„Wir verstehen unseren Kampf als Kampf gegen die Zivilisation“

Das steht da wirklich so – auf dem Hetzportal Indymedia. Diesmal wird ein Sabotageakt in Kanada hochgejubelt – recht ausführlich, einschließlich genauer Anleitung zur Sabotage des Schienenweges; ich zitiere nur wenige Auszüge (Hervorhebungen von mir):

Zwei Sabotageaktionen auf Eisenbahnstrecken. Die Infrastruktur von Staat und Kapital verbreitet ihre Tentakel …
In den letzten drei Wochen unterbrachen wir zweimal den Verkehr der Eisenbahnlinien NC im Stadteil Pointe-St. Charles zweimal.

Diese einfache Tat ist leicht reproduzierbar und beweist die Verletzlichkeit ihrer Infrastruktur trotz ihrer Überwachungstechnologien und der legalen Absicht des Apparates, uns zahnlos zu machen.
Die kürzliche Stärkung der Repressionskapazität des Staates Kanada durch das Gesetz C-51 beinhaltet auch eine verbindliche Mindeststrafe von fünf Jahren für die Manipulierung der kapitalistischen Infrastruktur. Für uns ist diese Gesetzgebung ausserdem, sowohl ein wesentlicher Bestandteil des Funktionierens der „kritischen“ Infrastruktur für ökologisch zerstörerische Projekte … als auch ein Zeichen der Kraft, mit der eine einfache Sabotageaktion dem Kampf dagegen beitragen kann.
Wir verstehen unseren Kampf als Kampf gegen die Zivilisation und die damit einhergehende tendenziell totalitäre Domestizierung; wir wollen nichts weniger als die totale Zerstörung aller Herrschaftsformen.
… hoffen wir zur Entstehung eines spezifischen Kampfes gegen diese Projekte der industriellen Expansion beizutragen.
Wir möchten uns … zur Bekämpfung dieser Projekte organisieren, inklusive regelmässige und generalisierte Schienenblockaden.
Für die Spannung gegen diese Welt, für die Verbreitung der Angriffe.

Einerseits zeigen die meisten Kommentare unter diesem Artikel, daß auch Menschen, die das Portal Indymedia und viele dort vertretene Positionen gut finden, die beschriebene Aktion und Haltung als dumm ansehen. Andererseits meldet sich dann auch ein Kommentator zu Wort, dem die Maya am Herzen liegen und der diese Herzensangelegenheit einleitet mit

Semiten haben genau wie Europäer in Amerika nix verloren

Ich denke mir das nicht aus!

indymedia
indymedia2

Natürlich darf auch in Deutschland der Kampf für das Gute nicht einfach durch die Ratio unterbrochen werden. Von gestern stammt nicht nur der Autor, sondern auch diese Nachricht:

AfD Parteibüro entglast und zugeschmiert
Gestern Nacht sind wir der AfD- Herbstoffensive entgegengetreten und haben der stellvertretenden Bundesvorsitzenden und Europaabgeordneten der AfD Beatrix Amelie Ehrengard Eilika von Storch das Parteibüro zerlegt. Wir wollen hiermit die Antifaschistische Gegenoffensive weiterführen. Schließlich stand ihr Auto bereits letzte Woche in Flammen…

Falls irgendein sinnerfassend Lesender diesen Hinweis braucht: Ich mag die AfD nicht, und zwar so überhaupt nicht, daß es mir schwerfällt, nicht zu denken „Och, nicht so schlimm“. Zum Glück gebe ich mir beim Denken meistens ziemlich viel Mühe. Und dann kommt heraus: Es ist vollständig wumpe, ob ich die AfD für gut oder für wertneutral oder für einen elenden Verein unbelehrbarer Bürgersöhnchen und -töchterchen halte, wenn es um kriminelle Akte gegen dieselben geht.

Ich wage immer noch zu hoffen, daß der ein oder andere aus dem anderen elenden Verein unbelehrbarer Bürgersöhnchen und -töchterchen – also der ein oder andere Indymedia-Nutzer – sich irgendwann mit einem AfD-Aktivisten zusammen- und auseinandersetzt, und am Ende kommen sie erstaunt zu dem Schluß, daß sie beide gleich wenig taugen. Und dann wäre noch schön, wenn sie zusammen nach Kanada auswandern. Und dort die Bahn benutzen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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10 Antworten zu „Wir verstehen unseren Kampf als Kampf gegen die Zivilisation“

  1. Severus schreibt:

    „Höfliche Kommentare sind willkommen …“ — naja, ich probiers einfach mal – und sage mit Blick auf die AfD: Was dieses hirnamputierte Antifa-Gesindel bekämpft, das MUSS einfach gut sein !!

    • Wolfram schreibt:

      Wer Gewalt anwendet oder auch nur befürwortet, um Leute mundtot zu machen, deren Ansichten ihm missfallen, sollte sehr vorsichtig sein, welche Diagnosen er stellt: die könnten sich als Bumerang herausstellen.

      AfD, Antifa, Da’esch und alle sonstigen „willst du nicht meiner Meinung sein, dann schlag ich dir den Schädel ein“-Dumpfbacken dürfen gern mal gemeinsam einen Selbstfindungskurs auf einer (ansonsten) unbewohnten Schäreninsel absolvieren. Mal sehen, wie lange sie brauchen, um den Menschen in sich wiederzuentdecken.

      Claudia, ich finde es unfair gegenüber den Kanadiern, denen dieses Gelichter aufzuhalsen… Als hätten die nicht genug eigene Sorgen.

  2. Severus schreibt:

    Augenblick, liebe Claudia Sperlich – ich fürchte, wir sind da in der Hitze des Gefechts in eine Logik- (Logic-Lane) Falle gelaufen. Ich versuche meinen simpel formulierten Kommentar zu präzisieren:

    a) Allein die Tatsache, dass „Antifa“ und Konsorten folgende Gruppen mit zunehmender verbaler und physischer Gewalt bekämpfen: AfD, Pegida, Demo für Alle, Marsch für das Leben … – all das könnte (!) einen unbefangenen Beobachter zum dem Schluss führen: all diese Antifa-Opfer haben etwas gemeinsam und stehen für Werte der Zivilisation, der Kultur und des Christentums.

    b) zur AfD: Ich bin der Überzeugung, dass diese „Alternative“ (zum gegenwärtigen Machtkartell aus Politik und Medien) lebensnotwendig für Demokratie und Rechtsstaat ist – eben mangels „anderer Alternativen“ ! 🙂

    Herzlichen Gruß !

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Entschuldige bitte, jetzt hatte ich es noch vor diesem Kommentar selbst gemerkt und meine falschen Kommentare gelöscht. Dies bemerkt und meine Antworten gelöscht habend, hier noch einmal richtig.🙂

      Nein, eine Rotte von deutschnationalen Schwurblern, die sich anmaßt, das Abendland retten zu wollen, ohne eine Stunde am Stück darüber nachgedacht zu haben, was das Abendland eigentlich ist … nein, die wird auch davon nicht besser, daß unter ihren Gegnern Typen sind, die genau so bescheuert sind.

      • Severus schreibt:

        Ja, ja … aber beispielsweise die „Demo Für Alle“ – ich selbst war in Stuttgart von Anfang an dabei – das ist doch keine „Rotte von deutschnationalen Schwurblern“ – aber doch bevorzugtes Hassobjekt von geifernden Antifanten (siehe Hedwig von Beverfoerde !), Grünen, Sozialisten, Gewerkschaftern, Linken, Piraten und weiß der Geier noch was ! Pardon – aber ich persönlich glaube doch mehr als eine Stunde über das „christliche Abendland“ nachgedacht zu haben!

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Ich rede ja auch nicht gegen die Demo für Alle, sondern gegen AfD. Und wir sind uns doch einig, ich bin hier schließlich gerade bei einem Indymedia-Verriss! Nebenbei sind wir uns ebenso einig (hoffe ich), daß völlig unabhängig von der persönlichen Art und Überzeugung eines Menschen weder sein Eigentum noch er selbst bedroht oder zerstört werden dürfen. Weder wenn er der AfD angehört noch wenn er AfD-Autos anzündet. Ich dachte eigentlich, das hätte ich deutlich gemacht.
        Ich schreibe hier ja schon eine Weile über Dinge, für die ich schon heftig angegriffen wurde (Lebensschutz, katholische Kirche und so) – und für die ein Bloggerkollege existenziell bedroht wurde.
        Ich schreibe aber auch, daß ich deutschnationales Geschwurbel nicht billige. Und das ist auf zu vielen Videos von AfD-Kundgebungen und -Demonstrationszügen zu hören.

        Und ich bin so langsam der Ansicht, daß nicht nur das Abendland, das Morgenland und der ganze Rest der Welt, sondern auch Bildung, Güte, Liebe und Kirche nicht mehr zu retten sind. Nicht vor den anderen und nicht vor sich selbst.

        Die von AfD so vielbeschworene „Islamisierung“ zum Beispiel: Die ist ein Quark. Wenn die Mehrheit der Katholiken jeden Sonntag und jeden gebotenen Feiertag und so oft wie möglich auch sonst zur Messe ginge, und wenn in Deutschland bessere Katechese, besseres Laienapostolat und bessere theologische Fakultäten zu haben wären, oder von den besseren mehr, dann gäbe es die ganzen düsteren Prognosen nicht.

        OK… das mit der Kirche nehm ich zurück. Jesus hat ja gesagt, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwinden werden. Das dürfte die Pforten deutscher Bistümer einschließen.

      • Klaus Ebner schreibt:

        Besonders lustig fand ich ehrlich gesagt den „Weihnachts-Spaziergang“ von Pegida – als man den „Verteidigern des christlichen Abendlandes“ den Text von „Stille Nacht“ auf Zetteln ausdrucken musste, weil sie ihn sonst nicht singen hätten können ;-))

  3. akinom schreibt:

    Einfach sprachlos macht dieser Beitrag! Und fast niemand erkennt die Brisanz oder will sie wahr haben!

    Für mutige, ja tollkühne „Zeitgeist-Exorzisten“ wie Sie, Frau Sperlich, habe ich zur Rückenstärkung in meinem begleitenden Gebet besonders drei Schutzpatrone und Fürsprecher ausgewählt, die die globale unfassbare Verwirrung und Sünde aus der Perspektive des Himmlischen Jerusalem betrachten. Es sind die jetzt endlich heilig gesprochenen Eltern der „kleinen“ heiligen Theresia von Lisieux und der heiligen Mediengigant und Märtyrer Maximilian Kolbe. Einverstanden?

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