Rosenmontagsunsinn

Die ganze Karnevalsbegeisterung ist mir ziemlich fremd. Aber Josef Bordat machte auf ein Gedicht von Theodor Storm zu diesem Thema aufmerksam.

O wär im Februar doch auch,
Wie’s ander Orten ist der Brauch
Bei uns die Narrheit zünftig!
Denn wer, so lang das Jahr sich mißt,
Nicht einmal herzlich närrisch ist,
Wie wäre der zu andrer Frist
Wohl jemals ganz vernünftig.

Bei allem Respekt vor dem großen Husumer kann ich das so unwidersprochen nicht stehenlassen.

Schon gut, Herr Storm! Doch durch Berlin
sieht man das ganze Jahr lang ziehn
die buntgemalten Narren!
Man fällt hier auf, will man grad nicht
auf bunten Glitzer im Gesicht
und auf Klamauk beharren.

© Claudia Sperlich

Advertisements

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Rosenmontagsunsinn

  1. Charlotte schreibt:

    Ich bin auch kein Fan von Karneval, war aber heute schockiert, dass die Angst vor islamistischem Terror nun vor unserer Haustür angekommen ist: Der Braunschweiger Karnevalsumzug wurde wegen Terrorgefahr abgesagt. Aus „zuverlässigen Staatsschutzquellen“ sei bekannt geworden, dass eine konkrete Gefährdung durch einen Anschlag mit islamistischem Hintergrund vorliege, teilte die Polizei mit. Per Lautsprecherdurchsage wurden die schon versammelten Menschen dazu aufgefordert, nach Hause zu gehen. Ich war nicht da und wäre auch nicht hingegangen, aber es ist gruselig, dass ein für mich harmloses Vergnügen, das für manche Menschen eben wichtig ist, aus Angst oder Vorsicht nicht stattfinden darf. Welche völlig unpolitische Großveranstaltung wird die nächste sein?

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Charlotte, entschuldige bitte, ich habe Deinen Kommentar eben erst gefunden und freigeschaltet.
      Ja, das ist gruselig! Und ich weiß keinen Rat, wie man es besser machen könnte. Denn wenn jetzt so eine Veranstaltung stattfindet, Menschen werden umgebracht und es stellt sich heraus, daß die Drohung bekannt war – wie wäre dann die Reaktion?
      Es gibt da meiner Ansicht nach nur schlechte Wege. Ein echtes Dilemma.

  2. Peccator quidam schreibt:

    Und tritt man hier im Anzug auf,
    so wird man gleich beneidet:
    „Mensch, Alter, wie bist du denn drauf?
    Du hast dich ja verkleidet!“

    Grüße aus der Künstlerkolonie!

Kommentare sind geschlossen.