Ein Sommertag voll wunderbarer Dinge

Manchmal ist es gut, wenn das Fahrrad nicht greifbar und ein Fahrschein gerade heute nicht kaufbar ist. Das nämlich ließ mich von Friedenau zum Regierungsviertel zu Fuß gehen und knapp zwei Stunden später wieder zurück – zusammen etwa dreieinhalb Stunden. (Grund war eine Aktion der Lebensschützerbewegung – ich werde darüber demnächst berichten.) Ich habe dabei gemerkt, daß meine Stubenhockerei mich noch nicht hat einrosten lassen – es war einfach herrlich, durch Stadt und Tiergarten zu wandern. Sollte ich öfter machen.

Unmittelbar danach begann meine Arbeit im Pflegeheim – noch einmal vier Stunden, die heute ganz besonders erfreulich waren.
Das mag die gute Nachwirkung vom gestrigen Konzert des evangelischen Kirchenchores sein. Der Chor sang schöne und bekannte Lieder – Geh aus, mein Herz und andere Sommerlieder, das erste und ein weiteres zum Mitsingen. Zu meinen Seiten saßen zwei Männer; beide kann man nicht allein lassen, weil sie als sehr unruhige Geister sonst weggehen und sich auf keine Weise zurechtfinden können. Beide sind traurige Menschen, denen die Welt verlorengegangen ist. Beide waren während des Konzerts und noch einige Zeit danach äußerst ruhig und gelassen. Der zweite summte alle Melodien mit.

Heute kam einer gleich bei meiner Ankunft kam ein Mann auf mich zu, bei dem niemand weiß, wie man ihn für irgendetwas begeistern kann – ein sehr unruhiger Geist, der den halben Tag lang auf und ab geht und sich in der Welt überhaupt nicht mehr auskennt. Mit seinem gewohnten ernsten Gesichtsausdruck sagte er zu mir: „Wenn ich Sie sehe, muß ich lächeln.“ Auch der andere war ungewöhnlich ruhig und lächelte mich an.

In der Literaturstunde las ich drei Geschichten von Patricia Koelle, die sehr gut ankamen – eine Bewohnerin bat mich, ihr das Buch zu besorgen. (Das werde ich tun; es ist zwar vergriffen, da es aus meinem untergegangenen Verlag stammt, und ich habe nur noch ein Exemplar, aber mit Sicherheit ist es antiquarisch noch zu haben.)

Abends ging ich nach kurzer Ruhepause zur Probe der Berliner Choralschola – auch das war wieder einmal sehr erfreulich.

Ein Blick in den Vorgarten ist ebenfalls wunderschön. Ich bin sehr dankbar für diesen Tag.

Akeleisamen
Akeleisamen

Margeriten
Margeriten

Staudensonnenblume
Staudensonnenblume

Phlox
Phlox

Nelken
Nelke

Hortensie
Hortensie

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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