Christus Mansionem Benedicat!

Christus segne das Haus!

Das bedeutet das Kürzel 20*C+M+B*15, das mir heute die jüngste einer kleinen Schar von Königinnen (fünf Mädchen in schönen Königsgewändern) an die Tür schrieb.

Der alte Heischebrauch des Dreikönigsbettelns entwickelte sich zu dem großen katholischen Missionswerk päpstlichen Rechts der Sternsinger: Kinder sammeln für Kinder in Not. Mancherorts gehen sie spontan von Haus zu Haus; in Berlin liegen im Dezember Listen in katholischen Kirchen aus, in die man sich eintragen kann, wenn man Sternsingerbesuch möchte. Sie sind hier so beliebt, daß sie mehrere Tage arbeiten müssen, um alle zu erreichen. Und selbstverständlich wissen diese Kinder sehr genau, worum es dabei geht, und auch, daß Epiphanias eigentlich gar nichts mit den Weisen oder Königen aus dem Morgenland zu tun hat.

Es gibt erwachsene Hilfskräfte, die den bei Spendeneinnahmen nötigen Papierkram machen, Ausbilden und Begleiten. Aber Kinder und Jugendliche sind die Hauptpersonen. Sie sind Missionare und Wohltäter, und sie sind es durch ihre freiwillige und begeisterte Arbeit. Sie haben schön gesungen, haben Segen, Licht und Freude zu mir gebracht. Zwei Erwachsene gingen mit ihnen, der Mann mit Gitarre, um den Gesang zu unterstützen. Das Mädchen, das mir den Schwerpunkt der diesjährigen Mission erklärte, war so aufgeregt, daß sie sich mehrmals versprach, was alle – sie selbst eingeschlossen – mit freundlichem Lachen quittierten.

Schwerpunkt ist heuer die Ernährung philippinischer Kinder. Denn auf den Philippinen ist Reis das Armeleuteessen – und zwar allzuoft das einzige Nahrungsmittel, billig und sättigend. Das bedeutet einen Mangel an Vitaminen, Eiweiß und Fetten – bei Kindern und Heranwachsenden besonders schlimm. Hier schafft das Missionswerk Abhilfe durch Aufklärung und finanzielle Hilfe.

Die volkstümliche Auflösung des Kürzels ist Caspar, Melchior, Balthasar. Zwischen dem 3. und 6. Jh. entwickelte sich die Legende, die bei Matthäus genannten magoi (gr. für Magier, meist mit Weise oder Sterndeuter übertragen) seien drei Könige gewesen. Die Anzahl schloß man aus der Anzahl der Gaben – Myrrhe, Weihrauch und Gold. Namen gab man den Drei erst im 6. Jh. Heiliggesprochen wurden sie übrigens nie.

Es geht also um den Herrn, der wirklich in die Welt gekommen ist – und darum, daß jeder, der es weitersagt und mit Nächstenliebe untermauert, wie ein weiser König handelt.

Sie kommen mit dem Stern, bringen Segen und Freude. Sie singen schön. Sie geben Segen und Freude weiter durch ihre Gebete und durch die gesammelten Spenden, die armen Kindern zugutekommen. Mir waren sie von Herzen willkommen – und bekamen nicht nur Geld zum Weitergeben, sondern auch wohlverdiente Schokoladenkekse zum Selberessen mit dem Kommentar: Da wir gerade über ausgewogene Ernährung sprechen – fast alles drin, was man braucht: Kohlehydrate, Eiweiß, Fett.

Seid mir jedes Jahr willkommen, Ihr Sternsinger!

Haussegen

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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