Dichten, um die Zeitung zu verdauen

– und weil ich leider die Situation nicht ändern kann, aber nicht schweigen mag.

Report aus Syrien

Frau aus London, getauft, beschult und studiert,
Psychologie, Soziologie, von Haus aus
nicht reich, doch an den meisten Standards gemessen
nicht arm. Verhüllt von Hijab und Handschuhn,
Augen sieht man und hört die Stimme. Der Tonfall
immer noch London. In Syrien jetzt beim Gatten.
Vor Heirat haben sie sich nicht gekannt.
Hübsch ist er, jung, ein fröhliches offnes Gesicht,
blitzweiße Zähne beim Lächeln, und schöne Augen,
spricht in die Kamera ohne Scheu und vergnügt,
und man hört auch an seiner Sprache die Bildung.
Zärtlich hält er im Arm die kleine Tochter,
und die Frau wieder schwanger, vielleicht wirds ein Junge –
und vielleicht wirds der junge Vater erleben,
inshallah, doch er rechnet mit seinem Sterben.
Als Mujahedin geht er täglich zum Morden.

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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15 Antworten zu Dichten, um die Zeitung zu verdauen

  1. estersimplicia schreibt:

    Endlich mal eine die versucht dieses verstörende Phänomen in Wort zu fassen.
    Dieses Phänomen, dass auch eine Claudia Roth, die einer Partei angehört, die in Ampelmännchen was böses sieht und in der Verwendung von Verkehrsschilderfrauchen mit Rock und Zopf auch, dazu bringt, stolz mit Kopftuch zu poussieren, und dergleichen merkwürdiger Gesten mehr, die wir alle erleben, und die ich nur so in Worte fassen kann:
    „Ich beobachte eine zunehmende Verschleierung der Frauen und der Mädchen, bei den Muslimen, habe aber den Eindruck, die sind stolz wie die Königinnen deshalb.“
    NIx von wegen sich unterdrückt fühlen, wenn sie in Ruh und Frieden ihre Kinder kriegen können und ihre Zeit mit dem Putzen der Fenster verbringen dürfen.

    Will heißen die machen das echt freiwillig und stolz und zeigen damit die Verachtung über unseren dekadenten Lebensstil, den zu ändern sie nicht für ihre Aufgabe halten, wie das bei Christens halt so ist, dass die immer meinen was ändern oder gar helfen zu müssen.

    Auch nur ins unreine formuliert von mir, gibt auch Zwischenstufen, aber es ist und bleibt verstörend.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      „Unser“ dekadenter Lebensstil ist der Lebensstil, den die betreffende junge Dame genutzt hat, um zu studieren. Und um ab und zu zum Arzt zu gehen. Und um fließendes Wasser und Elektrizität zu haben. Alles sehr dekadent, fürwahr.
      Das Gedicht geht auf ein Fernsehinterview zurück. Ich fand es auch wirklich erschreckend, daß der Mann so wirkt wie ein völlig normaler, fröhlicher junger Vater, der sein Töchterchen knuddelt – und der, sofern er lange genug lebt, seine Tochter zwingen wird, sich zu verstecken und irgendeinen Typen zu heiraten, den sie nicht kennt.

      • estersimplicia schreibt:

        Ja nur, diese Frauen, wo wir denken „Oh nein, die Armen“ das sind genau die, die eben stolz udn aufrecht, wie die Königinnen es nicht drauf haben, daher kommen.
        Sie nutzten alles aus, aber verachten uns dabei von Herzen.
        Sorry, mir fälllt das schon länger auf.
        Christliche Kinder haben so ihre Schwierigkeiten im Durchgang durch Schule , KIndergarten und Verein den Glauben udn die zugehörigen sittliechen Forderungen zu bewahren und auch zu bejahen. Die Klagen der Eltern können jede christliche Versammlung stundenlang mit Redebeiträgen am Laufen halten…

        Muslimische Kinder gehen durch genau den gleichen Prozess, meist noch exzessiver, aber sie kommen da raus, wie die junge Dame und der zugehörige junge Mann, an denen perlt das alles ab, wie Wasser an einer Ölhaut.

        Ich versteh das nicht!

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Wenn man von früh an lernt, nichts in Frage zu stellen, wird man nichts in Frage stellen. Und dann wirkt man unter Umständen glücklich – es sei denn, natürlich, man wird zur Ehe gezwungen und vergewaltigt. Aber die strahlenden Mienen kleiner Mädchen, die gerade von einem alten Knacker entjungfert wurden, werden halt nicht auf Youtube geposted.
        Und auch nicht die vielen Frauen, die doch nicht ganz so königlich stolz sind. Es sei denn, sie fliehen. Dann kann man sie schon sehen.

      • estersimplicia schreibt:

        dann komm mal zu uns, und guck sie dir an, die verschleierten muslimischen Frauen,
        mag sein, dass es bei denen die noch in muslimischen Länder zu Hause sind anders ist, aber sobald sie hier sind, werden sie stolz auf ihre Religion, sehr stolz!

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Ich glaube nicht, daß Frauenhäuser, Intensivstationen und Beratungsstellen das genau so sehen. Ich glaube auch nicht, daß alle verschleierten Frauen „hier“ (wozu Du offensichtlich mindestens Deutschland und England gleichermaßen zählst) ganz genau gleich ticken. Zumindest in Frauenhäusern glaubt man das auch nicht.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Und noch etwas, estersimplicia. Man kann meinem Gedicht einiges entnehmen. 1. Die Frau ist Britin aus einem christlichen Elternhaus. 2. Der Mann ist muslimischer Syrer. 3. England ist aus meiner Sicht nicht „bei uns“. Und dann: Wie viele vollverschleierte Frauen kennst Du persönlich so genau, daß Du sagen kannst, was sie fühlen und wie sie sind?

    • estersimplicia schreibt:

      Ich wohne unter Ihnen, ich kenne viele schon aus dem Sandkasten, ich beobachte die zunehmende Islamisierung, ich rede mit den zum Islam konvertierten Deutschen
      Ich kenn sogar eine die ins Frauenhaus geflüchtet ist, aber dennoch immer noch stolz ihr Kopftuch mitsamt Mantel trägt.
      Ich bin ja selber ganz von den Socken über all die selbstbewussten, stolzen Frauen mitsamt Kopftuch und Schleier, die sich auch ganz freiwillig in den Nidjab hüllen, wenn es sein muss.
      Nur so originell ist das Phänomen nun auch wieder nicht, zur Lektüre „Im Iran“ von Kate Milet.
      Solange wir die Faszination des Islams auf die NIchtüberfliegerinnen verstehen, werden wir das Problem, und es ist eins, nicht lösen können.
      Solange alles was wir den Frauen zu bieten haben, freier Sex mit anschließender Krippe für das entstehende Kleine, bzw Abtreibung, ist, werden wir weiter verlieren.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Wer ist „Wir“? Nimmst Du Dich aus, wenn Du „wir“ sagst? Schließt Du mich ein?
        Mir fällt seit langem immer wieder auf, daß „wir“ in aller Regel heißt „die anderen einer Gruppe, zu der ich mich zähle“. Oder heißt etwa „Wir bieten denen nur freien Sex und Abtreibungsmöglichkeiten“, daß DU freien Sex und Abtreibungsmöglichkeiten bietest? Oder daß Du mir unterstellst, das zu tun?
        Ich weiß auch nicht, was Du mit „komm mal zu uns“ meinst. Ich lebe in meiner Heimatstadt Berlin. Diese Stadt ist mir nun, nach über fünfzig Jahren, ziemlich gut bekannt. Es gibt hier sehr verschiedene Menschen. Viele davon sind Muslime. Und viele dieser Muslime sind unverschleierte, selbstbewußte, friedliche und tüchtige Frauen, Bäckerinnen, Frisörinnen, Krankenschwestern, Altenpflegerinnen etc.
        Andere sind es nicht.
        „Die“ sind nicht alle gleich. Und „wir“ sind nicht alle gleich.
        Im übrigen werde ich nicht mehr erwähnen, daß die Frau, um die es im Gedicht geht, Tochter christlicher Eltern ist, Britin von Hause aus. Das glaubt ja eh keiner. Denn dann wären das ja nicht mehr „Wir“ gegen „Die“.

      • estersimplicia schreibt:

        wer nicht verstehen will, der versteht auch nicht.
        Solange keiner versteht, was die Leute dem radikalen Islam in die Finger treibt und es nicht sehen will, solange kann man da nix dran machen.
        Nur bezahlen unsere Glaubensgeschwister (und mir sind meine Geschwister näher als andere) einen ungemein hohen Preis dafür.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Dann erzähl doch mal, was Du tust, um Leute vom radikalen Islam abzuhalten und der Kirche zuzuführen. Sicher bist Du extrem aktiv darin.
      Ich schreibe bloß und tu, was ich kann, um der Kirche auf meine Art zu helfen. Das ist wenig.
      Und ja… ich weiß wirklich nicht, wieso die von mir im Gedicht beschriebene Frau so geworden ist. Ich kenne weder ihre Eltern noch sie selbst, nur das Video, das mich zu diesem Gedicht gebracht hat. Ich finde (was eventuell auch aus meinem Gedicht hervorgehen könnte) schrecklich, was sie mit sich tut und mit anderen.
      Nur: Ich warte wirklich auf eine gute, für mich jetzt gleich praktikable Idee, den mörderischen Radikalislam effektiv zu bekämpfen. Wenn Du sie hast, immer her damit.

      • estersimplicia schreibt:

        Das ist seit dem Auftreten des Islam immer dasselbe. „Christus nachfolgen!“ und seit ca 400 Jahren Angelus und Rosenkranz.
        Manchmal wird es halt so richtig ernst mit der Christusnachfolge, was uns in unseren Breiten bislang noch ziemlich oft erspart bleibt.
        Und du wirst lachen, ich rede mit den Moslems, aber bin nicht naiv dabei, versuche ihnen zu erklären, wie wir ticken, versuche aber auch zu verstehen wie die ticken.
        Und da gibt es schon Unterschiede, gebildete, studierte Leute, versus welche, wo du denkst „Mein Gott das ist ja Aberglaube pur!“
        Es ist manchmal komisch, so standen die nach dem 9/11 einige muslimische Nachbarinnen vor der Tür mit irgendwelchem Gebäck, so nach dem Motto „Fühl dich nur nicht gemeint“ und seit Carlie Hebdo werden mir wieder Türen aufgehalten und mit mir in der Schlange an der Supermarktkasse geredet…auch nach dem Motto „Fühl dich nicht gemeint“……….
        Ich weiß dass es nicht einfach ist, überhaupt nicht, weil auch Islam nicht Islam ist, so halten die moslemischen Pakistaninnen die türkischen für frivol, weil die keinen Gesichtsschleier haben, während die türkischen Musliminnen die pakistanischen für frivol halten, weil die ohne Strümpfe laufen, was in ihren Augen gleichbedeutend ist wie „mit nackigem Hintern“ (O-Ton) herumlaufen……….

        Ich versuch den Menschen zu sehen, aber auch den Menschen mit seiner Not, der sich halt in der „Diktatur des Relativismus“ (Papst Benedikt) in der wir zu leben gezwungen sind, an die einfachen Dinge klammert, und das ist, was den Islam angeht, halt brandgefährlich, und auch verlockend. „Lass die Sau raus, behaupte es sei für Allah und du kommst in die ultimative Partymeile,. wo kein Kater droht!“

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Nun ja: Da sind wir uns einig. Nur – ob ich Christus auch nachfolgen werde, wenn das bedeutet, versklavt oder gefoltert oder ermordet zu werden, kann ich nicht wissen. Und ob meine Gebete einem einzigen Christen in Nigeria oder Syrien oder Irak oder wo auch immer helfen, kann ich, strenggenommen, auch nicht wissen, sondern nur hoffen.
        Hier vor Ort etwas durch irgendeine Tat sichtbar ändern kann ich nicht. Ich kann nur schreiben und reden.

      • estersimplicia schreibt:

        Ich bin mir relativ sicher, dass ich Christus verraten würde, um nicht versklavt, gefoltert oder verkauft zu werden.
        Daher habe ich Hochachtung und Bewunderung für unsere orientalischen Brüder und Schwestern!
        Aber beten hilft immer!
        Und ja wir sind uns einig! Ergo wie sagt man so schön:
        Im Gebet verbunden!

  2. Bettina schreibt:

    Hat dies auf laut und leise literatur lesen rebloggt und kommentierte:
    Claudia hat in ihrem Report aus Syrien in den Versen mit gut 130 Worten mehr gesagt, als so mancher Leitartikel unserer Zeitungen

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