Balkonische Notwendigkeit

… waren jetzt mal Blumen aus dem Blumenladen.
Zwar entwickelt sich alles Selbstgezogene prächtig, es wird auch wieder Salatrauke geben!

Keimblätter der Salatrauke

Aber ich kann nicht alles selber züchten, es ist Frühling, und ich will jetzt sofort viele Blumen.
Ein Tausendschönchen und eine Menge Hornveilchen habe ich auf den Balkon gesetzt.

Tausendschönchen
HornveilchenHornveilchen
HornveilchenHornveilchen
HornveilchenHornveilchen
HornveilchenHornveilchen

Das Veilchen (zwar nicht das Hornveilchen, sondern das Hainveilchen) hat René Rapin in seinem Lehrgedicht Hortorum Libri IV so beschrieben:

Auch wird das Veilchen selbst seinen Duft nicht lange verhehlen,
Wenn es sich hüllt in ein Gewand von bräunlichem Purpur,
Und sich hebt mit den Blättern inmitten bescheidenen Rasens,
Selbst bescheiden und einfach, mit einfachem Purpur bestrichen.
Und wenn die Sänger wahrhaftig sind und Eitles nicht sagten,
Gabs eine Nymphe, Gefährtin Dianas, nun eine Blume,
Janthis – von den Gefährtinnen war sie bei weitem die schönste.
Diese nun, heißt es, habe zu Pherai einst Kühe geweidet,
Phœbus sah und liebte die Schweifende, und der Verliebte
Barg seine Wunde nicht; da lief die verschreckte Jungfrau
Fort in die Wälder, und mahnte Diana, und jene sagte:
Meide, Schwester, die Berge, denn Phœbus auch liebt die höchsten
Berge, und er freut sich über offenen Himmel.
Durch die Täler ging nun die Jungfrau, schattige Quellen
Suchte sie auf, es barg sie in Einsamkeit eine Umzäunung:
Liebe zur Sittsamkeit und ihr bescheidnes und reizendes Antlitz
Mehrten der Schönheit Wert, verdienten gesehen zu werden,
Wenn auch heimlich. Schon rüstete Phœbus zum Diebstahl und Truge,
Da sprach die Göttin: Wenn sittsam zu sein nicht erlaubt ist der Schönen,
Ach, dann soll eher die Schönheit vergehn, als daß Sittsamkeit fehle!
Und sie bestrich ihr das Antlitz mit dunkel purpurner Farbe.
Nun war, die schön gewesen, um nicht zu mißfallen Diana,
Ungestalt, doch die Göttin gab dem Mädchen, das seine
Jungfernschaft so geliebt, als Blume zu blühen; eigen
Ist ihm die Würde, und seinen vorzüglichen Duft bewahrt es.
Diese Blume, die meist aus eigener Kraft in den tiefsten
Tälern wächst, ist der ländlichen Erde kostbare Gabe,
Und nicht schadet dem Veilchen Bescheidenheit, nicht, daß es aufwächst
Zwischen Dornen; denn Würde und Wohlgeruch hat seine Blüte.

© der Übersetzung: Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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