Heimat, nicht nur geographisch

Meine geographische Heimat ist Deutschland (eigentlich noch enger eingegrenzt: Berlin) – das habe ich überdeutlich gemerkt in Zeiten, da ich anderswo lebte. Meine geographische Heimat hindert mich nicht an Fernweh, Reise- und Abenteuerlust, aber ich möchte nicht für immer anderswo leben.

Meine seelische und geistige Heimat ist die katholische Kirche. Das hindert nicht, daß ich mich in der real existierenden Gemeinde zuweilen fremd und fehl am Platz fühle. Aber nicht einmal, wenn ich mich sehr über sie ärgere, ist Verlassen eine Option.

Ich liebe dies Land, ich bin froh über die Vereinigung und das nun schon sehr fortgeschrittene Zusammenwachsen der beiden Teile. Mit meinen geringen Möglichkeiten will ich dazu beitragen, daß dies Land wieder von Grundsätzen geprägt wird, die die Kirche vertritt: Menschenfreundlichkeit und Liebe.

Dies Land

Dies Land ist meine Heimat, wird es bleiben,
so weit ich heimisch sein kann auf der Erde.
Kein Recht, kein Unrecht, keine Drohgebärde
und keiner Staatsmacht nörgelnde Beschwerde
wird mich – so hoffe ich – aus ihm vertreiben.

Dies Land mit seinen Kirchen, seinen Städten,
mit seiner Sprache, die mein Denken prägt –
an dessen Wurzeln dumpfe Herrschsucht sägt,
und dessen Zweige Gängelei zerschlägt,
ist mein. Hier will ich dichten, dienen, beten.

Dies Land bedroht die Kranken und die Alten,
und macht es leicht, die Kinder zu ermorden.
Das wird geduldet von Regierungshorden,
das Unrecht ist schon fast zum Recht geworden
und wird vielleicht schon bald für Pflicht gehalten.

Gedankenfreiheit heißt: Man macht sich keine.
Verachtet wird, was dem Erwerb nicht nützt,
der Schwache wird vom Starken nicht gestützt,
das Kind im Mutterleib bleibt ungeschützt –
in diesem Land hat Sinn der Zweck alleine.

Hier will ich liebend schreiben, handeln, leben
nach eignem Denken, Glauben und Gewissen,
nicht glattgehobelt – lieber noch zerrissen,
will keine Regenbogenfahnen hissen
und der Beliebigkeit mich nicht ergeben.

Ich will im lauen Einheitsbrei nicht treiben,
nicht buckeln vor den Besserwisserscharen,
will helfen, Menschenleben zu bewahren,
nicht Worte, Taten und Gebete sparen.
Dies Land ist meine Heimat, wird es bleiben.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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4 Antworten zu Heimat, nicht nur geographisch

  1. Remus schreibt:

    Hervorragend!

  2. hofmeisterhartwig schreibt:

    Das Gedicht macht sehr nachdenklich! Ja es läuft viel falsch und wir Menschen sollten aufpassen auf die Sachen die für uns wirklich wichtig sind. Wir verkennen leider sehr viel. Uns ist nicht bewusst, wie lebenswertes Leben gestaltet werden sollte.

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