Allerseelensehnsucht

Meinem Vater zu Allerseelen

Wie ein Niegewesen
kreist der blaue Ball
Zeichen ungelesen
stumm im leeren All

Martin Sperlich

Gesucht und nicht gefunden
die Wahrheit im Menschenleben.
Hat vielen vieles gegeben,
ist ganz und gar mir verschwunden.

Ich weiß nicht, wo er gelandet.
Hat Gott ihn zu sich genommen?
Wird er noch zu Ihm kommen?
Oder ist er gestrandet?

Es geht nicht ums Wiedersehen,
um meine Sehnsucht gehts nicht.
Aber es geht um das Licht –
es geht um das Auferstehen.

Die fromme Mutter geflohen,
er selbst vom Führer verführt.
Dann hat er das Unrecht gespürt
und bereut – man musste nicht drohen.

Hat Wahrheit in Bildern gesehen
und Stückwerk fürs Ganze gehalten.
Er liebte geschaffne Gestalten
und lehrte mich, Kunst zu verstehen.

Ein Heiliger war er zwar nicht.
Doch treu und tapfer im Tragen
von schweren und schönen Tagen.
Sei ihm gnädig, Herr, im Gericht.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Allerseelensehnsucht

  1. akinom schreibt:

    Nur die Liebe bleibt über den Tod hinaus! Ich erkenne immer mehr, dass es „männliche“ Formen der Liebe gibt, die scheinbar nicht aus dem Gefühl und dem Herzen heraus strömen. Besonders in der Ehe gibt es dort leicht „Übersetzungsschwierigkeiten“. Aber für Gott existieren sie nicht. Er kennt unser Herz besser als wir selber ud preist alle Variationen von Liebe selig. „Stimmt das, Martin Sperlich?“

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Mag sein, daß es so ist – aber daß es aus dem Herzen kam, war bei meinem Vater immer klar. Was ich versucht habe zu beschreiben, ist ja nur eine Facette.

      • akinom schreibt:

        Wie gut, dass wir Gott nicht finden müssen. sondern es unsere Aufgabe ist, IHN ehrlich zu suchen. So lässt ER sich erspüren und ertasten, Irrtümer nicht ausgeschlossen.
        Ich denke, Sie haben Ihr kostbares genetisches Erbe nicht vergraben, Frau Sperlich! Es bringt vielmehr schon jetzt vielfältige Frucht. Nicht nur Ihre wunderbaren Fotos geben Zeugnis davon!

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