Gedenkverbot

… gibt es zum Glück noch nicht, aber es gibt schon seltsame Diskussionen um das würdige Gedenken an die in Konzentrationslagern ermordeten Juden.

Ich bin, wie ich gerade lernte, intolerant, fordere aber Toleranz von anderen; die Begründung für diesen Vorwurf ist, daß ich es falsch finde, Israel Meir Lau, dem einstigen Oberrabbiner von Israel, untersagen zu wollen, beim March of the Living gemeinsam mit evangelikalen Christen der Opfer der Shoa zu gedenken.

Also noch mal langsam in Leichter Sprache:

Der frühere Oberrabbiner von Israel nimmt an einer Gedenkveranstaltung für ermordete Juden in Polen teil.
Evangelikale Christen nehmen auch an dieser Gedenkveranstaltung teil.
Der frühere Oberrabbiner von Israel hat damit kein Problem.
Menschen, die nicht an dieser Gedenkveranstaltung teilgenommen haben, haben damit ein Problem.
Das Problem ist: sie mögen die Evangelikalen nicht und sind deshalb gegen die Gedenkveranstaltung.
Auf der Veranstaltung sprachen zahlreiche Überlebende der Shoa.

Ich finde diese Veranstaltung (an der ich aus Gründen der Entfernung auch nicht teilgenommen habe) gut. Und zwar obwohl ich nicht evangelikal bin, sondern (wohl noch viel schlimmer!) katholisch.

Ein Grund der Ablehnung dieser Veranstaltung war, daß die evangelikalen Christen strikt gegen Abtreibung sind (also „rechtsradikal“). Mein Einwand, gegen den Mord an kleinen Kindern zu sein schließe nicht aus, auch gegen Genozid zu sein, wurde damit quittiert, daß es hier gar nicht um Abtreibung ginge.

Auf meine Frage, ob man denn meine, die armen Juden brauchen Hilfestellung, mit wem sie eine gemeinsame Gedenkveranstaltung machen dürfen, wurde mit einem bündigen „Ja“ geantwortet.

Randbemerkung: Vor Jahren lernte ich eine alte Dame kennen, die als junge Frau während der Nazizeit in einer Klinik tätig war. Sie hatte dort in einem Labor im Keller zu Forschungszwecken konservierte Föten gesehen, was der frommen Katholikin ein bleibend abscheulicher Eindruck war.

Ja, so ist das mit der Logik, mit den Juden und mit der Solidarität. Und mit der Abtreibung. Wahrscheinlich auch mit den Hexen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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16 Antworten zu Gedenkverbot

  1. jobo72 schreibt:

    Ja, das sind diese Kontextualisierungen, die ich auch nicht nachvollziehen kann: Wer sich für ungeborene Menschen einsetzt, weil er ihnen ein Lebensrecht zubilligt, hat etwas gegen geborene Menschen. Oder ist gleich ein Nazi. Wer sich aus Gründen des Klimaschutzes für ebenfalls noch nicht geborene Menschen einsetzt, ist ein leuchtendes Vorbild, obwohl er – vermutlich, ohne es zu merken – damit ein Lebensschützer ist. Das habe ich noch nie verstanden: https://jobo72.wordpress.com/2015/04/17/klimaschutz-und-lebensschutz/

    LG, Josef

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Und in diesem Fall kam noch hinzu, daß den überlebenden Opfern der Shoa nicht zugetraut wird, zu wissen, was gut für sie ist. Man muß ihnen sagen, von wem sie Solidarität annehmen dürfen, weil die armen Juden das nach Meinung jener Aufgeklärten nicht selbst wissen.
      Das wiederum finde ich paternalistisch.

    • Richard schreibt:

      Ich denke die Frage, die Sie im verlinkten Artikel stellen, lässt sich beantworten. Der Klimaschützer will, dass wir ALLE unseren Lebensstil einschränken und Opfer bringen um Lebensgrundlagen zu bewahren, der Lebensschützer will dass ANDERE ihren Lebensstil einschränken und Opfer bringen um Leben zu bewahren.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Mit welcher Grundlage sagen Sie das? Vielleicht kennen Sie keine Familie mit Kindern, der Lebensschutz ein Anliegen ist. Vielleicht kennen Sie auch niemanden, der Kindern und Eltern und alten Leuten in Schwierigkeiten hilft. Das tut mir leid; es gibt solche Menschen aber.

      • jobo72 schreibt:

        Lassen wir mal alle Unterstellungen beiseite und gehen wir mal davon aus, dass es beide ernst meinen: der Umwelt- bzw. Klimaschützer und der Lebensschützer. Dann sollten sie zumindest miteinander reden können (derzeit ist das nur eingeschränkt möglich). Das wird natürlich nix, wenn Menschen, die gegen Abtreibung sind, bei denen, die gegen Atomkraft sind, schnell mal als Nazis durchgehen, und Menschen, die gegen Massentierhaltung protestieren, von denen, die gegen Sterbehilfe argumentieren, als linke Öko-Spinner abgetan werden. Ich will dabei helfen, zu der Einsicht zu gelangen, dass das nicht sein muss, weil man im Grunde ähnlich denkt, als Umwelt- bzw. Klimaschützer und als Lebensschützer, ja, das man das eine nicht ohne das andere sein kann, wenn man es denn ernst meint. Und davon wollen wir ja ausgehen.

        Also: Beide erheben normative (d.h. moralische bzw. rechtliche, in ihrer Wirkung jedenfalls allgemeine) Forderungen, denen sie sich selbst unterwerfen (dass es überall und immer auch Heuchler gibt, geschenkt!). Jetzt kann man natürlich einwenden, dass Männer nicht schwanger werden können. Männer tragen aber (ich hab’s recherchiert) zu einer Schwangerschaft bei. Sie trifft also die Forderung nach verantwortlich gelebter Sexualität genauso. Es geht beim Lebensschutz übrigens um weit mehr als um die Frage des moralischen und rechtlichen Status der Abtreibung. Lebensschutz ist für mich ein komplexer ethischer Ansatz, der das Leben des Menschen als höchsten Ausdruck seiner Würde ins Zentrum stellt, wenn es um die Frage geht, wie man handeln soll. (vgl. https://jobo72.wordpress.com/2010/09/17/lebensschutz-worum-es-dabei-nicht-geht/). Für mich lassen sich der Lebensschutz und der Umwelt- bzw. Klimaschutz nicht gegeneinander ausspielen – sie gehören vielmehr zusammen.

        Man kann insbesondere als ernsthafter Klimaschützer nicht ernsthaft gegen den „Marsch für das Leben“ mobilisieren. Wer zehn Generationen entfernte Menschenleben schützen will (mit der Bereitschaft, hier und heute Freiheiten einzuschränken), der kann doch (schon aus Konsistenzgründen!) nicht bei der allernächsten Generation (ja, bei Menschen, die schon existieren!) einfach die Augen verschließen und sich jede Einschränkung von Freiheit verbitten. Das wäre inkonsistent. Umwelt- und Klimaschützer sind Lebensschützer. Auch der Umwelt- bzw. Klimaschützer schützt Umwelt und Klima – wenn er ehrlich ist – nicht um ihrer selbst willen, sondern zur Sicherung dessen, was Hans Jonas mal „Permanenz menschlichen Lebens“ nannte. Es geht also – wenn wir ehrlich sind – immer um den Menschen und sein Leben.

        Wir sind aber nicht ehrlich und tun so, als gehe es um die Natur an sich. Der Versuch, ein „Eigenrecht“ der Natur zu proklamieren, scheitert daran, dass wir dieses stellvertretend einklagen bzw. schon Rechtsverletzungen von Dritten aufgedeckt werden müssen (ein Eichhörnchen erstattet selbstständig keine Strafanzeige und klagt auch nicht auf Durchführung von Schönheitsreparaturen), genauso, wie der „Eigenwert“ der Natur durch Zuschreibung seitens des Menschen geschieht. Man kann den Wert einer Singdrossel hoch oder niedrig ansetzen, es bleibt eine Zuschreibung, die unsere ästhetischen, eudämonistischen, moralischen, religiösen, kulturellen etc. Wertvorstellungen spiegelt. Die Spiegelung kann man explizit machen, wie ich das tue, indem ich mich für einen verantwortungsbewussten Anthropozentrismus auf Basis der Schöpfungsordnung einsetze, das kann man implizit tun, indem man unsere Vorstellungen in die Natur einträgt und dann so tut, als spreche diese nun in Forderungen zu uns (Pathozentrismus, Biozentrismus, es gibt da die unterschiedlichsten Ansätze). Letztlich bestimmen jedoch wir, was wir an Rechten und Werten zubilligen, ohne den Schimpansen oder die Fledermaus gefragt zu haben. Das widerspricht dem Grundgedanken des Rechts als Ergebnis deliberativer Aushandlungsprozesse, so genannter Diskurse. Also: Wenn wir Schimpansen und Fledermäuse schützen (was wir tun sollten), dann tun wir das mit unserem Verständnis davon, was es wohl heißt, als Schimpanse oder Fledermaus zu leben und was wohl wäre (für das Öko-System, an dem wir teilhaben, also letztlich wieder: für uns!), wenn es keine Schimpansen und Fledermäuse mehr gäbe. Es geht um uns. Wir Menschen bestimmen, wer „Baum des Jahres“ ist, nicht die Bäume.

        Wenn man das einmal eingesehen hat, kann man eigentlich leicht feststellen, wie eng Lebensschutz und Umwelt- bzw. Klimaschutz beieinander liegen. Benedikt hat das mit dem Begriff des „Ökologie des Menschen“ anzudeuten versucht (vgl. https://jobo72.wordpress.com/2013/04/15/okologie-des-menschen-die-anthropologie-benedikts-zwischen-gewissen-und-natur/). Interessanterweise kann auch Robert Spaemann als „Brückenbauer“ gelten (vgl. https://jobo72.wordpress.com/2011/07/29/spaemann-als-oko/).

        Also: Kommen wir ins Gespräch.

        Josef Bordat

      • Richard schreibt:

        Sehr geehrte Frau Sperlich,
        das ist mir sehr wohl bewusst und ich kenne viele solche Fälle aus eigenem Erleben sehr gut. Das ist aber nicht der Punkt. Herrn Bordat ging es um die Frage warum der Lebensschutz im allgemeinen politischen Diskurs sowie auch in der Sozialwissenschaft politisch ganz weit rechts eingeordnet wird und warum es Affinitäten von rechten Parteien wie z.B. de AfD oder der FPÖ zur Lebensschutz-Bewegung gibt und kaum Affinitäten z.B. von den Grünen.

      • Richard schreibt:

        Sehr geehrter Herr Bordat,
        „Also: Kommen wir ins Gespräch.“
        Diese Einladung nehme ich gerne an.
        „Man kann insbesondere als ernsthafter Klimaschützer nicht ernsthaft gegen den “Marsch für das Leben” mobilisieren.“
        Solange dort Leute öffentlich auftreten dürfen, auf deren Blogs ganz offen die Todesstrafe für Frauen, die sich zu einem Schwangerschaftsabbruch entscheiden, gefordert wird kann man das schon. Finde ich zumindest.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Richard, ich finde keine Aussage von Bryan Kemper über die Todesstrafe, außer einem Facebook-Eintrag, in dem er sich offen erleichtert zeigt, daß Gosnell nicht zum Tode, sondern zur lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde und zum Gebet für ihn aufruft.

      • jobo72 schreibt:

        Gegen die Todesstrafe kann (ich denke: muss) man sich engagieren. Aus Gründen des Lebensschutzes! Ich denke, dass jemand, der für Frauen, die abgetrieben haben, die Todesstrafe fordert, auf einem „Marsch für das Leben“ nichts verloren hat, weil er nicht verstanden hat, dass Lebensschutz den Einsatz gegen die Todesstrafe einschließt.

        Es wäre übrigens sehr hilfreich, wenn Sie, Richard, Ihre Aussage („auf deren Blogs ganz offen die Todesstrafe für Frauen, die sich zu einem Schwangerschaftsabbruch entscheiden, gefordert wird“) mit einem Link belegen könnten. Ich würde dann schon ein sehr ernstes Wort mit den betreffenden Personen – so ich sie kenne und für ansprechbar halte – zu reden haben.

        Aber den Lebensschutz bzw. entsprechende Veranstaltungen per se abzulehnen, weil da auch Personen anwesend sein könnten, die mutmaßlich Unsinn erzählen, hielte ich auch dann noch für überzogen. Dann dürfen Sie nirgendwo mehr hingehen. Nicht ins Fußballstadion, nicht ins Theater. Und auch nicht zu den Grünen.

        LG, Josef Bordat

      • Richard schreibt:

        Sehr geehrter Herr Bordat,

        sehr gerne, Hier ist der Link.
        http://www.standtrue.com/what-would-the-punishment-be-if-abortion-were-illegal/
        Und hier ist die Zeile auf die ich mich beziehe:
        „When the woman in Texas drowned her five children several years ago, what was your thought on her punishment? Did you believe because she had some rough times at home she should be excused from what she did? The fact is, she killed her five children and had to answer to the law. While we might feel sorry for her emotional state, we must also want justice for the five children who were killed.

        In the same way, we must look at the children in the womb as equal in value as the children who were drowned and demand justice for them also.“

        Die Frau in Texas auf die er sich bezieht wurde zum Tod verurteilt und hingerichtet. Er verlangt für Frauen, die abtreiben lassen, die selbe Strafe. Er verstärkt das sogar noch im nächsten Satz:
        „We can certainly feel empathy for what a woman might be going through, however, that cannot change the fact that she has broken the law and ended the life of her child.“

      • Richard schreibt:

        Kurzer Nachtrag:

        ich denke nicht, dass ich Lebensschützer in Deutschland mit evangelikalen Spinnern aus den USA vergleichen lassen und sie sind auch nicht für deren wirre Gedankengänge verantwortlich. Man sollte aber sehr wohl etwas recherchieren BEVOR man jemanden einlädt.

      • jobo72 schreibt:

        Der Autor des Blogbeitrags stellt eine hypothetische Überlegung zum Strafmaß an, die in sich konsistent ist: Wenn es für Babymord die Todesstrafe gibt, kann es für die Abtreibung nichts anderes geben, sofern man dem ungeborenen menschlichen Leben die gleichen Rechte zubilligt wie dem geborenen. So ist offenbar der Gedankengang, wenn ich ihn richtig verstehe.

        Dieser widerspricht dem Prinzip des Lebensschutzes. Aus der Tatsache, dass auch der Mensch vor der Geburt Würde hat und deswegen sein Leben zu schützen ist, folgt nicht, dass jemand, der Würde und Lebensrecht des Ungeborenen missachtet, nun selbst keine Würde und kein Lebensrecht mehr hat und ihm daher das Leben genommen werden darf.

        Es ist m.A.n. widersinnig, für die Missachtung des Lebensrechts von Menschen die Verletzung des Lebensrechts von Menschen zu fordern. Daher bin ich generell gegen die Todesstrafe. Ich bin mir bewusst, dass es da viele Dilemmata gibt (Tyrannenmord, Humanitäre Interventionen etc.), die sich nicht so einfach auflösen lassen. Aber die Todesstrafe muss nicht sein (vgl. https://jobo72.wordpress.com/2014/07/24/kurzes-pladoyer-gegen-die-todesstrafe/)

        Auch wenn ich Abtreibungen mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (Gaudium et Spes, Nr. 51) als „verabscheuenswürdige Verbrechen“ verurteile, sehe ich es damit also noch nicht als gerechtfertigt an, das nächste „verabscheuenswürdige Verbrechen“ begehen zu dürfen. Das in den USA offenbar sehr weit verbreitete Vergeltungsdenken im Strafrecht halte ich für verfehlt (schon, weil es unchristlich, dann aber auch, weil es moralisch falsch und juristisch untauglich ist).

        Ich halte den Ansatz, im Lebensschutz über Strafe bzw. Strafverschärfung zu gehen, für nicht zielführend. Es muss immer um Hilfe für die Frau in einer Konfliktsituation gehen, um eine Abtreibung zu verhindern. Ich will eine Welt, in der dem Menschen Würde und Lebensrecht nicht nur deshalb zugesprochen wird, weil Zuwiderhandeln unter Strafe steht. Das ist der völlig falsche Ansatz, wie ich finde. Denn das verführt dazu, dass man meint, alles, was keine Strafe nach sich zieht, sei gut. Und wir wissen, dass dem nicht so ist.

        Eine Metabemerkung zum Schluss: Ich freue mich, dass Sie, Richard, die eher grundsätzlich gemeinte „Einladung zum Gespräch“ gleich konkret ergriffen haben. So sehr ich das offene, ehrliche und konstruktive Gespräch schätze, so sehr muss ich leider mit Zeit und Energie haushalten. Ich werde mich also nun aus diesem Gespräch zurückziehen, nicht ohne Ihnen und der Blogbetreiberin Claudia Sperlich, herzlich gedankt zu haben!

        Josef Bordat

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Zunächst: Auch von mir Dank für grundsätzliche Gesprächsbereitschaft.
        Sodann: Bryan Kemper nimmt jenen Fall in Texas als Aufhänger, um über die prinzipielle Notwendigkeit einer Verantwortung auch vor Gericht im Falle von Abtreibung zu sprechen. Er erklärt das sachlich: Wenn es verboten ist, ein bereits geborenes Kind zu töten, dann muß es auch verboten sein, ein ungeborenes Kind zu töten, weil es keinen moralischen und keinen kategorischen Unterschied zwischen „Mensch vor der Geburt“ und „Mensch nach der Geburt“ geben kann.
        Kemper ist eindeutig darin, daß er eine Bestrafung von Abtreibung richtig findet, weil er meint, Kindstötung vor und nach der Geburt ist ebenfalls kein kategorischer Unterschied.
        Er ist ebenso eindeutig darin, daß er auch Mitleid und Verständnis gegenüber den Tätern – auch gegenüber der Frau, die ihre fünf Kinder ertränkt hat – propagiert. Jedoch will er nicht aus Mitleid mit der Täterin den Opfern die Genugtuung versagen.
        Daß jene texanische Mutter zum Tode verurteilt wurde, macht er nicht zum Thema – sondern daß sie sich überhaupt vor einem Gericht verantworten mußte und daß dies (die Gerichtsverhandlung) prinzipiell richtig ist. In keinem Satz sagt er, daß er Todesstrafe für richtig hält.
        Es kann sein, daß er es trotzdem findet (sehr im Gegensatz zu mir). Angesichts seines facebook-Postings zu Gosnell glaube ich das allerdings nicht. Dort schreibt er:
        „BREAKING: NO DEATH PENALTY for Gosnell – Pa. abortion doc convicted of killing babies agrees to forego appeal, is spared death sentence. – Join us in praying for his soul as he will site in prison for life. http://www.facebook.com/prayforgosnell

        Kommentaren unter dem Posting, die sich freudig darüber äußern, daß keine Todesstrafe verhängt wurde, widerspricht er nicht. Das ist untypisch für Befürworter der Todesstrafe, weswegen ich ihn nicht für einen solchen halte.

      • Richard schreibt:

        Ich denke jetzt machen Sie es sich ein bisschen zu einfach Frau Sperlich. Es ist nicht irgendein Anliegen von Kemper Abtreibung in den USA wieder strafbar zu machen sondern das Hauptanliegen. Nach dem „Personhood“ Prinzip wären Abtreibungen dann automatisch „Homicide“ – also Mordtaten gleichgestellt. Er (bzw. seine Tea Party Ghostwriter) bestätigen diese Intention auch mehrmals. „Homicide“ bedeutet in 19 Bundesstaaten jeden Fall die Möglichkeit der Todesstrafe. Ob das auch verhängt wird hängt von der Jury ab. Es kann auch eine Life Sentence oder 20 Jahre sein. Wie auch immer, Herr Kemper wird für die betreffende Frau sicher beten. Und wir werden wissen was Teile der Lebensschutz-Bewegung wirklich unter „Verständnis, Schutz und Hilfe“ für Frauen in Not verstehen. Das war aber gar nicht mein Punkt. Ich wollte nur auf die Frage von Herrn Bordat antworten, warum Lebensschutz mit „rechts“ verortet wird und warum sich bei den Grünen wo wenig Sympathie für den „Marsch für das Leben“ findet. Und jetzt mal Hand aufs Herz – wo passt Kemper Ihrer Meinung nach besser hin – auf eine Veranstaltung der Grünen oder der NPD? Herausstechen würde er bei letzteren wohl nur durch den Hass den er versprüht: Durch den Intellekt sicher nicht 😉

  2. gerd schreibt:

    @Richard
    Meinen Sie diese Klimaschützer?
    „Hamburgs Umweltsenatorin Anja Hajduk (GAL) reist am Montag zur Klimakonferenz in das rund 300 Kilometer entfernte Kopenhagen – mit dem Flugzeug.“
    Hamburger Abendschau

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich halte es nicht für sinnvoll, gerade die Heuchler unter den vielen Umwelt- und Klimaschützern und die Heuchler unter den vielen Lebensschützern gegeneinander auszuspielen. Das wird auch Josef Bordats Artikel nicht einmal am Rande gerecht.
      Meinem Artikel auch nicht.
      Noch einmal:
      Es gibt verschiedene wichtige Dinge auf der Welt.
      Manche Leute kümmern sich besonders um eines oder einige bestimmte dieser wichtigen Dinge. Andere Leute kümmern sich um andere dieser wichtigen Dinge.
      Soweit klar?
      Gut.
      Also: Wenn jemand sich z.B. um den Schutz von Orang-Utans kümmert, nicht aber um den Schutz von Walen und Delphinen, aber dann doch zu einer Veranstaltung geht, die sich gegen die Ausrottung von Buckelwalen wendet, ist er kein Heuchler.
      Wenn jemand sich um den Schutz von kleinen Menschen kümmert und dazu auch um die Gerechtigkeit gegenüber allen Menschen, ihm aber das Anliegen der kleinsten Menschen besonders am Herzen liegt, und dieser Mensch solidarisiert sich dann mit anderen Menschen, die sich gerade für die Gerechtigkeit von Naziopfern einsetzen, dann ist er auch kein Heuchler.

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