Getroffen von Gott

Allen Lesern wünsche ich ein gesegnetes Osterfest!

Für mich ist es immer wieder auch Taufjubiläum. Meiner Taufe ging mein Damaskus in den Alpen voran; meine Bekehrung hat mit dem 121. Psalm zu tun.

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt von dem HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat! Er wird deinen Fuß nicht wanken lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht. Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, daß dich am Tage die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts. Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele; der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!
Ps. 121

Aus der überzeugten Gottesleugnerin war eine überzeugte Katholikin geworden. Aber die Kirche macht einen Menschen nicht automatisch gut. Ich blieb ein eitler, rechthaberischer und zum Zorn geneigter Mensch. (Und ich behaupte nicht, dies alles nun nicht mehr zu sein.) Das war mir nur halb bewußt, und ich redete mich damit heraus, daß andere nicht besser seien (und meinte in Wirklichkeit, ich selbst sei nicht ganz so schlimm wie die anderen). Zudem hatte ich eine ständige Scheu davor, mich wirklich offen als Christin zu bekennen – denn da war immer ein unterschwelliges Gefühl der Peinlichkeit, wenn mir meine Eltern und Brüder in den Sinn kamen, alle in weltlicher Hinsicht erfolgreicher und ordentlicher als ich, und alle Atheisten. Erst nach dem Tod meiner Eltern änderte sich das; mit einer seltsamen Mischung aus Erleichterung und schlechtem Gewissen stellte ich fest, daß ich mich nicht mehr schämte, über meinen Glauben zu sprechen.

Die Lehre der katholischen Kirche, das Gebet und vor allem die Eucharistie wurden mir immer wichtiger. Ich singe in der Choralschola und diene als Lektorin. Gelegentlich halte ich Vorträge über besondere Gestalten des Christentums. Aber das alles änderte meine grundlegenden Fehler nicht.

Am Freitag, dem 4. Oktober 2013 – dem Gedenktag des Franziskus von Assisi – stand ich betend vor dem Kreuz in meinem Wohnzimmer. Ich hatte plötzlich das bestimmte Gefühl, knien zu sollen. Ich kniete nieder und nahm plötzlich, in scharfer Deutlichkeit, zwei Worte in meinem Inneren wahr: Reue und Buße. Diese Worte – und keine anderen – wiederholten sich. Ich kniete weiter und berührte fast mit der Stirn den Boden. Ich fragte: „Wer bist du?“ Ich bekam keine Antwort, nur immer wieder diese Worte – Reue, Buße. „Bist du es, Jesus?“ fragte ich. Zugleich wuchs in mir das Vertrauen, daß diese Worte sinnvoll waren, daß sie nötig waren.

Ich weiß nicht, wie lange ich so kniete. Ich stand dann auf und ging zum Pfarrbüro. Ich fragte den Pfarrer, ob er Zeit habe – sonst könne ich später kommen. Er forderte mich auf, mich zu setzen. Ich fragte ihn: „Wenn Gott zu einem spricht – woher weiß man dann, ob es Gott ist – und kein anderer?“ Ich berichtete – und als das Wort Vertrauen fiel, sagte er: „Ich bin froh, daß Sie das gesagt haben. Der Teufel flößt niemals Vertrauen ein.“ „Und warum tut Gott das mit mir? Ich bin doch gar kein besonderer Mensch.“ „Es ist eine Gnade.“

Am folgenden Abend ging ich zur Beichte.

Mir geschah ein weiteres Wunder. Bei der Wandlung spürte ich, wie mein Herz sich ausdehnte – wie in mir die Liebe Gottes spürbar und raumgreifend wurde. Dies körperliche Gefühl habe ich seither oft bei der Wandlung, bei der Eucharistischen Anbetung oder wenn ich vor dem Tabernakel knie. Es ist immer wieder überwältigend, und auch wenn ein Teil in mir die atheistisch geprägte Zweiflerin bleibt, die sagt „Claudia, du spinnst“ – so weiß ich doch, daß der Herr anwesend ist und daß ich mich auf etwas, was mir ausschließlich in Gegenwart Seines Leibes geschieht und mich zu einem gläubigeren Menschen macht, verlassen kann, ganz einfach weil es wahr ist.

Ich habe den Sinn des Wortes Gottesfurcht sehr klar begriffen – und dann gelernt, auf eine tiefere und reifere Art Seine Liebe und Sein Erbarmen wahrzunehmen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Getroffen von Gott

  1. piri schreibt:

    Weißt du was Claudia? So fest im Glauben bin ich nicht. Aber seit dem Tod von MamS ist mein Glaube stärker denn je. Wenn es auch ein urprostestantischer ist!

    Jesus Christus ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!

  2. Eugenie Roth schreibt:

    „Claudia, du spinnst!“ – Du kannst den Namen auch ersetzen und meinen an seine Stelle.
    Ich überlege mir – obwohl ich den Glauben gewissermaßen mit der Muttermilch eingesogen habe auch manchmal, was das für ein Stücken Brot ist.
    Wer nicht zweifelt, BRAUCHT keinen Glauben, denn er weiß.

    Soweit sind wir noch nicht …

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Zweifeln heißt ja auch: Immer noch für möglich halten. (Sonst wäre es Ablehnen.)
      Wissen – wirklich wissen – werden wir, wenn wir in den Himmel kommen. Bis dahin: Hoffentlich immer mehr vertrauen – trotz aller Zweifel.

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