Weiter mit Ambrosius!

Ich habe vor, alle ambrosianischen Hymnen zu übersetzen. Heute stelle ich splendor paternæ gloriæ vor. Sie wurde 1632 überarbeitet; ich verwende die ursprüngliche Version, habe aber die im Barock angefügte letzte Strophe, das Lob der Dreieinigkeit, auch hier mit übersetzt.
In der sechsten Strophe heißt es in der bekanntesten Übertragung: des Geistes klare Trunkenheit. Grammatisch ist das genauer als meine Übertragung, aber mir war es wichtig, sobriam wortgetreu mit nüchtern wiederzugeben. Die hier unvermeidlich weibliche Form nüchterne hätte metrisch nicht gepasst, was eine hoffentlich nicht sinnentstellende Änderung notwendig machte.

Glanz von des Vaters Herrlichkeit,
Du bringst aus Licht das Licht hervor,
des Lichtes Licht, der Leuchte Quell,
Du Tag, den Tag erleuchtest Du.

Du wahre Sonne, die erglänzt
in steter Helle, komm herab,
Du, Heilgen Geistes Himmelslicht,
in unsre Sinne ströme ein.

Zum Vater lasst uns rufen auch,
dem Vater ewger Herrlichkeit,
dem Vater, der voll Gnade herrscht –
Er banne Schuld, die uns verführt.

Entschlossne Taten lehre Er,
Er mache stumpf des Neiders Zahn,
Er stehe bei in hartem Fall,
Er schenke Gnade unserm Tun.

Er lenke das Gemüt als Herr
in einem keuschen, treuen Leib;
der Glaube sei wie Feuersglut,
er kenne nicht Betruges Gift.

Und Christus sei für uns das Mahl,
und unser Glaube unser Trank,
wir laben freudig uns am Geist,
an Trunkenheit, die nüchtern ist.

Geht dann der frohe Tag vorbei,
sei Keuschheit wie das Morgenlicht,
der Glaube wie der helle Tag,
die Dämmrung dem Gemüte fremd.

Das Morgenrot nimmt seinen Lauf,
wie Morgenrot kommt Er heran,
im Vater ist Er ganz der Sohn
und ganz der Vater in dem Wort.

Preis sei dem Vater, unserm Gott,
und Seinem eingebornen Sohn,
dem Heilgen Geist, dem Tröster, auch
jetzt und in alle Ewigkeit.

© der Übersetzung: Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Weiter mit Ambrosius!

  1. kosinsky schreibt:

    War Ambrosius (also dieser), nach dem was mensch historisch von ihm weiß (bzw. so wie er historisch nacherzählt wird), eher ein Rebell oder eher im Einklang mit der damaligen Konstruktion von offiziellem Christentum und Kirche?

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Die Kirche war noch jung, die Konstantinische Wende noch nicht lange her, als Ambrosius als Erwachsener die Taufe empfing (ob mit Zustimmung der Eltern, weiß ich nicht). Christsein hatte noch immer etwas Rebellisches per se.
      Als Mitglied der Kirche war er keineswegs rebellisch.

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