Für die Ermordeten

Auf dem Pariser Platz, vor der Französischen Botschaft, versammelten sich heute tausende Menschen in Solidarität mit den ermordeten Mitarbeitern von Charlie Hebdo (und hoffentlich denken auch noch einige außer mir an die anderen Ermordeten in diesem Zusammenhang).

Mahnwache 11.1.2015

Je suis Charlie – ich bin Charlie lautete das Motto, das ich nicht trage. Denn ich identifiziere mich nicht mit Charlie Hebdo und habe keine Sympathie für das Blatt, ich bin nur ganz einfach gegen Mord.

Mahnwache 11.1.2015
Mahnwache 11.1.2015

Auf einigen Plakaten waren schlechte Mohammedkarikaturen zu sehen. Ein Plakat zeigt Davidstern, Kreuz und Halbmond neben einem Zeichenstift; unter jedem Symbol ist ein Kästchen, nur das mit dem Zeichenstift ist rot abgehakt. Das könnte heißen: Den Religionen tut keiner was, nur die religionsfernen Zeichner werden ermordet. Oder: Zeichnen ist gut, Religion nicht. Oder: Religiöse können nicht zeichnen. Oder: Zeichner dürfen nicht glauben. Was immer es heißt, es ist Unfug – aber man darf auch Unfug kundtun.

Mahnwache 11.1.2015

Es war sehr friedlich und ruhig. Viele trugen sichtbar Zeichenstifte, normale oder überdimensionale.

Mahnwache 11.1.2015
Mahnwache 11.1.2015
Mahnwache 11.1.2015

Das naßkalte und windige Wetter habe ich nicht länger als eine Stunde ausgehalten. Zum Teil lag das auch daran, daß ich mich mit Menschenmengen schwertue, und zum Teil daran, daß diese Menschenmenge stark geprägt war von Leuten, die ich (vielleicht ungerechterweise) als penetrante Alt-Achtundsechziger einstufe. Aber ich bin froh, daß ich dort war und wenigstens kurz durch meine Anwesenheit kundtun konnte, daß Mord nicht hingenommen wird.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Für die Ermordeten

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