Bejubelte Brandstiftung, verleumdete Opfer

Über eine Brandstiftung schreibt ein anonymer Autor mit dem Kürzel nnnn unter der Überschrift auto von rechter demoanmelderin abgefackelt einen Jubelartikel über eine Brandstiftung, deren Opfer eine von den ganz, ganz Bösen ist. Er nutzt die hier nicht verlinkbare Plattform indymedia, was mich um ein Haar zu einem Kalauer über das Wort Plattform verführt.

Auszug:

vergangene nacht ist ein kleinbus der gerüstbaufirma „bever“ in magdeburg in flammen aufgegangen weil wir dafür gesorgt haben. die gerüstbaufirma gehört der familie „von beverfoerde“ deren bekanntestes familienmitglied freifrau hedwig von beverfoerde ist. hedwig von beverfoerde ist die hauptorganisatorin anmelderin und das politische Gesicht der reaktionären und homophoben massenbewegung die unter dem label „demo für alle“ auftritt.
die „demo für alle“ ist neben PEGIDA aktuell das weniger bekannte sammelbecken für das reaktionäre Pack auf den strassen der bundesrepublik.

er [der Anschlag] kann aber ein anfang sein dem rechten pack in zukunft wieder entschlossener entgegenzutreten. hintermänner und -frauen reaktionärer aufläufe haben namen und adressen.

der kaputte wagen zeigt deutlich dass die hetzer angreifbar sind und für ihr treiben die notwendige quittung bekommen. dass wir mit unserem engagement nicht alleine sind zeigen die verkokelten überreste des autos von beatrix von storch in berlin. die AFD-europaabgeordnete und stellvertretende bundesvorsitzende ist die politische partnerin von von beverfoerde und eine der treibenden figuren im hintergrund der „demo für alle“. mehr davon!

Hedwig von Beverfoerde ist im Lebensschutz aktiv. Das heißt, sie wendet sich gegen jede Form gewaltsamer Beendigung oder unsinniger Beeinträchtigung von Menschenleben, sei es durch Abtreibung, Tötung auf Verlangen (Sterbehilfe) oder durch unmenschliche Behandlung.
Die Demo für Alle wendet sich gegen Frühsexualisierung auch im Schulunterricht. Daß es die gibt, dürfte nicht in Zweifel stehen bei der ständigen bereits im Grundschulunterricht stattfindenden Überbetonung und Gleichberechtigung aller, wirklich aller Formen von Sexualität, wie in einem Grundschulbuch der Autoren Tuider und Timmermanns (in der Schweiz, Kanton Zürich, derzeit im Gebrauch; in Deutschland nach meiner Recherche derzeit zumindest nicht mehr thematisiert; im vergangenen Jahr gab es heftige Proteste gegen die Einführung des Werkes an Grundschulen).
Frau von Beverfoerde tritt vehement für die Unterstützung des klassischen Familienmodells ein – das heißt, gegen jeden gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Zwang, Mütter kleiner Kinder zu zeitaufwendiger Erwerbstätigkeit außer Hause zu bringen, gegen die Gleichstellung anderer als monogamer und heterosexueller Partnerschaften mit dem klassischen Familienmodell.
Ich will hier nicht weiter thematisieren, wie ich zu Frau Beverfoerdes Ansichten stehe (Leser meines Weblogs wissen das vermutlich schon, es ist zudem für diesen Artikel völlig gleichgültig). Es geht mir um die Vorwürfe gegen Frau von Beverfoerde und um die von ihren Gegnern angewandten Methoden.

Zunächst: Frau von Beverfoerde spricht sich für den Erhalt jedes Menschenlebens aus. Rassisten tun das nicht. Somit ist der Vorwurf des Rassismus haltlos. Reaktionär, also rückwärtsgewandt, ist ein schwer definierbares Wort, solange man nicht klar sagt, bis wohin rückwärts sich jemand wendet. Sieht man die derzeitigen Bestrebungen an, jede Überzeugung und jede Form von Zusammenleben (außer die christliche Ehe) sowie jeden Umgang mit dem eigenen Körper und des anderen (außer wenn dieser Umgang christlicher Lehre entspricht) als gleich gut zu propagieren, dann ist Frau Beverfoerde selbstverständlich rückwärtsgewandt zu einer Zeit hin, wo etwas größere Klarheit über sinnvolle und sinnstiftende Arten des Zusammenlebens vorherrschte. Sieht man die zurückliegenden unseligen Zeiten an, in denen die Vernichtung von Menschen nicht nur erlaubt, sondern gefordert wurde, sofern diese Menschen einer enggefassten willkürlichen Norm nicht entsprachen, so ist Frau von Beverfoerde deutlich „vorwärtsgewandt“, also das genaue Gegenteil von reaktionär. Ob ihre Kritiker das von sich selbst ehrlicherweise behaupten können, sei dahingestellt.

Nun zu den propagierten Methoden. Das Hochjubeln einer Brandstiftung und die Hoffnung auf weitere solcher Aktionen heißt nichts anderes, als daß die vollständige, auch physische Vernichtung des Gegners gefordert und gefördert wird. Die Aussage „hintermänner und -frauen reaktionärer aufläufe haben namen und adressen.“ ist in diesem Zusammenhang ein Aufruf zur Lynchjustiz. (Eine Brandstiftung ist immer, ausnahmslos, die billigende Inkaufnahme vom Tod anderer Menschen, gleichgültig ob es bei der einzelnen Aktion tatsächlich Tote gibt oder nicht.)

Indymedia ist die Plattform für Spitzel, Blockwarte und Killer.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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4 Antworten zu Bejubelte Brandstiftung, verleumdete Opfer

  1. utopiosmessage schreibt:

    Jeder hält sich natürlich für die Guten. Kampf gegen homophobe Rechte. Kann ich verstehen, dass manche sich mit dieser These im Hintergrund auf der Seite der Guten wähnen.

    Umso erstaunlicher, dass Gut und Böse in ihren Taten dann doch so offen ihr wahres Gesicht zeigen. An den Früchten sollt ihr sie erkennen.

    Genauso wie manch ein besorgter Bürger, der ja nur vor dem Islam warnt, mit Brandanschlägen auf Asylheime zeigt nun der besorgte Bürger, der ja nur vor Homophobie und Diskriminierung warnt, sein wahres Gesicht. Die Taten verraten ihn…

    Wer Gewalt als legitimes Mittel ansieht steht nie auf der richtigen Seite.

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