Ambrosius, zwei Versionen

Der folgende österliche Hymnus wird Ambrosius zugeschrieben. Liturgischer Brauch hat ihn in drei Teile geteilt, die zu verschiedenen Festen gesungen werden. Von der geläufigeren, viel später entstandenen und stark abweichenden Fassung (die ich weiter unten vorstelle) unterscheidet ihn neben der Länge die stärker verdichtete Sprache.
Daß Ambrosius den Engel zu den Frauen am Grab sermone blando, wörtlich: in schmeichelndem Tonfall, sprechen läßt, finde ich süß von dem Kirchenvater.

Der Morgen glänzt wie rotes Gold,
der Himmel schallt von Lobgesang,
und jubelnd springt die Erde auf,
es stöhnt und heult die Unterwelt,

Da als der stärkste König Er,
da Todes Macht gebrochen ist,
mit Seinem Fuß die Hölle zwingt,
die Armen aus den Fesseln löst.

Den eingeschlossen hielt der Stein,
der von Soldaten war bewacht,
der triumphiert in edler Pracht,
ersteht als Sieger aus dem Grab.

„Beglichen sind die Seufzer nun
und alle Pein der Unterwelt,
da auferstanden ist der Herr!“
So ruft der Engel strahlend aus.

Betrübt war die Apostelschar,
ihr Herr war tot, verurteilt hat
zu roher Todesstrafe Ihn
die ungerechte Dienerschaft.

Der Engel sprach in sanftem Ton,
den Frauen sagte er voraus:
„In Galiläa ist der Herr,
ihr könnt Ihn sehen, geht nur schnell.“

Sie brachen auf mit raschem Schritt,
dies den Aposteln kundzutun,
und da sie sahen, daß Er lebt,
des Herren Füße küssten sie.

Die Jünger hatten’s kaum gehört,
da brachen sie in Eile auf
nach Galiläa, um zu seh’n
des Herrn ersehntes Angesicht.

Die Sonne glänzt mit reinem Strahl,
von österlicher Freude hell:
da Christus die Apostel schon
anseh’n in leiblicher Gestalt.

Die Wunden hatte Er gezeigt,
die leuchteten an Christi Leib –
sie haben öffentlich bekannt,
daß auferstanden ist der Herr.

Du milder König Christus, nimm
von unsern Herzen Du Besitz,
Dir sei gebührend unser Lob
für alle Zeiten dargebracht!

© der Übersetzung: Claudia Sperlich

Die Version von Urban VIII. (viel zu modern für meinen Begriff) wird häufiger verwendet als das Original. Eigenartig und für den Übersetzer äußerst kniffelig ist die Formulierung patrum senatum liberum – von mir übertragen mit der Väter freie Scharen – da senatus ursprünglich der Ältestenrat ist, eine mehr oder weniger würdige Menge.

Den Himmel rötet Morgenlicht,
die Luft tönt wider von dem Lob,
und jubelnd triumphiert die Welt,
und schaudernd bebt die Unterwelt,

Da jener König voller Kraft
hinauf aus Todes tiefem Schacht
der Väter freie Scharen führt
hinauf zum Leben und zum Licht.

Der, dessen Ruhestatt ein Stein
versiegelt hielt als starke Wacht,
Er triumphiert als Sieger, Er
begräbt den Tod in Seinem Grab.

„Genug ist durch Grab bezahlt,
durch Tränen und durch Schmerz genug!
Des Todes Tilger – Er erstand!“
So ruft der Engel strahlend aus.

Daß, Jesus, jedem Herzen Du
zur steten Osterfreude wirst,
befrei von bösem Tod in Schuld,
die für das Leben neu geborn.

Preis sei dem Vater, unserm Gott,
dem Sohn, der auferstanden ist
vom Tode, und dem Tröster auch
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

© der Übersetzung: Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Ambrosius, zwei Versionen

  1. kosinsky schreibt:

    Gibt es innerkatholisch oder extra (noch/wieder etc.) ein Fantum/fandom von Ambrosius?

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Es gibt gängige Übersetzungen, die ich grausam schlecht finde.
      Ob da noch eine lateinische Version herumgeistert, weiß ich nicht, glaube ich nicht.

  2. But apart from this…..
    Das Wort „bedecks“ in der englischen Übersetzung ist beeindruckend!

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