Kultur des Christlichen Abendlandes geht anders

Zur Zeit machen einige ganz besonders Überzeugte von sich reden. Sie sind gegen etwas, wogegen ich auch bin (nämlich ein Hofieren des Islam), für etwas – zumindest ihren Worten nach -, wofür ich auch bin (nämlich das Bewahren christlicher Kultur), und sie sind mir von Grund auf unsympathisch. Sie plappern mit völkischem Unter- und Hauptton, schmähen jeden, der als Christ anders denkt als sie, als Verräter, hassen alles, was nicht mit ihnen gehen will. Sie sind der Wurzelsünde des Hochmuts meiner Ansicht nach mit hohem Vergnügen verfallen. Sie sind gegen die Kirche.

Sie präsentieren ein Positionspapier, dem ich teilweise zustimme und das ich hier mit von mir hervorgehobenen Kommentaren wiedergebe.

1. PEGIDA ist FÜR die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten. Das ist Menschenpflicht!
Ja.
2. PEGIDA ist FÜR die Aufnahme des Rechtes auf und die Pflicht zur Integration ins Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (bis jetzt ist da nur ein Recht auf Asyl verankert)!
Jeder hier lebende Mensch ist verpflichtet, sich an das Grundgesetz und alle anderen hier geltenden Gesetze zu halten. Damit ist eine gesetzliche Verpflichtung zur Integration überflüssig. Daß Verstöße gegen geltendes Recht seitens Zugewanderter oft lau oder gar nicht geahndet werden und Integration bei weitem nicht ausreichend stattfindet, ist wahr – steht aber auf einem anderen Blatt.
3. PEGIDA ist FÜR dezentrale Unterbringung der Kriegsflüchtlinge und Verfolgten, anstatt in teilweise menschenunwürdigen Heimen!
Daß die Unterbringung weit besser werden muß, ist klar. Dezentral klingt mir aber verdächtig nach irgendwo in der Pampa. Das ist kontraproduktiv.
4. PEGIDA ist FÜR einen gesamteuropäischen Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge und eine gerechte Verteilung auf die Schultern aller EU-Mitgliedsstaaten! (Zentrale Erfassungsbehörde für Flüchtlinge, welche dann ähnlich dem innerdeutschen, Königsteiner Schlüssel die Flüchtlinge auf die EU-Mitgliedsstaaten verteilt)
Dabei müßten Staatsgröße, Bevölkerungsdichte, Bruttosozialprodukt, geographische Möglichkeiten (Dolomiten sind ungeeignet) und vermutlich noch weitere Punkte gleichzeitig berücksichtigt werden. Der Königsteiner Schlüssel dient dieser Berücksichtung innerhalb Deutschlands; ob er ihr so gut wie nötig dient, kann ich nicht beurteilen, zweifle aber daran.
5. PEGIDA ist FÜR eine Senkung des Betreuungsschlüssels für Asylsuchende (Anzahl Flüchtlinge je Sozialarbeiter/Betreuer – derzeit ca.200:1, faktisch keine Betreuung der teils traumatisierten Menschen)
Dafür bin ich auch.
6. PEGIDA ist FÜR ein Asylantragsverfahren in Anlehnung an das holländische bzw. Schweizer Modell und bis zur Einführung dessen, FÜR eine Aufstockung der Mittel für das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) um die Verfahrensdauer der Antragstellung und Bearbeitung massiv zu kürzen und eine schnellere Integration zu ermöglichen!
Der recht große Unterschied zwischen holländischem (im Schnitt zwei Monate dauernden) und schweizerischem Modell (derzeitige Dauer im Schnitt über 400 Tage) ist hier sichtbar; auch wenn in der Schweiz ein beschleunigtes Asylverfahren angestrebt wird, bleibt abzuwarten, ob es dahin wirklich kommt.
7. PEGIDA ist FÜR die Aufstockung der Mittel für die Polizei und GEGEN den Stellenabbau bei selbiger!
In der Tat leidet die Polizei stark unter Stellenabbau, was sich im raschen „Verschleiß“ der Polizisten zeigt. Das ist unmenschlich, schadet der Sicherheit und befördert über kurz oder lang Burnout und Aggressivität. Mit dem Thema Zuwanderung hat es nicht unmittelbar zu tun; durch diesen Punkt inmitten dieses Papiers entsteht aber der Eindruck, Konflikte mit Ordnung und Gesetz sowie aus anderen Gründen notwendige Polizeieinsätze (Großveranstaltungen etc.) stehen in direktem und beinahe ausschließlichem Zusammenhang mit Zugewanderten.
8. PEGIDA ist FÜR die Ausschöpfung und Umsetzung der vorhandenen Gesetze zum Thema Asyl und Abschiebung!
Ich auch. Dabei bitte nicht das menschliche Maß verlieren und nicht jugendliche Eierdiebe abschieben, wohl aber ausgewachsene Ganoven.
9. PEGIDA ist FÜR eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten
vgl. meine Anmerkung zu 8.
10. PEGIDA ist FÜR den Widerstand gegen eine frauenfeindliche, gewaltbetonte politische Ideologie aber nicht gegen hier lebende, sich integrierende Muslime!
Hier stimme ich zu.
11. PEGIDA ist FÜR eine Zuwanderung nach dem Vorbild der Schweiz, Australiens, Kanadas oder Südafrikas!
In der Schweiz ergab eine Volksabstimmung im November 2014, daß die Mehrheit der Schweizer gegen die Beschränkung der Zuwanderung ist. Australien ist seit Jahrhunderten ein Einwanderungsland, heute mit hier einsehbaren recht rigiden Bestimmungen. Da es in Australien etwa doppelt so viel Zuwanderer gibt wie in Deutschland, ist der Vergleich mit Australien aber kaum zulässig. Kanada hat prozentual noch mehr Zuwanderer, aber weniger Probleme damit als Deutschland – wohl auch, weil die Zuwanderungsbestimmungen die Bildung und zu erwartende ökonomische Bedeutung der Anwärter zum Auswahlkriterium macht. 8,5% der Zuwanderer in Kanada sind Flüchtlinge und Asylsuchende. Südafrika war als das Land mit den meisten Asylsuchenden bekannt, seit 2010 ist die Tendenz aber rückläufig. Migration-Info spricht von schleppenden Asylverfahren, mangelnder Ausstellung von Dokumenten und oft fehlendem Zugang zur Grundversorgung.
12. PEGIDA ist FÜR sexuelle Selbstbestimmung!
Hier sind wir uns einig.
13. PEGIDA ist FÜR die Erhaltung und den Schutz unserer christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur!
Selbstverständlich bin auch ich dafür. Ich bin aber der Ansicht, daß wir unter „Schutz unserer christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur“ nicht dasselbe verstehen. Auch rede ich lieber von der als von unserer Kultur – die Kultur gehört mir ja nicht, und mit Personal- und Possessivpronomen gehe ich in diesem Zusammenhang behutsam um.
14. PEGIDA ist FÜR die Einführung von Bürgerentscheidungen nach dem Vorbild der Schweiz!
Ich möchte nicht, daß durch Volksabstimmung die Verfassung geändert werden kann. In der Schweiz ist das möglich. Ich möchte es deshalb nicht, weil ich sicher bin, daß die selbst unter Jurastudenten mehrheitlich befürwortete Todesstrafe und die von Juristen ernsthaft diskutierte Folteroption über kurz oder lang in Deutschland durch Volksentscheid eingeführt würden, wenn es möglich wäre.
15. PEGIDA ist GEGEN Waffenlieferungen an verfassungsfeindliche, verbotene Organisationen wie z.B. PKK
Dagegen bin auch ich. Allerdings hat die PKK sich dem Vernehmen nach von der terroristischen Vergangenheit gelöst. Jedenfalls kämpft sie derzeit gegen den IS. Diesen Kampf auch mit Waffen zu unterstützen finde ich richtig. Die letzte Waffenlieferung aus Deutschland zur Unterstützung der IS-Gegner im Nordirak bestand in schlechten und veralteten Waffen. Gegen solche Waffenlieferungen bin ich auch.
16. PEGIDA ist GEGEN das Zulassen von Parallelgesellschaften/Parallelgerichte in unserer Mitte, wie Sharia-Gerichte, Sharia-Polizei, Friedensrichter usw.
Auch wenn noch so viele Grüne und Linke und durchgeknallte Muslime die Zulassung der Sharia in Deutschland anregen oder fordern (so übermäßig viele, wie vorgegeben wird, sind es übrigens bei weitem nicht), ist das schon nach dem Grundgesetz gar nicht möglich. Das Wort Parallelgesellschaft ist nicht eindeutig definiert. Sofern es sich auf integrationsunwillige und gewaltbereite Teile der Bevölkerung bezieht, sehe ich nicht, was Zulassen in diesem Zusammenhang bedeutet. Selbstverständlich ist es nötig, die Gesetze des Landes zu beachten und anzuwenden, und mir ist klar, daß dies gegenüber gewalttätigen jungen Muslimen oft nicht im rechten Maß geschieht. Das bedeutet aber nicht staatliches „Zulassen“, sondern rechtliche Schlamperei. Das Rechtswesen ist Teil des Staates, ist aber nicht der Staat selbst (und schon überhaupt nicht ist der Staat Teil des Rechtswesens, ich hoffe, der Unterschied ist deutlich).
17. PEGIDA ist GEGEN dieses wahnwitzige „Gender Mainstreaming”, auch oft „Genderisierung” genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache!
Dagegen bin ich auch.
18. PEGIDA ist GEGEN Radikalismus egal ob religiös oder politisch motiviert!
Auch hier sind wir uns einig – und deshalb bin ich gegen Pegida.
19. PEGIDA ist GEGEN Hassprediger, egal welcher Religion zugehörig!
Gegen Haßprediger bin ich auch. Sofern sie zu gesetzwidrigen Taten anstachelt, bin ich für Anwendung der entsprechenden Strafgesetze.

Eine Organisation definiert sich nicht allein über ihre Papiere, sondern auch über ihr Auftreten. Wie das aussieht, beschreibt eine Gruppe katholischer Jungjournalisten – und zitiert entsetzt die Zuschriften zahlreicher Pegida-Mitglieder. Auch wenn ich die Meinung dieser Journalisten nicht ganz teile und durchaus eine Gefahr sehe in zahlreichen (nicht nur zugewanderten) gewaltbereiten islamistischen Wirrköpfen, aber auch in politischem Laissez-Faire und gleichzeitiger diktatorischer Correctness, stimme ich der Einschätzung der Pegida zu.

Pegida

Ihr könnt mich nicht in eure Reihen bringen,
auch nicht, wenn ihr behauptet, das zu glauben,
was ich bekenne. Ihr könnt mich nicht zwingen,
und auch nicht überreden, Jesu Liebe
für meine Kleinlichkeiten zu benutzen.

Sagt nur, daß ich ein schlechter Christ bin. Ja,
das bin ich, und ich weiß es, und es wissen
auch Gott und mancher Priester, dem ich sagte,
was nun schon wieder Böses von mir ausging.

Doch folgendes zählt nicht zu meinen Fehlern:
Ich weiß, daß Christentum und Abendland
nicht bleiben können, wenn auf die Bedrohung
nur Drohung und Verachtung Antwort geben
und nicht Mission, nicht Liebe und nicht Lehre,
und Geist nicht wird von Ungeist unterschieden.

Wo Pöbelei und Schmutz sich christlich nennen
und mit Chorälen prahlend kämpfen wollen
und jeden, der nicht mitläuft, boshaft schmähen
als Gutmensch und Verräter und als Judas,
da blitzen auch – Deus lo vult – die Messer,
da wird das Gottesrecht bekämpft, da gleichen
die Kämpfer jenem Gegner, der uns alle
bedroht – da kämpft ihr nicht im Namen Jesu –
in Seinem nicht – und nicht in meinem Namen.

© Claudia Sperlich

Advertisements

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu Kultur des Christlichen Abendlandes geht anders

  1. Jürgen Niebecker schreibt:

    Hat es einen tieferen Grund, daß Du die Punkte 8 und 9 des Positionspapiers nicht behandelt hast?

  2. stefanolix schreibt:

    Liebe Claudia, danke für Deine differenzierten Überlegungen. Ich bin ja hier in Dresden mittendrin zwischen den Fronten. Ich ärgere mich täglich über Falschberichterstattung und Heuchelei der einen, genauso wie über verbales Randalieren und Trollerei der anderen Seite. Ich gehe natürlich nicht zu den Demonstrationen der beiden Seiten, allenfalls würde ich es als Beobachter mal versuchen.

    Darf ich erst einige Punkte zu #Pegida sagen? Es ist eine extrem heterogene Gruppe, aus der man auch extrem unterschiedliche Antworten bekommt. Ich erlebe Pegida bzw. ihre stillen Befürworter nur in den öffentlichen Verkehrsmitteln und in vielen privaten (kurzen) Gesprächen. Mit dem Christentum haben die allerwenigsten etwas zu tun – weder als Mitglied noch als Verteidiger gegen den Islam. Somit würde ich »christlich« vor »Abendland« streichen. Davon haben die meisten gar keine Ahnung.

    Ich sehe ein Problemfeld bei vielen: Sie sind mit der Schwäche des demokratischen Rechtsstaats unzufrieden. Sie können das nicht artikulieren, aber man kann es aus ihnen herausfragen. Der Rechtsstaat hat ihrer Meinung nach zu viele Dinge nicht im Griff. Dann werden natürlich Sündenböcke gesucht. Man findet sie u. a. bei einem Teil der Migranten und in der »islamischen« Bedrohung.

    Noch mehr regen mich allerdings die Leute auf den »Gegenseiten« (Medien, linke Parteien, SPD, CDU) auf. Erstens akzeptieren sie offenbar Linksextreme und Kirchenhasser als Verbündete. Zweitens sind die so furchtbar pharisäerhaft. In dem folgenden bearbeiteten Gleichnis kommt #Pegida nicht vor, denn Jesus hätte sich so eine Truppe in dieser Zeit gar nicht vorstellen können. Stattdessen auf der einen Seite die Pharisäer unserer Zeit und auf der anderen Seite Leute wie wir beide:

    Der satte Gute stand auf der Tribüne und sprach zu sich selbst: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie diese Pegida-Leute – Lauthälse, Randständige, Spießer und sogar Vorbestrafte. Ich sage so viel Gutes und lasse mich dabei fotografieren!

    Der Ehrliche stand dem anderen ferne. Er konnte vor Müdigkeit seine Augen nicht aufheben gen Himmel, er wälzte nachts Gedanken in seinem Kopf und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich spüre, dass manche bei der Pegida das Richtige meinen, aber das Falsche sagen.

    Der Ehrliche ging hinab gerechtfertigt in sein Haus vor dem Pharisäer. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. Aber auf Erden hörte ihm kaum jemand zu.

    Soweit mein unvollkommenes Gleichnis. Aber mit dem #Pegida-Problem werden wir nicht klarkommen, solange wir offiziell nur das über sie hören, was wir hören sollen, und sagen, was wir sagen dürfen. Da müssen alle Karten auf den Tisch.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Dank für diesen Kommentar samt treffendem Gleichnis!
      Ich selbst habe ein tiefes Mißtrauen vor den Lauten bei Pegida und traue den Leiseren zwar viel guten Willen und Redlichkeit zu, aber leider werden Gruppierungen allzuoft von den lauten Pöblern geprägt.
      Ich sehe keine einfache Lösung der Probleme, die Pegida anspricht – vor allem nicht durch Pegida. Auch ist mir die Forderung nach einer überflüssigen gesetzlichen Regelung gleich zu Anfang suspekt; so etwas ist populistisch, und es wäre leicht gewesen, das zu vermeiden. Denn überflüssig ist es, gesetzlich zu regeln, daß alle sich an die bestehenden Gesetze halten müssen – das ist ja den Gesetzen selbst immanent.

      • stefanolix schreibt:

        In dem Misstrauen sind wir uns einig. Ich beschreibe es als das Misstrauen gegenüber der großen Menge (die Gegenmenge immer eingeschlossen).

        Einige Hinweise zur Aufklärung über dieses Pegida-Papier. Es ist aus meiner Sicht aus drei Gründen so unstrukturiert: Erstens waren Amateure am Werk und keine Berufspolitiker. Zweitens entstand es als Antwort auf viele Fragen und Vorwürfe, teilweise auch auf Diskriminierungen. Drittens entstand es in Eile und unter dem Druck, möglichst vielen Erwartungen gerecht zu werden.

        Außerdem ist zu bedenken: Das Papier trägt keine Unterschriften. Es ist durch die Demonstranten nie direkt legitimiert worden, allenfalls durch ihr Erscheinen bei der nächsten Demo nach dem Bekanntwerden. Ich bin nicht sicher, ob die Mehrheit der Demonstranten das Papier überhaupt kennt.

        Wir als Papier- und Schriftmenschen wollen immer etwas Schriftliches in der Hand haben. Wir setzen uns dann (z. B.) mit dem AfD-Programm oder mit #Pegida-Papier auseinander. Wir sollten dabei aber nicht außer Acht lassen, wie diese Papiere zustande gekommen sind.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Guter Hinweis! Und durchaus ein Grund für mich, genauer nachzuforschen, was die Initiatoren eigentlich sagen. Vielleicht finde ich ja was.

      • stefanolix schreibt:

        Da wird vermutlich nicht mehr viel kommen. Die Massen werden sich wieder verlaufen. Es wird sich niemand finden, der tatsächlich ein Programm verfasst. Eine These, an die noch viel zu wenig gedacht wurde: #Pegida ist ein Symptom der Aufmerksamkeitsökonomie und der Erlebnisorientierung. Man kann aus der Provinz nach Dresden reisen (oder als Dresdner in die Innenstadt fahren), Krawall machen, Aufmerksamkeit erhalten, wieder abreisen – ohne dass es wirklich Folgen hat.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Das klingt hoffnungsvoll. 🙂

  3. stefanolix schreibt:

    Leicht OT: Was sagst Du eigentlich als Sprachenbegeisterte zu den »gegenderten« Übersetzungen der Bibel? Das Gleichnis von oben liest sich dort so:

    Die pharisäische Person stellte sich hin und betete folgendermaßen: ›O Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen, die rauben, °Unrecht tun und die Ehe brechen oder wie die, die am Zollhaus arbeiten. Ich faste zweimal bis zum Sabbat, und ich gebe den zehnten Teil von meinem ganzen Einkommen.‹ Diejenige Person, die am Zollhaus arbeitete, blieb von weitem stehen und wollte nicht einmal die Augen zum Himmel erheben, sondern schlug an ihre Brust und sprach: ›O Gott, versöhne dich mit mir, ich habe °gesündigt!‹

  4. cassandra_mmviii schreibt:

    Ich vermisse im Umgang mit PEGIDA ein elementar demokratisches Element: das Recht des anderen auf eine andere Meinung- auch wenn sie noch so abwegig ist. Grundsätzlich darf man für oder gegen alles sein, bis hin zur gesetzlichen Aufhebung der Schwerkraft, dafür oder dagegen demonstrieren. Demokratie ist das Recht, sich völlig zum Deppen zu machen.

    Nun sehe ich bei 5% Muslimen (oder so was in der Größe) die morgige Islamisierung von Deutschland nicht kommen. Das immer wieder aufgeworfene „Wir sollen Weihnachten in Winterfest umbenennen“ erlebe ich in der Familienrealität jedes Jahr wieder- aber seltsamerweise nicht durch Muslime, sondern durch „Säkularisten“.
    Die real existenten Muslime im Kindergarten hatten überhaupt kein Problem mit St Martin. Sie kannten die Geschichte nicht, aber ich bin ja skrupelbefreit und rede auch mit „Kopftuchmamas“ und siehe da: kein Problem. Eine wirklich gute Tat von St Martin, da sollte man grade Kinder dran erinnern. Und dann habe ich sie zu unserem nachbarschaftlichen St Martins Umzug eingeladen. Und sie kamen. Gab halt dann noch Käseschnitten und mehr alkoholfreien Kinderpunsch zusätzlich zu den Schmalzbroten und Glühwein. Dann haben wir uns zusammengesetzt und nachgedacht, wer das „wir wollen ja keinen ausschließen“ eigentlich aufgebracht hat. Es waren nicht die muslimischen Mütter- es waren ein Haufen „bio-wurzel-deutscher“ Eltern, die sicherstellen wollen, dass auf keinen Fall jemand irgendwas christliches tun muß. Vorgeschoben haben sie dann die Moslems.
    Das gleiche bei den Mahlzeiten: während es den muslimischen Eltern völlig gereicht hätte, wenn ihre Kinder einfach kein Schweinefleisch gegessen hätten, mußte das durch besagte Elterngruppe (die den Beirat stellten…) auf alle ausgedehnt werden. Die wollten zwischendrinne auch Wurst generell verbieten weil vegetarisch gesünder sei und die Kinder Brote tauschen könnten und dann die Moslems usw. Das ging, zumindest in diesem Fall, NICHT von den muslimischen Eltern aus.

    Warum erzähle ich Döddelkram aus dem Kindergarten?

    Das, was als „Islamisierung“ wahrgenommen wird (Wintermarkt, Frühlingsfest, Lichterfest etc) wird auch von einer massiven „ich finde Kirche doof“-Agenda getragen. Wir sollten nachdenken, ob es nicht ein Problem mit „religiösem Vakuum“ gibt, in dem Muslime einfach stärker auffallen.

  5. cassandra_mmviii schreibt:

    Das ist ziemlich lang, ich möchte einiges dazu sagen, aber das klappt nur gestückelt.

    „Auch wenn noch so viele Grüne und Linke und durchgeknallte Muslime die Zulassung der Sharia in Deutschland anregen oder fordern (so übermäßig viele, wie vorgegeben wird, sind es übrigens bei weitem nicht), ist das schon nach dem Grundgesetz gar nicht möglich. Das Wort Parallelgesellschaft ist nicht eindeutig definiert. Sofern es sich auf integrationsunwillige und gewaltbereite Teile der Bevölkerung bezieht, sehe ich nicht, was Zulassen in diesem Zusammenhang bedeutet. Selbstverständlich ist es nötig, die Gesetze des Landes zu beachten und anzuwenden, und mir ist klar, daß dies gegenüber gewalttätigen jungen Muslimen oft nicht im rechten Maß geschieht. Das bedeutet aber nicht staatliches “Zulassen”, sondern rechtliche Schlamperei. Das Rechtswesen ist Teil des Staates, ist aber nicht der Staat selbst (und schon überhaupt nicht ist der Staat Teil des Rechtswesens, ich hoffe, der Unterschied ist deutlich).“

    Der Staat definiert den Rahmen, aber innerhalb dieses Rahmens darf sich jeder bewegen. Beispiel: „Ich möchte eine Jungfrau heiraten“- kein Gesetz schreibt Sex vor der Ehe vor. Deine private Entscheidung, wie auch immer sie motiviert sei.

    Die Idee der außergerichtlichen Streitschlichtung ist nicht neu. Wenn nun zwei Muslime sich streiten und beschließen, den Iman als Vermittler dazuzuholen, dann werde ich nicht nach dem deutschen Zivilrecht rufen. Das Gesetz greift in diesem Fall „nur“ wenn da keine gemeinsame Lösung vermittelt werden kann. Ist bei deutschen Skatbrüdern auch nicht anders.

    Anders wird es, wenn das Strafrecht greift: ich darf niemanden zusammenschlagen oder schlimmeres weil mich etwas stört. Da greifen Gesetze und die sind anzuwenden. Bei jedem- also auch dem deutschen „Problemjugendlichen“.

    Ich habe ein paar Jahre im „sozialen Brennpunkt“ gelebt und dort ausgesprochen unschöne Dinge gesehen: Väter, die sonntags morgens besoffen auf der Bank am Spielplatz schliefen während die Kinder rumtobten. Jugendliche, die keinen Platz hatten und randalierten. Das waren Deutsche (also: „Herkunftsdeutsche“)- dagegen hoben sich die Familien der ehemals türkischen Gastarbeiter bewußt ab mit relativ strikten Regeln über „Benimm“ und „abends wenn es dunkel wird bist du zu Hause“. Man kann über die 15 Cousins in türkischen Familien lästern, aber eins hatten diese Jugendlichen: Rückhalt zu Hause, jemanden, der da ist im Notfall, Mittagessen und im Winter gescheite Jacken und Schuhe. Das waren Sachen, die „Kevin-Justin“ von nebenan nicht gesichert hatte.

    Was hat das mit PEGIDA zu tun?

    Wir leben in einer sehr vereinzelten Gesellschaft. Mustafa, der fast jederzeit 15 Cousins hat, die ihn unterstützen, macht neidisch. Hanife kann, wenn sie ins Krankehaus muß, auf ihre Schwester, Tante, Mutter nebenan zählen, die ihre Kinder versorgen. Das kann ihre „deutsche“ Nachbarin nicht unbedingt. Das soziale Netz ist halt mehr als staatliche Sicherungsmaßnahmen und mit der außerstaatlichen Sicherung hapert es in der deutschen Gesellschaft. Das schafft Neid, Unsicherheit etc. Und das wiederum sorgt für ein allgemeines“hier stimmt was nicht“-Gefühl. Und auf diesem Gefühl reitet auch PEGIDA.

  6. cassandra_mmviii schreibt:

    „2. PEGIDA ist FÜR die Aufnahme des Rechtes auf und die Pflicht zur Integration ins Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (bis jetzt ist da nur ein Recht auf Asyl verankert)!
    Jeder hier lebende Mensch ist verpflichtet, sich an das Grundgesetz und alle anderen hier geltenden Gesetze zu halten. Damit ist eine gesetzliche Verpflichtung zur Integration überflüssig. Daß Verstöße gegen geltendes Recht seitens Zugewanderter oft lau oder gar nicht geahndet werden und Integration bei weitem nicht ausreichend stattfindet, ist wahr – steht aber auf einem anderen Blatt.

    Ich weiß nicht, wie gut ich eigentlich integriert bin…
    ich war jahrelang nicht Mitglied in Sportverein oder ähnlichem, bewege mich kaum aus meinem familiären Umfeld raus, bin nicht parteipolitisch engagiert und gehe zur Kirche. Ich könnte eine Parallelgesellschaft sein.
    Bei Licht betrachtet haben wir massive Parallelgesellschaften: Leute, die ihre ganze Freizeit in der Schrebergartenkolonie zubringen und außer Arbeitskollegen nur noch andere Kleingärtner sehen.
    Parteipolitiker, deren Sozialkontakte sich im Ortsverein ihrer Partei befinden.
    Leute, die nur für ihren Job leben.

    Hinter der Angst vor der Parallelgesellschaft steht auch, so denke ich zumindest, die idee der Volksgemeinschaft mit Zwangscharakter, die alle eint und über allem steht.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Dank für diese Ausführungen!
      In meinem direkten Umfeld gibt es nicht besonders viele Moslems – allerdings ist hier in der Nähe eine vollständig friedliche und unaggressive Frau aus meiner Gemeinde vor über einem Jahr von zwei „Allahu akbar“-brüllenden Männern auf offener Straße krankenhausreif geprügelt worden, einfach so, ohne Anlaß. Tat wurde nicht aufgeklärt, weil ein Mensch, der gerade bewußtlos geschlagen wurde, keine gute Zeugenaussage machen kann. – Ich weiß, daß das nicht typisch für die meisten hier lebenden Moslems ist. Aber es macht mir den Islam auch nicht sympathischer.
      Ich sehe wie Du derzeit eine größere Gefahr von diktatorischem Gutmenschentum ausgehen als vom Islam – das aber nur in Deutschland, vielleicht Mitteleuropa. Was die Welt angeht, sehe ich das eher umgekehrt, obwohl die Gutmenschengefahr auch international verbreitet ist.
      Allerdings sehe ich auch die durchaus bestehenden heftigen Probleme mit einem nicht ganz unbedeutenden Teil moslemisch geprägter Menschen in Berlin – da gibt es viel Abkapselung, viel Unwillen, die Sprache zu lernen, viel Randale. All das gibt es auch unter nicht muslimischen, „Herkunftsdeutschen“ – und die verschiedenen Gruppen schaukeln einander vielleicht auf.
      Ich habe für das Problem selbstgewählter Abkapselung und Cliquenbildung keinen Lösungsvorschlag. Ich weiß nur sicher, daß eine sich patriotisch nennende, mindestens latent nationalistische und eindeutig pöbelhaft auftretende Initiative definitiv keine Lösung für irgendein Problem ist.

  7. cassandra_mmviii schreibt:

    „eine vollständig friedliche und unaggressive Frau aus meiner Gemeinde vor über einem Jahr von zwei “Allahu akbar”-brüllenden Männern auf offener Straße krankenhausreif geprügelt worden, einfach so, ohne Anlaß. Tat wurde nicht aufgeklärt, weil ein Mensch, der gerade bewußtlos geschlagen wurde, keine gute Zeugenaussage machen kann. – Ich weiß, daß das nicht typisch für die meisten hier lebenden Moslems ist. Aber es macht mir den Islam auch nicht sympathischer.“

    Dafür hätte ich eine Lösung: der Iman der nächsten Moschee besucht das Opfer im Krankenhaus, entschuldigt sich für seine verwirrten Glaubensbrüder, greift das Thema auf usw- kurz: distanziert sich wahrnehmbar. Das würde den Islam doch gleich wieder sympathisch machen, oder?

    Passierte aber offenbar nicht und da sind wir beim Problem: der fehlenden Distanz der Muslime, die man als „Menschen guten Willens“ bezeichnen kann und sollte, zu den Wirrköpfen.

    „Allerdings sehe ich auch die durchaus bestehenden heftigen Probleme mit einem nicht ganz unbedeutenden Teil moslemisch geprägter Menschen in Berlin – da gibt es viel Abkapselung, viel Unwillen, die Sprache zu lernen, viel Randale. All das gibt es auch unter nicht muslimischen, “Herkunftsdeutschen” – und die verschiedenen Gruppen schaukeln einander vielleicht auf.“

    Wir haben eine Nachbarin. Sie kommt nicht aus Deutschland (ist aber keine Muslima). Mit deren Mutter rede ich ausschließlich Englisch. Sie spricht kein Deutsch, trotzdem sie hier schon wirklich lange lebt. Sie kommt zurecht, sie bezieht keinerlei Sozialleistungen- wen stört es, wenn sie kein Deutsch spricht? Ich stelle es mir seltsam vor, so wenig mit meiner Umwelt kommunizieren zu können, aber am Ende bin ich nicht sie.
    Allerdings sind Einwanderer aus ihrem Heimatland eher nicht für Randale bekannt, sondern für gute Schulabschlüsse.

    Am Ende bestrachte ich selbstgewählte Abkapslung als etwas, was sein darf: ich entscheide ja auch, mit wem ich zu tun haben will und mit wem ich das auf ein Minimum reduziere. Vorraussetzung: man kommt zurecht. Sowohl emotional als auch finanziell.

Kommentare sind geschlossen.