Erläuterungen zu meinen Wertevorstellungen

Anhang zu meiner Patientenverfügung

Soweit ich das mitten im Leben stehend sagen kann, sehe ich dem Tod angstfrei entgegen; als Christin glaube ich, daß er ein Übergang zu unzerstörbarem Leben in Liebe ist. Jedoch habe ich Angst vor einem lang hingezogenen Vegetieren vor dem Tode. Aus meiner Erfahrung in der Altenpflege weiß ich, daß Menschen in völlig hilflosem Zustand nicht nur unter Schmerzen, Angst und eigener Verständnislosigkeit gegenüber dem sie betreffenden Geschehen sowie unter der Verständnislosigkeit anderer – Pflegender wie Besucher – ihnen gegenüber leiden, sondern daß auch mit wachsender Hilflosigkeit der Respekt des Pflegepersonals schwindet. So werden Menschen, solange sie sich noch artikulieren können, gesiezt; sobald sie sprachlos sind, werden sie geduzt und ihre Namen durch Deminutiv verniedlicht. Ich wünsche nicht, jemals von Pflegern oder Schwestern (oder sonst jemandem) als „unser Claudialein“ bezeichnet zu werden.

Ich lebe sehr weitgehend durch meinen Intellekt. Meine Geisteskräfte zu verlieren, erscheint mir als besonders schreckliches Übel. Aus der Erfahrung stark eingeschränkter Denkfähigkeit in den ersten Jahren nach einem Schädel-Hirn-Trauma in meiner Kindheit weiß ich, wie sehr ich unter diesem Mangel leiden müßte. Damals war es richtig, mich wieder ins Leben zu bringen, da Hoffnung auf Besserung bestand (und sich erfüllt hat). Bei einer Demenzerkrankung bestünde diese Hoffnung nicht.

Zwar bin ich strikt gegen aktive Sterbehilfe, gegen alle Maßnahmen, die sich in der Nähe der Euthanasie bewegen. Deshalb wäre beispielsweise eine Demenzerkrankung bei körperlichem dem Alter angemessenen Wohlergehen ein Leid, das ich nach meinen eigenen ethischen Maßstäben ertragen müßte – und ich vertraue darauf, daß Gott mir, wenn es dahin kommt, die Kraft zum Ertragen gibt.

Jedoch möchte ich nicht mit Gewalt am Leben erhalten werden, wenn mein Körper so hinfällig wird, daß ein Weiterleben ohne ständige intensivmedizinische Unterstützung nicht möglich ist und eine Besserung nicht zu erhoffen ist.

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