Facebook, Sonette und Balkonblümchen

Ich arbeite an einem Sonettzyklus. Sieben Sonette sollen es werden, drei sind es schon. Vorhin schrieb ich überdrüssig und genervt ins Vultulibro:

3 von geplanten 7 Sonetten eines Zyklus sind fertig. Die anderen wollen nicht. Hmpf.

Die Antwort von Doqtor Treznok kam schnell:

– 4 – 4 – 3 – 3 … ganz einfach reinfühlen, und der Anapäst kommt von selbst …

Das verstand ich als Herausforderung. Vier Sonette zu einem wahrlich schwierigen Thema fehlen zwar immer noch, aber dafür ist eines, das nicht in dies Thema gehört, entstanden:

Es liegt nicht an dem Metrum, cher Docteur,
Es ist nur so: es muß auch Sinn dahinter!
Zur Zeit ist Ebbe, Dürre, Seuche, Winter –
Was weiß ich noch – Sonett fällt eben schweur.

Und schließlich bin ich Dichter und nicht Sprinter!
Sonette kommen nicht so schnell daheur.
Und dann das Thema! Das ist das Malheur!
(Mir gehts wie Paul, Brief Zwo an die Korinther.)

Du merkst: Wenn ich nur etwas blödeln müßte,
Dann könnt ich das so nett, es geht kaum netter.
Doch dieser Zyklus, Himmeldonnerwetter,

Es sollen werden der Sonette sieben,
Nun hab ich aber dreie erst geschrieben.
Die Muse zickt, die mich vorzeiten küßte!

© Claudia Sperlich

Und kaum stand es da, antwortete Doqtor Treznok wiederum:

ich hab verstanden: sieben sind dein Ziel
doch drei Sonette sind ja auch schon viel
ein Zyklus soll entstehn, das wird dir glücken
vielleicht musst du dein Denken nur verrücken

ein bisschen Stille oder ein Gebet
damit der Geist dir neue Worte weht
du kannst nicht alle sieben gleich erzwingen
und doch wird dir dein Zyklus noch gelingen

das Dichten geht nicht immer auf Befehl
und manche Worte schlagen einfach fehl
da hilft nur eins: sich in Geduld zu üben

der große Geist, der deinen Geist erhellt
ist wie man weiß nicht ganz von dieser Welt
– jetzt reimt sich nix mehr, außer Kraut und Rüben …

Da sage noch einer, facebook mache unkreativ!
Für so eine zauberhafte Antwort gibt es die erste Kapuzinerkressenblüte von meinem Balkon.

Kapuzinerkresse

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Facebook, Sonette und Balkonblümchen

  1. Brettenbacher schreibt:

    Da sind wir nun so geplättet wie erhoben…..
    Welch K o n z e r t !

  2. Eugenie Roth schreibt:

    Brettenbacher, nicht so neugierig sein!!! 😉

Kommentare sind geschlossen.