Wachet und betet!

Andrea hatte die Idee zu einem Blogoezesanen-Adventskalender. Fünfundzwanzig Blogger veröffentlichen einer nach dem anderen Beiträge, die irgendwie mit dem Advent aus katholischer Sicht zu tun haben. Andrea macht morgen den Anfang auf ihrer Seite 5 Brote 2 Fische. Irgendwann komm ich auch dran. Außerdem gibt es natürlich meinen schon traditionellen Lyrik-Adventskalender.

Der Advent wird zwar nach wie vor als Zeit der Buße begangen – mit der liturgischen Farbe violett – aber seit 1917 ist in der Römisch-Katholischen Kirche (im Gegensatz zu den orthodoxen Kirchen) das Fastengebot in dieser Zeit aufgehoben. Das finde ich schade – und faste. Damit bin ich nicht ungehorsam, ich scheine nur pingelig. Man darf ja – muß nur nicht. Aber es ist nicht Pingelei, wenn ich im Advent faste. Es gehört nicht nur zu meiner eigenen Art der Vorbereitung.

Johannes der Täufer fastete, um sich auf das Kommen des Messias vorzubereiten, und Jesus der Messias fastete, um sich vorzubereiten. Beten, Fasten und Gutes tun – zum Beispiel: sich etwas absparen, um es Bedürftigen zu spenden – ist grundsätzlich sinnvoll, bekommt aber vor Ostern und vor Weihnachten ein besonderes Gewicht.

Der Advent wird nicht nur kommerzialisiert, er wird sentimentalisiert, was das Zeug hält, und er ist längst zu einer Zeit hemmungsloser Fresserei und bürgerlicher Gemütlichkeit uminterpretiert worden. Aber ein ständig übervoller Bauch ist weder für den Geist noch für die Seele gut (nebenbei, für den Körper auch nicht). Fasten ist gut, um hellhörig zu werden auf die Stimme Gottes, um zu wachen, wie Jesus es nennt:

Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.
Mk. 14,38

Es ist gut, in einer Zeit des Überflusses wenigstens ein bißchen zu erkennen, wie Mangel sich anfühlt – das kann zur Solidarität mit den Notleidenden beflügeln. Es ist auch möglich, damit ein Zeichen zu setzen – Konsumverweigerung im Advent fällt durchaus auf. Wer dazu ein fröhliches Gesicht hat, zeigt, daß es geht.
Daß ich in der Adventszeit – sofern ich das Fasten durchhalte – auch ein paar Pfunde abnehmen werde, ist ein netter Nebeneffekt, den ich dankbar mitnehme.

Fasten im Advent – und dann auch noch beten! – ist in den Augen der Welt exotisch, schrill, unbegreiflich, irgendwie total seltsam. Also so, wie zahlreiche Weltkinder sich gern gerieren und noch lieber wirklich wären. Also gebt ein Beispiel – seid exotisch (frönt einer unbekannten Religion), schrill (nur nicht beim Singen von Adventsliedern), unbegreiflich (fröhlich ohne wildes Shopping und Fresserei), total seltsam (den ganzen Kram auch noch glaubend) – fastet und betet! Und tut Gutes! Vielleicht kommt ja einer auf die Idee, daß Christsein gar kein bißchen spießig ist.

Ich glaube allerdings, das eigentlich Wichtige ist, daß man es tut – das Fasten, das Beten, das Wachen -, ohne groß darüber nachzudenken, ob es „nützt“, und daß man auf die Wiederkunft des Messias hofft, so gut man kann. Möge Er bald kommen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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