Zukunftsmusik

Was Zukunft für mich bedeutet, will Adveniat wissen und stellt mir damit eine Frage, die ich vor dreißig Jahren noch sehr eindeutig hätte beantworten können – und sehr naiv -, und die ich jetzt als Herausforderung verstehe. Ich fasse die als Inspiration gedachten Fragen als Interviewfragen auf.

Inwiefern planst du deine Zukunft und was lässt du einfach auf dich zukommen?

Ich bin kein guter Planer. Früher habe ich zu viel geplant, zu genau – und irgendwann gemerkt, daß das Scheitern übergenauer Pläne selbstverständlich ist. Später habe ich weniger genau geplant, habe einige Pläne verwirklicht (Abitur nachholen, Studieren, Verlag gründen), andere nicht (zu Ende studieren, Familie gründen, Verlag erhalten und erfolgreich betreiben). Vieles Wichtige war völlig ungeplant, zum Beispiel die Bewältigung katastrophaler Lebensereignisse, aber auch die Erfüllung eines unverhofften und umfangreichen Übersetzungsauftrags. Ungeplant und unverhofft habe ich wundervolle Menschen kennengelernt – und leider einige durch den Tod verloren. Ungeplant ist mein Scheitern in beruflicher Hinsicht. Ungeplant und unverhofft kommen mir Ideen zu Gedichten und Geschichten, und ohne genauen Plan realisiere ich sie.
Die fernere Zukunft mag ich schon gar nicht planen. Die Erfahrung zeigt, daß das wenig oder keinen Sinn hat. Et kütt wie et kütt, What will be, will be, tu ne quæsieris.

Gibt es Menschen, mit denen du deine Zukunft gemeinsam planst oder denen du bei ihrer Planung beiseite stehst?

Nein – und glaubt mir, es ist besser so. Ich überlasse das Planen Kompetenteren, als ich es bin, und beschränke mich darauf, gelegentlich Horaz zu zitieren. Von wohlmeinenden Verwandten erdachte Planungshilfen haben mir regelmäßig mehr geschadet als genützt; ich habe aufgehört, auf die Verwandtschaft zu hören.

Bist du schon einmal irgendwo auf jemanden gestoßen, der für sich keine Zukunft mehr gesehen hat?

Ich habe mit zwölf oder dreizehn Jahren einen Krankenwagen in ein Waldstück gelotst, in dem ein junger Mann versucht hatte, sich mit Tabletten und Alkohol umzubringen. Er lag bewußtlos im Schnee, und der erste Satz, den er sagte, als ein Sanitäter ihn halbwegs zu sich gebracht hatte, war: Ich bin ein Schwein, laßt mich sterben. Das war meine erste Begegnung mit einem Hoffnungslosen, und es ist nicht die einzige geblieben.

Wie stellst Du Dir die Zukunft in der „Einen Welt“ vor?

Angesichts der brutalen Wirtschafts- und Staatsformen und des um sich greifenden Terrorismus glaube ich nicht, daß vor der Wiederkunft des Messias wirklich Gerechtigkeit und Frieden Einzug halten. (Es ist auch nichts dergleichen verheißen vor der Wiederkunft – ganz im Gegenteil.) Ich glaube und hoffe aber, daß es immer weiter gute Entwicklungen gibt durch hilfreiche Zusammenarbeit vieler Menschen, die hier und da gerechtere Strukturen und größeren Wohlstand erreichen. Ich kann dazu leider nicht mehr beitragen als fair gehandelten Kaffee kaufen und hie und da hilfreich sein – und beten. Das aber ist ein meiner Ansicht nach wichtiger Punkt. Ich traue Gott alles zu und glaube, daß Er Gebete hört. Ob Er sie erhört, liegt an Ihm, und hier hört das Verstehen für mich auf. Ich weiß nicht, warum Er so viel Schreckliches zuläßt.
Sicher bin ich nur, daß Er wiederkommen wird in Herrlichkeit. Das ist die eine Zukunft der Welt, an der ich gar keinen Zweifel habe.

Was wünschst Du Dir persönlich für die Zukunft? Was macht dir Mut?

Ich wünsche mir, ausreichend Geld zu verdienen, daß ich davon leben kann. Mehr noch wünsche ich mir, im Glauben und in der Liebe zu wachsen. Am meisten – daß der Messias kommt. Persönlich, heute oder morgen.

Was wünschst Du – zugegeben etwas abstrakt – der Welt für die Zukunft?

Das Gleiche wie mir.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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