Was ich da so mache


© Thomas Plaßmann

Christ? Ach, interessant – und was macht man da so? – läßt Thomas Plaßmann beim Party-Smalltalk fragen und stellt damit die Haltung vieler Nichtchristen eher realistisch dar als sie zu karikieren. Das katholische Weblog Sende-Zeit hat die Plaßmann-Challenge ausgerufen, und ich antworte, so gut ich kann.

Der Versuch, den zehn Geboten – zusammengefaßt in dem einen Gebot der Gottes- und Nächstenliebe – immer zu folgen, nichts zu tun, was ihnen widerspricht, und alles zu tun, was ich kann, um ihnen zu entsprechen – wird, nun ja, unternommen.
Oder vielmehr: Mir ist vollkommen klar, daß ich mich voll und ganz auf diesen Versuch konzentrieren sollte, mit ganzer Seele und mit ganzem Herzen – und daß ich mich eben nicht immer voll und ganz, sondern oft halbvoll und halbherzig darum bemühe.
Klar ist mir auch, daß es zum Christsein gar nicht vorrangig darauf ankommt, was man da so macht, sondern darauf, ob man Gott liebt mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen. Da ich zu jenen Käuzen zähle, die die katholische Kirche für vollkommen richtig halten (wenn auch nicht für richtig vollkommen), kommt es für mich auch noch darauf an, der kirchlichen Lehre zu folgen. Das heißt unter anderem:

Zu Gott und keinem anderen beten, am besten immer, und häufig zur Messe gehen.
Die Kirche unterstützen und verteidigen, soweit es mir möglich ist, denn die Kirche ist Braut Christi – und ich gehöre zu ihr.
Helfen, wo es nötig und mir möglich ist – sei es durch praktische oder finanzielle Hilfe oder durch Aufklärung oder durch Zuhören und Trösten oder auf irgendeine andere Art.
Wenn die Kirche in eine Richtung zeigt und der Mainstream in eine andere Richtung fließt – flußaufwärts gehen, notfalls auch schwimmen.
Wenn meine nächsten Verwandten die Kirche doof und Lebensschutz gruselig [sic] finden, trotzdem nicht so tun, als wären Kirche und Lebensschutz für mich nur eine kleine Nebensache, sondern mich weiter für beide einsetzen.
Wenn mir gesagt wird, daß Religionen schlecht, Christen böse und Katholiken monströs sind, lächeln und winken – und wenn es möglich ist, bei nächster Gelegenheit deutlich richtigstellen.

Christ kann ich nicht im Vollsinn sein ohne soziales Handeln mit dem Beweggrund der Liebe. Aber soziales Handeln ist nicht die Hauptsache im Christentum – sondern es ergibt sich aus der Hauptsache. Die aber ist das Vertrauen auf den Dreieinen Gott, den Vater, den Sohn, den Heiligen Geist. Es ist die Sicherheit, daß Er Mensch geworden, gestorben und auferstanden ist.
Dies nicht nur in der Tat, sondern auch im Wort zu bekennen, ist in unserer Gesellschaft nicht einfach. Neben den kulturfeindlichen Obszönitäten des beträchtlichen auf Kirchenschmäh eingeschossen Teils der Journaille, den strunzdummen Kommentaren unter Berichten über die Christenverfolgungen unserer Tage, neben Gewalt gegen Christen, Kirchen, eine Einrichtung der Lebensschutzbewegung und eine Apotheke bemerke ich eine sich zivilisiert gebende Rezeption des Christentums. Ich höre von sonst recht höflichen und gescheiten Leuten, Religion sei ja ganz gut als Trost für kranke oder behinderte oder ältere Menschen. Bei diesen Formen von Ahnungslosigkeit versuche ich, mich an den Missionsauftrag zu erinnern: Geht in alle Welt und lehrt alle Völker. Ich habe es als Berlinerin insofern leicht, als ich nicht weit reisen muß, um in Missionsgebiet zu kommen – einfach vor die Tür gehen langt schon.
Und dann? Ich verschweige nicht, daß ich Christin bin – und ich versuche, so zu leben, daß andere neugierig auf meine Religion werden. Ich hoffe, daß mir das halbwegs gelingt, auch wenn ich oft nur sagen kann: Hier blogge ich, ich kann nichts andres, Gott helfe mir, Amen.

Aber zurück zur Hauptsache, also zu Jesus, der Gott ist, von Gott kommt und zu Gott führt.
Und was mache ich da?
Ich hoffe auf Ihn.
Ich sehne mich danach, vor Ihm zu knien – für immer.
Jetzt kann ich das bei der Eucharistischen Anbetung tun und während der Messe, bei und nach der Wandlung, und vor dem Tabernakel. Einst werde ich Ihn in unverhüllter Gestalt sehen – für immer.

Und an dieser Stelle werden die Smalltalker auf der Party betreten das Thema wechseln und sich so schnell wie möglich, ohne unhöflich zu wirken, einem anderen Partygast zuwenden. Aber vielleicht werden sie in einer stillen Stunde bedenken, daß die Sperlich ja doch eigentlich nett und intelligent ist, trotz ihrer komischen Religion – und vielleicht wird ihnen dann aufgehen, daß die Sperlich ihre paar Vorteile nicht trotz, sondern wegen ihres Glaubens hat.

Advertisements

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.