Einen neuen Aufbruch wagen

… oder auch: Wie man ein Fahrrad klaut.

Keine Sorge, ich habe mein Fahrrad noch. Oder vielmehr, wieder. Es war auch gar nicht geklaut. Nur…

Vor geraumer Zeit hatte ich den Fahrradschlüssel verloren. Kein Ersatzschlüssel (den hatte ich auch irgendwann verbummelt). Das Fahrrad stand derweil gut angeschlossen an einer belebten Einkaufstraße, direkt neben einer gut frequentierten Imbißbude, keine zehn Meter von einer katholischen Kirche entfernt.

Es ist zwar, noch von Studienzeiten her, in Münster polizeilich registriert. Aber ich hatte den Nachweis darüber verloren. Endlich mailte ich der Polizei in Münster, bekam sofort den Nachweis über die Registrierung zurück, nahm ihn samt Ausweis und Kneifzange mit, rief die Polizei an und sagte, ich habe diesen Nachweis bei mir und knacke jetzt mein Fahrradschloß. Alles in Ordnung, wurde mir beschieden.

Ich brauchte mindestens zwanzig Minuten, um das Schloss mit der völlig ungenügenden Zange vollends zu zerstören. In dieser Zeit gingen zahlreiche Menschen an mir vorbei und sahen das. Dann pumpte ich die Reifen auf, ölte die Kette und fuhr weg. Nichts geschah.

Natürlich bin ich froh, mein Fahrrad wieder zu haben. Aber ein wenig unwohl ist mir schon. Zum Glück wirkt das gute Stück nicht jünger, als es ist. Aber dennoch.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Einen neuen Aufbruch wagen

  1. In unserer schönsten Hansestadt am Ryck wurde mal ein Test vor der Mensa gemacht, bei dem alle Fahrräder, die zwar angeschlossen aber nirgends festgeschlossen waren, auf einen LKW geladen wurden. Da hätte ich auf jeden Fall die Polizei angerufen, genaue Beschreibung und Kennzeichen des Wagens durchgegeben. Hat aber Niemanden interessiert, so direkt vor der Mensa, wo vielleicht einer der Studiosi hätte mitbekommen müssen, daß da eventuell gerade sein Rad geklaut wird. Und das ist erst ein paar Jahre her, da hatte auch schon jeder ein Mobiltelephon in der Tasche. Die haben dann die Räder alle wieder rausgestellt – auch das interessierte Niemanden. Komische Welt irgendwie. Ganz lieben Gruß vom Wolfgang aus der schönsten Hansestadt am Ryck.

  2. Thie schreibt:

    Sie Glückliche,
    mein Fahrrad ist und bleibt gestohlen, aber wie es scheint hat der Dieb in finsterer Nacht seine Tat vollbracht. Ich darf mir jetzt ein Neues besorgen.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Sehr ärgerlich!
      Fürs nächste Fahrrad ein Tip: Bei der Polizei registrieren lassen. Kostet nichts, und man bekommt ein bombenfestes Klebeschild: Stop! Polizei! Mein Fahrrad ist in [Stadt] registriert. – Und die Registrierung bleibt tatsächlich bestehen. Ist für Diebe dann nicht mehr so prickelnd.

  3. autorchristoph schreibt:

    Mir ist ähnliches passiert. In der Zeit, als ich ein Appartement in einem Studentenwohnheim hatte, wollte ich draußen mein Fahrrad aufschließen, aber es war zusätzlich mit einem Schloss abgeschlossen – und zwar einem fremden! Da hat wohl jemand nach einer langen Feiernacht etwas verwechselt. Ich musste mir vom Gehilfen des Hausmeisters Werkzeug leihen, der gab mir aber nur das Blatt einer Metallsäge, nicht mal die komplette, so dass ich länger brauchte, um das wohlgemerkt fremde Schloss aufzusägen. Eins von denen, die aus einem Strang mehrerer Metallfasern besteht. Dieses Studentenwohnheim ist sehr anonym gewesen. Aber mitten in der Arbeit bekam ich aus einem Fenster heraus eine beherzte Anfrage, was ich da eigentlich machen würde. Es war eine Nachbarin sogar aus meinem Flur, doch wir hatten gar keinen Kontakt bisher. Über diese Fahrradgeschichte wurden wir dann bekannt und haben uns daraufhin öfter unterhalten.

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