Was so als Nazi-Hassmail empfunden wird

In Frau Ditfurths facebook-Chronik ist der hier kürzlich erwähnte Artikel nun noch einmal eingestellt mit diesem Zusatz:

NIE WIEDER DEUTSCHLAND – bald kommt der Film!
Auf den unten stehenden Kommentar habe Rassist*innen, Antisemit*innen, Nationalist*innen, Faschist*innen, Sexist*innen im Tread vom 4.10.2015 auf meiner großen Facebook-Seite wie besessen reagiert – mit Drohungen wie Steinigung, Hängen, allen Arten von Mord, mit Deportation und Vergewaltigung. Alle Kommentare wurden gesichert und sie werden angemessen behandelt.
Der Kommentar hatte dort 160.403 Aufrufe, 894 Teilungen und eine Beitragsreichsweite von 256.810.
Herzlichen Dank allen, die geholfen haben, die Feind*innen eines wirklichen Humanismus in ihre Schranken zu weisen. Hier unten nochmal der von den Nazi-Hassmails bereinigte Thread!

Auch ich hatte dort kommentiert – mit Befremden, auch Zorn, mit einem Mangel an Höflichkeit, aber selbstverständlich ohne Hass. (Die genannten Drohungen und Obszönitäten haben mich entsetzt.) Auch von meinen beiden Kommentaren wurde der Thread „bereinigt“. Sollte ich jetzt als Rassist*in, Antisemit*in, Nationalist*in, Faschist*in, Sexist*in erkennungsdienstlich behandelt werden, sind folgende Aussagen der Grund dafür:

Wenn Sie nie wieder deutsche Religions- und Meinungsfreiheit, deutsche Sozialgesetze und deutsche Krankenkassen und deutsche Bibliotheken, Konzerthäuser, Museen, öffentliche Parks, Infrastruktur, Suppenküchen, Kleiderkammern etc. wollen, können Sie einfach so weitermachen wie bisher. Dann ist das in spätestens zwanzig Jahren alles vorbei, und Sie dürfen bei Zahnweh einen Bader ihrer Wahl bezahlen. Und ja: ich finde sehr vieles sehr reformbedürftig. Und nein: die Nazikeule ist auf mich nicht anwendbar. Aber “nie wieder Deutschland” heißt auch “nie wieder Thomas Mann oder Droste-Hülshoff oder LeFort lesen”. Wer in Deutschland ein Politikergehalt bezieht und Deutschland als Chiffre für das Böse verwendet, ist einfach ein bisserl bescheuert.

Nur daß Sie als Politikerin ja nicht einfach nur einem Hobby nachgehen und aller Wahrscheinlichkeit nach mit politischer Arbeit mehr verdienen als mit Büchern (Schriftstellerei ist erbärmlich schlecht bezahlt, soviel weiß ich). – Den ganzen Rest meines Kommentars haben Sie sicher auch gelesen, und im Gegensatz zu vielen anderen Kommentatoren halte ich Sie für gescheit genug, ihn auch zu verstehen. Ich wüßte jetzt wirklich gerne, was Sie, genau Sie, mit “Nie wieder Deutschland” meinen.
Und ehe Sie mir jetzt Inkonsequenz vorwerfen: “Gescheit genug, meinen Kommentar zu verstehen” und “bisserl bescheuert” schließt sich nicht aus. So kompliziert schreibe ich nicht.

Ich kann bei Frau Ditfurth nicht mehr kommentieren. Mein letzter Kommentar war die (diesmal wirklich höflich formulierte) Bitte um eine PN, da mich eine Antwort auf meine Frage wirklich interessiere.

Die Bewahrung des echten Humanismus ist mir selbstverständlich ein Anliegen. Heiliger Thomas Morus, hilf!

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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6 Antworten zu Was so als Nazi-Hassmail empfunden wird

  1. Bettina schreibt:

    Hat dies auf laut und leise literatur lesen rebloggt und kommentierte:
    es gibt nur wenige Linke, die mit Meinungsfreiheit umgehen können – wie dieses Beispiel mal wieder zeigt. Durchaus ein Grund, mal wieder zu zitieren:
    „Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der »Gerechtigkeit«, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die »Freiheit« zum Privilegium wird.“ –
    Fundort: Die russische Revolution. Eine kritische Würdigung, Berlin 1920 S. 109; Rosa Luxemburg – Gesammelte Werke Band 4, S. 359,

  2. Lisje Türelüre aus der Klappergasse. schreibt:

    Liebe Frau Sperlich,
    betrachten Sie es als Auszeichnung, als Ritterschlag!
    Stellen Sie sich mal den Horror vor, Frau von Dithfurt sei ihre Freundin.

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