Vorschlag zur Political Correctness

Zigeunerschnitzel, Negerkuß, Mohr im Hemd und Mohrenkopf dürfen nicht auf den Tisch, jedenfalls nicht unter dieser Bezeichnung. Das ist klar, und um Mißverständnisse bezüglich des verwendeten Materials zu vermeiden, bin ich auch für eine Umbenennung des Jägerschnitzels.
Daß man auf der Bühne bald nur noch den Venezianer mit dunklem Teint oder den Sintibaron sehen wird, geht noch lange nicht weit genug.

Nun gibt es da ein süditalienisches Gericht, Spaghetti mit scharfer Tomatensauce, Kapern und Oliven. Bezeichnet werden sie als Spaghetti alla puttanesca – nach Hurenart. Eine Erklärung für den Namen dieses Gerichtes ist, daß es billig und schnell herzustellen ist – was eine Hafenhure (ich meine, eine Prostituierte mit einem im Seefahrermilieu angesiedelten Kundenstamm) mit niedrigem Einkommen und hohem Arbeitseinsatz zwischen zwei Kundenbesuchen zubereiten kann.

Prostituierte werden dadurch diskriminiert! Sie werden als billig hingestellt, durch den vulgären Ausdruck puttana beleidigt, und zugleich werden die scharfen (!) Spaghetti gleichsam stellvertretend für die Prostituierten konsumiert.

Ich appelliere an alle dauerbetroffenen Sprachregler, diese chauvinistische Bezeichnung zu ersetzen durch Spaghetti mit scharfer Tomatensauce, Kapern und Oliven. So viel Raum muß auf der Speisekarte noch sein.

Advertisements

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Vorschlag zur Political Correctness

  1. Peccator quidam schreibt:

    Die puttanesca sollte eigentlich Bestandsschutz haben, gehört sie doch zum ersten, das uns von der italiänischen Sprache überliefert ist.

    Diesen ältesten Beleg findet man in der Unterkirche von S. Clemente in Rom auf einem Fresko; darin ruft ein unbarmherziger Vater, den Klemens in eine Säule verwandelt hat und der nun, unhandlich und schwer, dennoch nach Hause möchte, seinen Knechten aus steinernem Munde zu: „Trahite, fili de le pute!“ Das war dem Künstler wohl zu profan für die Wiedergabe in der Sakralsprache. Der puta aber hat er damit romanischen Uradel verliehen.

  2. stefanolix schreibt:

    Ich frag mich ja, in was für Kreisen und Restaurants Du verkehrst 😉
    Ich kannte dieses Rezept bisher nur als als Spaghetti oder Penne »all’arrabbiata«.

  3. Also ich hab das immer so verstanden, daß in der großen Zeit unserer Kirche sich gerade eine etablierte Magdalene (vulgo „Edelhure“) dieses durch Pfeffer und andere Zutaten exquisite und kostspielige Gericht leisten konnte. Also mehr eine spießerfeindliche Bennennung.
    Arrabiata dagegen ist ein Volksgericht – eben gerade ohne Kapern und echten Pfeffer.

  4. Admiral schreibt:

    Jägerschnitzel ist sowieso problematisch. Abhängig davon, in welcher Gegend man in Deutschland unterwegs ist, handelt es sich im vollkommen unterschiedliche Mahlzeiten. Hab ich diese Woche in Sachsen gelernt.

Kommentare sind geschlossen.