männlichen Artikel DER und EIN mit ihrem Berufsnamen zu verbinden, so tönte ihr das wie Musik in die Ohren. Sie trug stets ein schäbiges Filzhütchen auf dem Kopfe und liess das Kleid so einrichten, dass sie ihre Hände zu beiden Seiten in die Taschen stecken konnte, wie ein Gassenjunge.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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4 Antworten zu Genderei

  1. Jürgen Niebecker schreibt:

    Nicht aufregen. Wie ich jüngst las, ist die ganze Gender-Sache gar nicht schlimm. Sie wird angeblich nur deutlich mißverstanden oder von ganz ganz wenigen Personen auch vielleicht möglicherweise etwas mißbraucht. – Oder so ähnlich…
    http://kikreukreu.blogspot.de/2014/11/gender-alles-gar-nicht-schlimm-meint.html

  2. Heike Pohl schreibt:

    Das sind so Themen, an denen ich mich gedanklich abarbeite. Dann will ich zur Feder greifen und ebenfalls meinem Unmut Luft machen und dann stellt sich auf den Schlag die Frage: Wo fange ich an …? Mich aufzuregen, über diesen ganzen unsäglichen Schmarrn, an dem sich inzwischen alle auf allen Kanälen aufregen, abarbeiten … Zu keinem Zeitpunkt war mir dieser Sinnspruch näher, wonach Gott mir die Gelassenheit gebe …
    Liebe Claudia, manchmal wünsch ich diesem Teil der Welt, der die Zeit damit verschwendet, die Sprache hin zur Gleichberechtigung verbiegen zu wollen (und mit ähnlichen Themen) echte Sorgen und Nöte an den Hals. Dinge, um die es sich wirklich lohnt, zu kämpfen. In diesem Sinne, dir frohes Schaffen und beste Dank für das Amüsement am Morgen 🙂 Jetzt hätt ich total Lust auf einen Negerkuss.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich wackele ja auch manchmal nur noch mit dem Kopf.
      Aber die Genderei hat für mich den Vorteil, daß ich an eine Menge guter Schriftsteller denke. Gottfried Keller ist ja etwas aus der Mode gekommen und hat das wahrlich nicht verdient, und nun kann ich Dank Gender ein wenig Reklame für ihn machen. So hat alles sein Gutes.

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