Neues aus dem Schilderwald

Parken-Carsharing[1]

Ein deutsches Ministerium
erfand ein neues Schild,
das zeigt ein Rätselbild:
zwei halbe Wagen, drum herum
sind schattenhaft zu schauen
zwei Männer und zwei Frauen.

Die Frauen trippeln an dem Ort,
als ob die Blase drückt.
Das Auto bleibt zerstückt.
Ein Mann geht hin, der andre fort.
Es heißt, in drei Sekunden
hab man herausgefunden,

was dieses Schild uns sagen will.
Ich fühl mich dumm und bang,
ich brauche viel zu lang!
Ich sitze hier und grüble still –
ach, Fragen über Fragen!
Nun will ich Antwort wagen:

Die Männer her! Das Auto hin!
Und hilflos stehn die Frauen!
So wirkt nach langem Schauen
Dies Schild auf mich. Ist das sein Sinn?
Wie passt denn das zum Gendern?
Ich weiß nicht. Nix zu ändern.

O Eitelkeit! Beamtenschar,
die keinen Künstler fand
im ganzen deutschen Land,
der klaren Bildens fähig war!
O Ungeist – von mir weiche!
Und dies Schild, Bürger, streiche!

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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10 Antworten zu Neues aus dem Schilderwald

  1. piri schreibt:

    Carsharing

  2. Jürgen Niebecker schreibt:

    Ich muß gestehen, daß sich mir das Bild nicht erschlossen hat.
    Ich hatte erst gedacht, daß da nur Autos parken dürfen, die in der Mitte einen weißen „Ralleystreifen“ haben…
    Nachdem ich weiß, was es aussagen soll, frage ich mich: Brauchen wir so ein Schild? Brauchen wir diese Spezialparkplätze? Das frage ich mich auch bei Frau-mit-Kind-Parkplätzen und ähnlichem.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich finde nicht, daß wir Car-Sharing-Parkplätze brauchen. Spezialparkplätze, die wirklich sinnvoll sind, sind Behindertenparkplätze – die breiter als gewöhnliche Parkplätze sind, damit ein Rollstuhlfahrer seinen Rolli neben das Auto stellen kann, und die in Parkhäusern nah am Ausgang sind, und neben denen der Bürgersteig abgesenkt ist. Das ist sinnvoll; leider werden sie oft genug von Menschen ohne Behinderung zugeparkt (meine Mutter, Rollstuhl- und Autofahrerin, sagte einem, den sie dabei erwischte, wörtlich: „Dies ist ein Parkplatz für körperlich Behinderte!“).
      Bei Behindertenparkplätzen finde ich es legitim (obwohl „eigentlich“ verboten), wenn der Fahrer zwar nicht behindert ist, aber einen Behinderten im Auto hat, dessen „Transfer“ etwas kompliziert ist; etwa eine Mutter mit rollstuhlfahrendem Kind.
      Frauenparkplätze finde ich sinnvoll in Parkhäusern (da sind sie nah am Ausgang), weil das wirklich Orte sind, in denen Frauen nicht ungefährdet sind. Ansonsten werden generell einfach viel zu viele spezifische Regelungen getroffen für alles und jeden, und ich glaube, meistens ist das überflüssig.

      • Jürgen Niebecker schreibt:

        Hier gibt es einen Supermarkt der „Mutter und Kind Parkplätze“ hat. Das finde ich überflüssig und das meinte ich.

        Behindertenparkplätze sind auch gut. Wenn aber ein Porsche 911 einen Rolli-Aufkleber im Auto hat, dann stelle ich mir doch so meine Fragen.
        Klar… alles wird irgendwie ausgenutzt und mißbraucht, selbst wenn die Grundidee gut ist.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Da stimme ich Dir in jedem Punkt zu!

  3. Klaus W. schreibt:

    @Jürgen Niebecker, warum wollen Sie einem Rollstuhlfahrer die Nutzung eines Porsche (wenn er es sich leisten kann) verbieten? Und ja, ich habe in Kreischa tatsächlich einen kennengelernt. Mißbräuchliche Benutzung von Behindertenparkplätzen gibt es durch ganz andere rücksichtslose Zeitgenossen, die machen sich nicht einmal die Mühe, ein gefälschtes Schild reinzulegen.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Tatsächlich hätte ich bei Porsche große Zweifel an der Berechtigung – nicht weil ich Rollstuhlfahrern keinen Porsche gönne, sondern weil ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, wie man einen zusammengeklappten Rollstuhl in einem Porsche unterbringt und wie man aus dem tiefliegenden Porsche in einen Rollstuhl kommt. OK, für Leute, die nicht völlig gelähmt sind, sondern noch ein bißchen stehen und ein paar Schritte gehen können, kann das klappen – aber schwierig. Da Du aber einen kennst, muß es irgendwie gehen! Aber untypisch bleibt es.

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