Für modernen Feminismus bin ich zu emanzipiert.

Ausdrücklich: Für modernen Feminismus!

Dank und Hochachtung habe ich gegenüber Frauen wie Olympe de Gouges und die Sufragetten, Frauen, die sich unter Gefahr des Lebens und der Freiheit für das Recht auf Bildung, Erwerbsarbeit und Teilnahme an Wahlen einsetzten. Daß unter ihnen zahlreiche Frauen waren, mit denen ich heute heftige politische Differenzen hätte, ändert an meiner Hochachtung bezüglich ihrer Verdienste nichts. Mir stehen Frauen wie die Theologin und Predigerin Lucretia Mott, die aus religiösen Motiven gegen Sklaverei und für Frauenrechte eintrat, näher als sozialistische und kommunistische Vertreterinnen der Frauenbewegung, aber in den obengenannten Punkten haben die einen wie die anderen hohe Verdienste.

Neben diesen Verdiensten hatte der nicht christlich motivierte Teil der Frauenbewegung freilich spätestens in den 20er Jahren seine Lächerlichkeiten (demonstratives Rauchen in der Öffentlichkeit sehe ich keineswegs als Ausdruck der Freiheit an) und seine furchtbaren Fehler (die Idee eines „Rechts auf Abtreibung“ wurde u.a. von Käthe Kollwitz vertreten).

Heute sind in Europa und den USA von der einst so tapferen und klugen Bewegung fast nur die Lächerlichkeiten und Fehler geblieben und werden stark kultiviert. Es hilft keiner Frau zu irgendeinem Recht, die Sprache bis zur Unverständlichkeit mit Sternchen, Binnen-I und dem geschlechtsneutralen -x am Wortende zu manipulieren. Es schafft die Not alleinerziehender Mütter ebensowenig ab wie die existenzielle Bedrohung von Frauen durch gewalttätige Männer, wenn man auf die gerechte Verteilung von Ampelmännchen und Ampelweibchen achtet und über jede Verwendung des generischen Maskulinums zetert. Im Gegenteil: Durch derartigen Firlefanz wird die Zeit und Energie gebunden, die man sinnvoll für die Durchsetzung grundlegender Rechte nutzen könnte. Damit wird keiner unterbezahlten Verkäuferin, keiner verprügelten oder vergewaltigten Frau, keinem vernachlässigten Mädchen und keiner alleinerziehenden Mutter im geringsten geholfen.

Zum modernen Feminismus gehört ein grundlegendes Mißtrauen nicht nur gegenüber allem, was männlich ist, sondern auch die Verachtung aller Menschen, die diese Form von Feminismus nicht kultivieren, sodann eine durch keinen Erfahrungswert zu rechtfertigende Wissenschaftsfeindlichkeit, die offensichtliche biologische Gegebenheiten zum gesellschaftlichen Konstrukt erklärt. Moderner Feminismus und Gendertheorie sind verknüpft. (Pardon, meine Damen: vom Insekt bis zum Primaten ist das Tierreich zweigeschlechtlich angelegt; Amöben und Schnecken sinds nicht, aber damit will ich keine der An- und Abwesenden vergleichen.)

Moderner Feminismus ist von einer durch keinen Schimmer des Wissens erhellten Feindseligkeit gegenüber der Kirche, insbesondere der katholischen, geprägt. Ich habe meine Berliner Schnauze voll von sämtlichen Versuchen, die Kirche auf das zu reduzieren, was ihr seit dem 19. Jh. zumeist fälschlich unterstellt wird, und voll davon, daß mir implizit unterstellt wird, ich sei spätestens seit meinem bewußten, freien und glücklichen Eintritt in die katholische Kirche ein unemanzipiertes und gedrücktes Weibchen.

Ich werde die Sprache nicht verhunzen und vergewaltigen, um etwas zu bedienen, das mir etikettenschwindelnd als Gerechtigkeit angepriesen wird.
Ich werde keine zwei- bis dreigeschlechtlich gekennzeichneten Klotüren, keine Ampelwesen mit Röckchen und Zöpfchen als Hinweis auf irgendetwas Sinnvolles und Menschenfreundliches ansehen. Ich will mich an der sonderbar gegensätzlichen zeitgeistigen Mischung aus esoterischem Weiblichkeitskult und Geschlechtsverleugnung, diesem unrealistischem Gewaber zwischen Vergötterung und Nivellierung des Geschlechts nicht beteiligen.

Was ich zwischen den Ohren habe, kann und soll nicht bestimmen, was ich zwischen den Beinen habe. Es wird umgekehrt auch nicht davon bestimmt. Gott, der einzige Herr, dem ich mich unterwerfe (nota bene: den Damen unterwerfe ich mich schon mal gar nicht), hat mich als Frau gewollt – und als Frau mit meinen teils spezifisch weiblichen, teils ganz einfach menschlichen Macken, Fehlern, Vorzügen und – gelegentlich – Tugenden darf ich leben, muß ich leben, will ich leben. Das zu wissen und anzunehmen, ist befreiend. Ich kann mich in dieser Freiheit auf die wirklich wichtigen, schönen, nützlichen Dinge im Leben konzentrieren, und wo ich es nicht kann, darf ich mich dem anvertrauen, der mich als Frau geschaffen hat.

Das ist nicht nur wahrer als der gegenderte Feminismus unserer Tage. Es macht auch mehr Freude.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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