Kirchenschändung ist langweilig.

Es ist pubertär, Wände zu beschmieren.
Es ist barbarisch, denkmalgeschützte Architektur zu beschmieren.
Es ist einfallslos, dies mit Parolen zu tun, die in meiner Pubertät schon altbacken waren (ich bin 53 Jahre alt).
Es ist feige, dies nicht an einem sonnigen Sonntag kurz vor Beginn der Messe zu tun.
Es ist ungekonnt, dabei erst in ungelenker Art einen Schrifttyp zu nutzen, der seit mindestens Jahren nicht mehr originell ist, und dann kindlich ungleichmäßige Großbuchstaben. Ohne Serifen!
Vor allem aber ist es langweilig. Es ist die immergleiche Masche, die vor fünfzig Jahren noch skandalös war, vor vierzig Jahren noch provokant, vor dreißig Jahren noch auffällig, vor zwanzig Jahren noch frech – jetzt aber nur noch gähnende alltägliche schlechte Sitte darstellt, für die meisten Menschen weniger aufregend als in der Nase popeln.
Es ärgert mich in dem gleichen Maße wie ein Autobahnstau, wenn ich in einem der Autos sitze, wie ein Fettfleck auf einem Kleid, wie eine Bahnfahrt nach Hamm.

doofes Graffito

Den Opfern von Glaubenskriegen, genauer: den Opfern der terroristischen Abschlachtung und Versklavung großer Mengen friedfertiger Menschen, die sich gern in Kirchen treffen, hilft u.a. Kirche in Not (wer mithelfen will, kann spenden).

doofes Graffito
doofes Graffito

Immerhin ein Ansatz zu einer Vorform von Einsicht: Es wird widerwillig eingestanden, daß es einen Gott gibt bzw. daß derselbe wünschenswert ist. Oder hat der Spontankünstler das K in der Eile vergessen?

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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6 Antworten zu Kirchenschändung ist langweilig.

  1. jobo72 schreibt:

    Echt jetz? „Ein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“?! Wer war das denn?! Dorothy Day?

  2. Muriel schreibt:

    Natürlich volle Zustimmung dazu, dass sowas nicht okay ist.
    Aber weil ich den Vorwurf der Feigheit schon immer in so ziemlich jedem Zusammenhang sonderbar fand, fällt er mir natürlich auch hier in’s Auge.
    Wann wär’s dir denn lieber gewesen, und wäre das mit dem Zeitpunkt maximaler Mutigkeit des Täters zusammen gefallen?

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Beispielsweise an einem sonnigen Sonntag kurz vor Beginn der Messe. Wenn die Kirchgänger gerade in größtmöglicher Zahl ankommen und das sehen.
      Noch mutiger und keineswegs pubertär wäre natürlich gewesen, sich auf ein ernsthaftes Gespräch einzulassen. Riskieren, daß die Clique einen für völlig bescheuert hält, weil man eben nicht Kirchenwände beschmiert und einfach mal sich informiert und nachfragt. Sagen können: Ich glaube zwar kein Wort von dem, was die Kirche sagt, aber wir müssen einander ertragen. Das wäre wirklich mutig.

      • Muriel schreibt:

        Okay, mein Fehler, ich habe da oben auch das “nicht“ überlesen. Ich teile deine Einschätzung zwar nicht, ertrage sie dann aber jetzt mal. Danke für die Erklärung!

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